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UNTERÄGERI: Vom Kurhaus zum Kinderhotel

Auf dem Areal des ehemaligen Annahofs soll ein einzigartiges Hotel entstehen: für Familien mit pflegebedürftigen Kindern.
Carmen Desax
Der Annahof in Unterägeri steht vor grossen Veränderungen. (Bilder PD/Christian H. Hildebrand)

Der Annahof in Unterägeri steht vor grossen Veränderungen. (Bilder PD/Christian H. Hildebrand)

Carmen Desax

Babalou – an diesen Namen sollte man sich in Unterägeri gewöhnen. Seit dieser Woche ist bekannt, dass auf dem Areal des ehemaligen Annahofs ein Familienhotel mit ebendiesem Namen entstehen soll. Es handelt sich dabei aber nicht um ein normales Familienhotel, wie es sie in der Schweiz zuhauf gibt, sondern um ein Hotel speziell für pflegebedürftige Kinder, deren Eltern und gesunden Geschwistern. Das Angebot wird mindestens im deutschsprachigen Europa ziemlich einzigartig sein.

Vom Kurhaus zum Kinderhotel, das war kein einfacher Weg, wie Martin Lohr, Geschäftsleiter Annahof, zugibt: «Es war eine grosse Herausforderung, das geplante Gesundheitshaus auch langfristig auszurichten.» Man habe sich alle möglichen Varianten überlegt. Dazu gehörte auch die Weiterführung als Kurhaus. «Das war naheliegend. Doch hat das Zukunft?», fragt Lohr. Dass die bestehenden Alterswohnungen bleiben, sei gesetzt gewesen, und diese wollte man auch nicht konkurrenzieren. «Das Thema Kind hat uns dann plötzlich nicht mehr losgelassen», gesteht er und meint weiter: «Auch das hat im Ägerital ja Tradition.»

Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts gab es nämlich in Unterägeri Kinderheilstätten. Daran wolle man nun anknüpfen, so der Geschäftsleiter. «In fast 10 Prozent der Schweizer Haushalte lebt ein Kind, das spezielle Pflege und Zuneigung benötigt, weil es behindert, handicapiert, schwer krank oder nach einem medizinischen Eingriff rekonvaleszent ist», informiert er weiter.

Erholung für die ganze Familie

In Unterägeri sollen sich Eltern und Geschwister, aber auch die Patienten erholen können. Das Grundangebot entspreche dabei einem typischen Kinderhotel: Werkatelier, Spiel und Spass, Musik, um nur einige zu nennen. Dabei soll auch die Umgebung nicht zu kurz kommen. «Wir streben eine Zusammenarbeit mit Angeboten aus dem Ägerital an wie etwa Skifahren, Minigolf oder ganz einfach dem See an», wünscht sich Lohr.

Hinzu kommt die Betreuung für Kinder mit speziellen Bedürfnissen. Diesen steht ein 24-Stunden-Pflegedienst zur Verfügung. Sichergestellt durch die Kinderspitex sowie die geplante Kinderarztpraxis. Die Pflege soll im Hintergrund aber allgegenwärtig sein. «Für betroffene Familien ist die Finanzierung solcher Ferien ein grosses Thema», hebt er einen weiteren Aspekt hervor. Deshalb habe man sich entschieden, die Stiftung Pro Valere zu gründen. Es sei eine national tätige Stiftung, die vielleicht auch Ferien an einem anderen Ort unterstützen könne. Deshalb sei auch der Stiftungsrat national ausgerichtet. Wer genau dazugehört, will Lohr noch nicht verraten und sagt nur so viel: «Die Gründung erfolgt im Herbst.»

Kinderarztpraxis schliesst Lücke

Die bereits erwähnte Kinderarztpraxis ist ein weiterer wichtiger Eckpfeiler des neuen Projekts. «So kann das fehlende Angebot im Ägerital geschlossen werden», meint Lohr. Die Praxis wird also öffentlich sein. Das Hotel Babalou ist also ein wichtiger, aber längst nicht der einzige Aspekt. Weiterhin werden die bestehenden 31 Alterswohnungen eine hohe Priorität haben. Zusätzlich dazu werden in den oberen Etagen des Hotels 13 Residenzwohnungen für Senioren mit Dienstleistungserwartungen eingeflochten (siehe Box). Drei Neubauten bieten Platz für 27 Zweieinhalb- bis Fünfeinhalb-Zimmer-Wohnungen. Im Hotelgebäude entsteht zudem ein Restaurant mit einem Saal, der auch von Privaten genutzt werden kann.

