UNTERÄGERI: Unterägerer Geschichtenerzähler Silvio Z.: Dem Spass verschrieben

Silvio Zimmermann (57) sitzt derzeit an seinem 20. Buch. Der Autor, der nicht so genannt werden will, führt eine Detektivreihe fort. Deren Hauptfigur soll nicht auf ihn schliessen lassen. Natürlich tut sie es doch.
Silvio Zimmermann ist ein umtriebiger Autor, er schreibt gerne Krimis und veröffentlicht diese im Selbstverlag. Das Bild zeigt ihn in seiner Wohnung in Unterägeri. (Bild: Stefan Kaiser (Zuger Zeitung))

Silvio Zimmermann ist ein umtriebiger Autor, er schreibt gerne Krimis und veröffentlicht diese im Selbstverlag. Das Bild zeigt ihn in seiner Wohnung in Unterägeri. (Bild: Stefan Kaiser (Zuger Zeitung))

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Ob eine angebrochene Weinflasche auf die Wohnung eines Detektivs schliessen lässt? Wohl kaum. Silvio Zimmermann, in dessen Küche erwähnte Weinflasche steht, ist auch keiner – aber er hat einen erschaffen: John Etter. Jener ist die Hauptfigur in zwei Romanen des 57-jährigen Unterägerers. Der dritte und vierte Fall sind bereits in Arbeit, manches spielt an realen Orten im Kanton Zug.

John Etter verkörpert Detektiv-Stereotypen: So ist er unter anderem dem Alkohol zugeneigt und ein Frauenheld, und natürlich steckt unter der harten Schale ein weicher Kern. Bei jeder Romanfigur stellt sich die Frage, wie viel vom Autor sich in ihr findet. Zimmermann sagt, dass John Etter keine Ähnlichkeit mit ihm habe, und er sich keine Eigenschaft des Detektivs wünschen würde. «Er ist so eine Art Hero, und ich... na ja», sagt der Verfasser lächelnd.

Geld ist nicht der Antrieb

Zimmermanns Art, sich selbst nicht allzu wichtig zu nehmen, wirkt wegen ihres zahlreichen Auftretens im Gespräch wie Koketterie. Schliesslich hat er 10 Romane und 9 weitere Bücher verfasst. Doch er winkt ab. Er will weder Autor noch Schriftsteller genannt werden, «ich bin Geschichtenerzähler». Zimmermann schreibe nur spasseshalber und wolle einfach «das Glücksgefühl» erleben, ein eigenes Buch in den Händen zu halten. Der eine oder andere Schreib- und Grammatikfehler im Buch? Kommentare im Internet? Die Verkaufszahlen? Egal. Egal. Egal.
Diese Gleichgültigkeit muss man sich leisten können. Zimmermann, dessen Romane unter dem nicht allzu originellen Namen «Silvio Z.» erscheinen, verlegt seine Bücher selbst. Ihm ist die Unabhängigkeit wichtig.

Geld verdiene er nicht mit dem Schreiben, sein Auskommen sichert ihm sein Beruf: Der frühere Marketingleiter und Geschäftsführer in verschiedenen Branchen und Firmen ist heute eine Ein-Mann-Firma für Persönlichkeitsentwicklung, Motivation und dergleichen. Sein bislang meistverkauftes Werk («In Tausenderauflage») zeugt davon: Es trägt den Titel «Du bist einmalig. Dein Powerbuch.»

Wann das nächste Buch von Silvio Zimmermann erscheinen wird, steht noch aus. Lang dürfte es aber kaum mehr dauern. Es wird der dritte Teil von «John Etter» sein. Wie schon in den ersten beiden Teilen soll der Verfasser selbst keine Rolle spielen – wohl aber Ereignisse aus seinem Leben. Die Chancen stehen gut, dass das Buch wie die Vorgänger mit einem Happy End aufhört.
«Ich glaube an das Gute», sagt Zimmermann.

Eine wilde Vergangenheit

In diesem Punkt zeichnet sich doch noch eine Parallele zur Romanfigur ab. Der Detektiv Etter hat seine sprunghafte amouröse Vergangenheit hinter sich gelassen, um sesshaft und glücklich zu werden. Sein Erschaffer hat aus früheren Partnerschaften zwei Kinder, lebt aber seit mehreren Jahren in einer festen Beziehung, «der längsten meines Lebens».

Silvio Zimmermann hat seine unstete Lebensweise von einst in Buchform aufgearbeitet, unter dem bezeichnenden Titel «Der Schlamp». «Ich habe das Chaos gesucht und gefunden – privat und beruflich», sagt er. Darüber zu sprechen macht ihm nichts aus. «Das ist vergangen und ein Teil davon, was ich heute bin: ein zufriedener Mensch.»

Das «Verliebt ins Verliebtsein», wie er es nennt, also immer wieder aufs Neue Leidenschaft zu entfachen, lebt Zimmermann mittlerweile in anderer Form aus: als Geschichtenerzähler.

Hinweis

Am 7. April stellt Silvio Zimmermann seinen ersten John-Etter-Roman im Rahmen eines «Dine, Wine, Crime and more» im Restaurant Höllgrotten vor. Mehr dazu ist auf der Facebookseite des Restaurants zu finden. Er hilft ausserdem anderen beim Schreiben eigener Bücher: www.buchwerkzeug.ch.

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