UNTERÄGERI: «Wir hatten irrsinniges Glück»

Das Chlösterli feiert sein 50. Jubiläum. Es ist, nicht zuletzt dank seiner Bewohnerinnen und Bewohner, zur unverzichtbaren Institution im Dorf geworden. Ein Besuch beim Ehepaar Elsi und Alois Iten.

Carina Iten
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Können sich kaum einen schöneren Wohnort vorstellen: Elsi und Alois Iten. (Bild: Werner Schelbert (Unterägeri, 26. Mai 2017))

Können sich kaum einen schöneren Wohnort vorstellen: Elsi und Alois Iten. (Bild: Werner Schelbert (Unterägeri, 26. Mai 2017))

Carina Iten

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An ihren ersten Tag im Chlösterli können sich Elsi (92) und Alois (94) Iten noch gut erinnern: «Es war alles ein bisschen hektisch», erzählt Elsi Iten. «Wir dachten schon, dass wir irgendwann mal ins Chlösterli ziehen würden, aber nicht, dass es so schnell geht.» Als der Anruf kam, dass eine Wohnung frei sei, in der auch noch das ganze Wohnzimmermobiliar Platz hätte, musste das Paar aber nicht lange überlegen. Innert zweier Wochen siedelten die Itens von ihrem ehemaligen Bauernhof in der Schwendi ins Alterszentrum Chlösterli um. Das ist heute dreieinhalb Jahre her.

Eingelebt hat sich das Paar schnell, und einen schöneren, betreuten Wohnort können sich die beiden heute kaum vorstellen. Von der hellen Zwei-Zimmer-Eckwohnung im dritten Stock überblicken sie die unberührte Natur hinter dem Haus und einen Esel- und Pferdestall. Auf dem Balkon stehen Blumenkästen, die ihre Kinder saisonal bepflanzen, und vom Schlafzimmer aus kann man den exotischen Alpakas beim Wiederkäuen im Garten zusehen. Idyllischer lebt kaum jemand im Ägerital.

Fitness, Gedächtnistraining, Jassen und Spazieren

Bis zur Pensionierung hatte das Ehepaar seinen eigenen Bauernhof in Unterägeri, heute wird dieser von einem der drei Söhne weitergeführt. «Wir hatten immer viele Leute im Haus und geniessen es auch heute noch, unter Leuten zu sein», so Alois Iten. Der Kontakt zu den vier Kindern und der Familie ist immer noch eng, und mittlerweile kommen gar die ersten Urenkel zu Besuch. «Wir hatten es in der Familie stets gut miteinander, man kann sagen, wir hatten einfach ein irrsinniges Glück», resümiert er.

Seit er und seine Frau im Chlösterli wohnen, stehen anstatt der Hof- und Hausarbeit diverse Aktivitäten auf dem Tagesprogramm. Am Morgen besuchen sie etwa das Baschi-Fit oder das Gedächtnistraining. Am Donnerstagabend steht Jassen auf dem Programm, und am Nachmittag gehen die beiden jeweils spazieren – «und zwar bei jedem Wetter», betont Elsi Iten. «Langweilig kann es uns hier gar nicht werden, es gibt so ein grosses Angebot», fügt ihr Mann an.

Eine Weltreise mit 90 Jahren

Sogar Ferien sind noch immer fest eingeplant. Elsi Iten hat soeben eine Woche mit anderen Chlösterli-Bewohnern im Tessin verbracht und unternahm vor ein paar Jahren eine fünfwöchige Weltreise mit einem ihrer Söhne und dessen Familie, um bei der Hochzeit ihrer Enkelin in Neuseeland dabei sein zu können. «Das war eine Traumreise», schwärmt sie. Verzichten müssen sie auf nichts, nur ihren Garten vermisse sie ein wenig. «Man muss es einfach nehmen, wie es ist. Wir glauben ja selbst nicht, dass wir schon so alt sind», scherzt sie und fügt an: «Und dass ich nicht mehr selber kochen muss, darüber bin ich auch nicht böse.» Der Humor und die Leichtigkeit sind den beiden über die Jahre nicht abhanden gekommen. Ist das das Geheimnis der langen und glücklichen Ehe? «Ja, wir hatten nie gross Chritz miteinander, und in der Freizeit sind wir oft tanzen gegangen», erzählt Elsi Iten. Das Tanzen geht seit ein paar Jahren nicht mehr. «Wir haben beide Mühe mit dem Gleichgewicht.» Alois Iten ergänzt: «Der Kopf würde ja schon, aber die Beine machen nicht mehr mit.»

Auf die musikalische Unterhaltung am Chlösterlifest freuen sich die beiden deshalb besonders: «Da bleiben wir sicher nicht nur bis um neun Uhr, auf dem Stuhl hin und her wackeln können wir ja noch.»