Weil damit in Unterägeri etwas ganz Neues entsteht, soll auch der Name ganz neu sein. «Wir glauben, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, uns vom Namen Annahof zu trennen», sagt Martin Lohr. Ein neuer Name sei unbelastet und könne eine Marke werden, nämlich: «Babalou: das pflegende Familienhotel». Doch die Verantwortlichen gehen noch einen Schritt weiter: «Ist der Strassenname St. Annahof noch richtig?», fragt Lohr rhetorisch nach. «Wir wollen die Geschichte nicht einfach vergessen. Hier war mal das Baumgärtli. Wir könnten uns also gut vorstellen, dass die Adresse dereinst «am Baumgärtli» lautet.» Noch sei das aber Gegenstand einer Diskussion und nicht in Stein gemeisselt. Die Unterägerer haben also noch etwas Zeit, sich vom Namen Annahof ganz zu verabschieden.

Lange Geschichte

Das braucht es wohl auch, hat der Annahof doch eine lange, emotionale Geschichte. Im Herbst 2014 begann die Partnerschaft zwischen der Solothurner Bonainvest Holding AG und dem Stiftungsrat St. Anna. Dies, nachdem klar wurde, dass die Unterägerer Stiftung das nötige Neubauprojekt nicht selber tragen kann. Die Bonainvest übernahm Anfang 2015 nicht nur das Projekt, sondern gleich die ganze Liegenschaft. Die St.-Anna-Stiftung erhielt ein Mitspracherecht. Damit und mit einem Vorkaufsrecht der Stiftung wurde abgesichert, dass die Bonainvest AG das Land nicht an Spekulanten verhökert. Nach mehr als einem Jahr können die beiden Parteien das Resultat der gemeinsamen Arbeit nun präsentieren. Beide sind am neuen Gesundheitshaus beteiligt. Dafür wurde die Casalive Annahof AG gegründet. Deren Geschäftsleiter ist wiederum Martin Lohr. «Wir haben intensiv am Projekt gearbeitet», erklärt Ivo Bracher, Verwaltungsratspräsident der Bonainvest AG. «Alles, was wir bauen, ist nachhaltig. Inhaltlich machen wir keine Kompromisse», führt er aus. Die Bauten seien grundsätzlich rollstuhlgängig, vernetzt, und die Sicherheit sei garantiert. Momentan befinde man sich mit der Arealüberbauung in der Vorprojektphase. Die Baueingabe sei im kommenden Herbst geplant. «Haben wir die Bewilligung, fangen wir sofort mit dem Bau an.»

Servicewohnen

Die Solothurner Bonainvest Holding AG investiert in ausgewählte Wohnliegenschaften im Bereich Wohnen im Alter und Wohnen mit Dienstleistungen. Die AG rechnet damit, dass bis Ende 2016 1500 Wohnungen zu ihrer Vernetzung gehören. 120 Investoren beteiligen sich am Unternehmen, 60 davon sind pensionskassenbeteiligt.

Bonacasa-Service-System

Die Mietwohnungen werden nach ökologischen und gehobenen Baustandards erstellt und gehören in den Bereich des Servicewohnens.

Die bestehenden Alterswohnungen im Areal Annahof sind bereits an das Bonacasa-Service-System angeschlossen. Das bedeutet: Zugang zu unterschiedlichsten Services und Dienstleistungen. Dazu gehören etwa Reinigung, Wäsche, Fahrdienste oder administrative Unterstützung, aber auch ein Sicherheits- und Notrufservice wie die ganztägige Telefon- und Notrufzentrale.

Jüngeren Menschen wird vorab eine Komfortdienstleistung geboten. In der Arealüberbauung werden sämtliche Dienstleistungen wie auch die Ansprechperson über den Hotelleriebereich abgedeckt.

cde

Die Visualisierung zeigt, wie der Komplex dereinst aussehen soll. (Bild: PD)

Die Visualisierung zeigt, wie der Komplex dereinst aussehen soll. (Bild: PD)

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