UNTERÄGERI: Wo die Fasnacht das Jahr verbringt

Am Samstag beginnt mit der Inthronisation die Wylägerer Fasnacht. Höchste Zeit einen speziellen Schopf zu öffnen.

Luc Müller
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Haben im Narrenschopf eine Aufbewahrungskiste ausgepackt: Max Büchi (links) und Xaver Stierli. (Bild: Christof Borner-Keller / Neue ZZ)

Haben im Narrenschopf eine Aufbewahrungskiste ausgepackt: Max Büchi (links) und Xaver Stierli. (Bild: Christof Borner-Keller / Neue ZZ)

Max Büchi öffnet die Türe zum Schuppen – und damit zu einem Paradies für Fasnachtsfreunde. Im Innern betritt man einen gemütlichen Raum mit Küche und Holztischen und -stühlen. An den getäferten Wänden hängen verschiedene Holzmasken. «Das sind Geschenke der Hornberger Narrenzunft aus dem Schwarzwald», erklärt Xaver Stierli. Der 70-Jährige ist Präsident des Vereins Wylägerer Narrenschopf, zudem war er jahrelang Präsident der Unterägerer Fasnachtsgesellschaft Wylägerer. Im Schopf, der in der Nähe der alten Spinnerei liegt, werden Masken und Kostüme der Fasnachtsgesellschaft zentral aufbewahrt. Bis zu 200 Gewänder und 80 Masken lagern in Kleiderschränken oder sind feinsäuberlich in Kisten verpackt – die ganz angefressenen Fasnächtler lagern ihre Kostüme auch zu Hause. «Jetzt sind natürlich schon viele Kostüme geholt worden», betont Max Büchi (65), der Vizepräsident des Vereins Wylägerer Narrenschopf. Denn am Samstag startet in Unterägeri die 51. Wylägerer Fasnacht mit der Inthronisation der diesjährigen Narrenmutter und des Ehrenbadjöggels.

Die Fasnachtsgesellschaft, die rund 400 Mitglieder hat, besteht aus verschiedenen Gruppen, die durch verschiedene Fasnachtsfiguren repräsentiert werden. Zur bekanntesten gehört der Badjöggel: Er ist das närrische Symbol der Wylägerer Fasnacht und erinnert an Beat-Jakob Iten ab Kreuzmühle. Dieser baute das Elektrizitätswerk in der Kreuzmühle, das 1888 in Betrieb genommen wurde. «Aufgrund von alten Fotos von Beat-Jakob Iten haben wir eine Holzmaske anfertigen lassen, die einen lieben und lustigen Mann zeigt», erklärt Büchi, während er eine der Aufbewahrungsboxen öffnet. «Die Holzmasken werden im luzernischen Kriens geschnitzt. Eine kostet bis zu 650 Franken. Es gibt drei Grössen», doppelt Max Büchi nach. Zum Kostüm des Badjöggels gehören noch Holzschuhe, eine Kutte mit Hose, Handschuhe, Socken, ein Halstuch, ein mit Schellen behangener Rollgurt und eine Tasche. Die ganze Ausrüstung hat einen Wert von bis zu 1000 Franken. Vorher machten die Wylägerer ihre Masken selbst aus Pappmaché. Doch seit 1990 sind die Wylägerer Mitglied der Vereinigung Schwäbisch-Allemanischer Narrenzünfte: Holzmasken zu tragen, wird hier bevorzugt.

Eine weitere Gruppe sind die Nüssler, die als «Tiroler» oder als «Der Blätz» auftreten. Sie tragen dünne, mit Wachs getränkte Masken. «Nach der Fasnacht sind diese durch das Schwitzen jeweils so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass man sie wegwirft.

Eine Maske kostet rund 15 Franken», sagt Xaver Stierli. Umso teurer ist der Schellengurt, welchen die Tiroler tragen: Ein neuer kostet bis zu 2500 Franken.

Früher eine Futtermühle

Max Büchi war von 1980 bis 1997 Präsident der Fasnachtsgesellschaft Wylägerer, die 1964 gegründet wurde. Die Geschichte des Narrenschopfs ist untrennbar mit Büchi und Stierli verbunden, die in Anlehnung an ihre Vornamen «Xamax» genannt werden. «Zuerst waren wir im Schopf, der 1928 als Futtermühle und Lagerraum erstellt wurde, eingemietet», erinnert sich Max Büchi. Doch plötzlich im Jahre 1983 bekam die Fasnachtsgesellschaft vom Besitzer das Angebot, den Schopf für 120 000 Franken zu kaufen. «Zu diesem Zweck mussten wir damals eigens den Verein Wylägerer Narrenschopf gründen», so Büchi. An der Gemeindeversammlung sprachen die Stimmberechtigten damals einen Beitrag in Höhe von 40 000 Franken für die Anzahlung des Narrenschopfes. «Das Gebäude ist der Dreh- und Angelpunkt während der Fasnacht. Aber auch unter dem Jahr treffen wir uns hier. Der Schopf kann auch von Privaten gemietet werden.» Rund 50 000 Franken haben die Renovationsarbeiten gekostet, wobei 2500 freiwillige Arbeitsstunden eingeflossen sind. Der Aufwand hat sich gelohnt: Auch wer kein Fasnächtler ist, dem wird trotzdem warm ums Herz, wenn er in der edlen mit Holz ausstaffierten Narrenstube steht.