Unterfeld Süd in Baar: SVP und SP beschliessen Stimmfreigabe

Für die Ortsparteien sind bei den neuen Plänen für das Gebiet auf Baarer Boden noch einige Fragen offen.

Rahel Hug
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Das Gebiet Unterfeld Süd in Baar.

Das Gebiet Unterfeld Süd in Baar.

Bild: Stefan Kaiser (10. Mai 2016)

Wird es im zweiten Anlauf klappen? Am 27. September kommt in Baar die Gebietsplanung Unterfeld Süd zur Abstimmung. Dies, nachdem im Jahr 2017 ein gemeindeübergreifender Bebauungsplan vom Stimmvolk knapp abgelehnt wurde. Das neue Projekt sieht unter anderem drei Hochhäuser vor, insgesamt soll ein Nutzungsmass von rund 77000 Quadratmetern entstehen.

Nicht alle Ortsparteien stehen bei der Anpassung der Bauordnung und des Zonenplans hinter dem Gemeinderat. «Ja, aber...» findet etwa die SP und hat Stimmfreigabe beschlossen. Auch die SVP gibt keine Empfehlung ab. Für Alois Gössi, SP-Kantonsrat und Vorstandsmitglied, sind zu viele Fragen ungeklärt: «Werden die Gebäude so nachhaltig erstellt, wie es die Implenia AG (als grösster Besitzer) aktuell verspricht? Wie kann das immer noch wuchtige Bauprojekt an den Verkehr angeschlossen werden? Kommt die Gemeinde Baar zu einer langfristigen Lösung für die ‹Beschulung› der Schülerinnen und Schüler aus dem Unterfeld Süd?»

Aus diesen Gründen könne die SP keine Empfehlung abgeben. Die SVP begrüsst «die Verbesserungen mit weniger Hochhäusern und mehr Freiräumen gegenüber der ersten abgelehnten Vorlage», wie Präsident Adrian Rogger Auskunft gibt. Man habe aber Verständnis für die kritische Haltung zahlreicher Baarerinnen und Baarer, die «wertvolles Kulturland erhalten möchten und sich gegen die Zubetonierung der Schweiz wehren».

Anzahl Parkplätze und Büroflächen geben zu reden

Bei den Mitteparteien kommen die neuen Pläne gut an. Wie die CVP-Präsidentin Olivia Bühlmann erklärt, erscheine das Bauprojekt ausgewogener, und es sei erfreulich, dass der Anteil an preisgünstigen Wohnungen erhöht wurde. Im abgelehnten Projekt wurde auf Baarer Gebiet ein minimaler Anteil von 6000 Quadratmetern für preisgünstigen Wohnraum festgelegt; neu wird die Erstellung von mindestens 10000 Quadratmetern gesichert.

Zu Diskussionen an der Parteiversammlung führte unter anderem die Anzahl der Parkplätze, wie Olivia Bühlmann sagt. Maximal dürfen 565 Parkplätze erstellt werden. «Zudem stellte sich die Versammlung die Frage, ob gerade aufgrund der neusten Entwicklungen der Bedarf an grossen Büroflächen auch in Zukunft vorhanden sein wird.»

Die GLP empfiehlt ebenfalls ein Ja zum Unterfeld Süd. Für Kantonsrat Martin Zimmermann «entwickelt und verdichtet sich Baar am richtigen Ort». «Der Mix ist gut, das Verkehrskonzept auch.» Doch die Überbauung sei nicht ohne Mängel. «Wir hätten uns einen noch höheren Wohnanteil und mehr Wohnungen durch die Wohnbaugenossenschaft gewünscht», sagt er – gerade da ja im Unterfeld Nord ein reines Gewerbegebiet entstehe. Zudem müsse die Lösung mit der Übernahme von Schülern durch die Stadtschulen Zug weiter beobachtet werden.

Für die FDP ist es «richtig und wichtig», dass die Anpassung der Bauordnung und des Zonenplans angenommen wird. Es stelle sich hier nicht die Frage, «ob gebaut wird, sondern was gebaut wird», so Präsident Michael Arnold. Denn falls die Vorlage abgelehnt würde, könne trotzdem ein Projekt realisiert werden, dies dann aber in der Regelbauweise. Arnold spricht weiter das umfassende Mitwirkungsverfahren an und spricht von einem «gutschweizerischen Kompromiss».

Baubeginn könnte frühestens 2023 erfolgen

Die ALG hatte gemeinsam mit der SP die erste Vorlage vor drei Jahren bekämpft. Zu wenig Wohnungen, zu viele Parkplätze, «gigantische» Hochhäuser, kein zukunftsgerichtetes Verkehrskonzept – so lauteten damals die Kritikpunkte. Jetzt liege ein neues Projekt vor, bei dessen Erarbeitung sich viele Akteure einbringen konnten, wie André Guntern, Präsident, erklärt. Viele Vorschläge seien aufgenommen worden, so die Forderung nach einem tieferen Gewerbeanteil oder die Abkehr von der Blockrandbebauung. Die ALG unterstützt deshalb die Vorlage, für die Partei sei aber die Nachhaltigkeit zentral. «Nur dann hat Baar mit dem Unterfeld Süd qualitativ für sich und die Menschen gewonnen.»

Wie auf der Homepage nachzulesen ist, werden das Hochhaus bei der S-Bahn-Haltestelle und das benachbarte Business-Gebäude voraussichtlich als erste Etappe realisiert und dazu in einen gemeinsamen Bebauungsplan überführt. Dieser werde durch die Gemeinde Baar in Zusammenarbeit mit den Grundeigentümern ausgearbeitet. Die Gemeindeversammlung wird frühestens im Sommer 2022 über einen ersten Bebauungsplan entscheiden können. Bei einem positiven Entscheid könnte im Sommer 2023 der Baubeginn erfolgen. Die übrigen Baufelder werden parallel dazu entwickelt und in nachfolgenden Bauetappen realisiert.