UNTERÄGERI: Zuger Vermisstenfall: Alles nur vorgetäuscht

Die Umstände um das Verschwinden einer 11-Jährigen aus Unterägeri sind geklärt: Das Mädchen war nur dem Schein nach vermisst. Die Mutter hatte das Mädchen versteckt.

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Die Polizei suchte in der Luft und am Boden nach der Vermissten. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Die Polizei suchte in der Luft und am Boden nach der Vermissten. (Bild: Stefan Kaiser / Neue ZZ)

Wie die Zuger Strafverfolgungsbehörden am Mittwoch mitteilen, inszenierte die Mutter einen Vermisstenfall. Erste Befragungen und Ermittlungen der Polizei haben folgendes Szenario ergeben: Statt in die Schule zu gehen, begab sich das 11-jährige Mädchen am Montag um 8 Uhr nach Hause zu ihrer Mutter. Unklar ist, ob das Mädchen freiwillig nach Hause ging oder von der Mutter nach Hause beordert wurde. Als Betreuer des Internats und später auch die Polizei an der Haustüre vorsprachen, versteckte die Mutter ihre Tochter in der Wohnung. Dort blieb sie bis etwa am Dienstagmittag. Danach begab sie sich im Wissen der Mutter in die Wohnung des Nachbars. Als dieser – ohne es zu wissen – am Abend von der Arbeit nach Hause kam, entdeckte er die 11-Jährige und alarmierte sofort die Zuger Polizei. Der Mann habe mit der ganzen Sache nichts zu tun, hiess es bei der Zuger Polizei auf Anfrage.

Laut Mitteilung der Strafverfolgungsbehörden verfügt die Familie der Vermissten über einen Schlüssel der Nachbarwohnung, um bei Ferienabwesenheiten des Nachbars nach dem Rechten zu sehen.

Auslöser des Vorfalls waren wohl psychische Probleme. Der Notfallpsychiater wies die Frau umgehend in eine psychiatrische Klinik ein. Aufgrund dieser Probleme lebte das Mädchen auch bereits in einem Internat. Der Zuger Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (KESB) kümmert sich nun um den Fall. Das 11-jährige Mädchen und ihre 15-jährige Schwester wurden fremdplatziert.

Suchaktion dauerte 30 Stunden

Aufgrund der besonderen Umstände klärt die Polizei nun ab, ob gegen die Mutter rechtliche Schritte eingeleitet werden. Geprüft wird auch, ob ihr die Kosten des Einsatzes in Rechnung gestellt werden können. Armee und Zivilschutz rückten am Montag mit einem Grossaufgebot aus. Die Zuger Polizei war mit Hunden und einem Helikopter im Einsatz, um das Mädchen zu finden. Der Einsatz dauerte rund 30 Stunden.

rem/sda