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UNTERFELD: «Wenn das so gebaut wird, schauen wir auf eine Wand»

Riesendimensionen an Häusern sind geplant auf den 56 000 Quadratmetern Fläche zwischen Zug und Baar. Das gefällt nicht allen.
Wolfgang Holz
Klein-Manhattan in Zug? So soll das Quartier Unterfeld aussehen. (Bild: Visualierung PD)

Klein-Manhattan in Zug? So soll das Quartier Unterfeld aussehen. (Bild: Visualierung PD)

«Man behandelt uns wie den letzten Dreck», schimpft eine Anwohnerin am Eschenring in Zug. Sie und ihre Nachbarn würden sich gegen den Bebauungsplan Unterfeld wehren und dabei auf wenig Gehör stossen. «Soll Zug sich denn in ein zweites Manhattan verwandeln», fragt sich die Zugerin, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen möchte. Eigentlich sei sie ja eine Sympathisantin städtischer Verdichtung. Aber die Gebäudehöhen, die nun im Unterfeld geplant seien, würden künftig den kompletten Ausblick vom Eschenring aus versperren. «Wenn das so realisiert wird, schauen wir nur noch auf eine Wand.»

«Aus unserer Sicht gelungen»

In der Tat. Der Bebauungsplan Unterfeld zwischen Zug und Baar hat etwas Megalomanes. Nicht nur, dass auf den 56 000 Quadratmetern Fläche in Gestalt einer Blockrandbebauung rund 700 Miet- und Eigentumswohnungen entstehen sollen. In der Grundbebauung der Häuser mit Höhen von 25 Metern sind zudem sechs Hochhäuser vorgesehen. Das Höchste mit 60 Metern soll dabei an der Stadtbahnstation errichtet werden. Den Anwohnern des Eschenrings direkt vor die Nase. Dies bringt auch so manchen Zuger Architekten in Wallung. Armin Oswald etwa beunruhigt es, dass so wenig Rücksicht auf die umliegenden Quartiere genommen wird. «Die Ausnützungsziffer von 2,2 ist zu hoch und führt dazu, dass das Unterfeld keinen Bezug zu den umliegenden Bebauungen hat.» Zudem trage die geschlossene Blockrandbebauung wenig dazu bei, eine städtebauliche Verbindung zwischen Zug und Baar zu schaffen.

Zugs Stadtplaner Harald Klein wehrt sich gegen diese Vorwürfe. Das städtebauliche Konzept sei das Ergebnis eines Konkurrenzverfahrens unter sechs Planungsteams. «Es wurde von der Jury einstimmig als bester Vorschlag für das Gebiet Unterfeld empfohlen», so Klein. Die Höhenentwicklung mit einem 25 Meter hohen Sockel und sechs Hochhäusern zwischen 34 und 60 Metern sei abgestimmt auf das Hochhausreglement der Stadt Zug, die Festlegungen im Baarer Richtplan sowie auf die angestrebte Entwicklung in den übrigen Verdichtungsgebieten von Zug und Baar. Was die Stadtgrenze zwischen Zug und Baar anbelangt, ignoriert laut Klein das Projekt gerade die Gemeindegrenze und schafft ein einheitliches und zusammenhängendes Quartier zwischen der Schleife und der neuen Quartierstrasse im Norden beziehungsweise der Nordstrasse und den SBB-Gleisen. «Es war erklärtes Ziel der Planung, ein gemeindeübergreifendes Quartier zu schaffen, welches sich einzig an den Siedlungsstrukturen orientiert. Dies ist aus unserer Sicht gelungen.»

Weitere Kritikpunkte, die nicht nur in Architektenkreisen laut werden, sind indes der hohe Anteil an geplanten Gewerbeflächen sowie die Zufahrt zu dem Mega-Quartier. Viele fragen sich etwa, wie die insgesamt 46 000 Quadratmeter an Gewerbeflächen gefüllt werden können. Bekannt ist zum einen, dass die Korporation Zug kräftig geweibelt hat, um dem Bildungsdepartement den Bau einer Schule ins «Zuger Gewerbehaus» im Unterfeld schmackhaft zu machen. Zum anderen treiben Zugs Kino-Impresario Adrian Hürlimann, wie er sagt, inzwischen Rückzugsgelüste in Sachen geplantem Multiplex-Lichtspielhaus mit fünf Sälen um. Grund: Der Untergrund-Bau würde ihn 20 Millionen Franken kosten. Welches Gewerbe will da also überhaupt noch ins Unterfeld?

Antworten auf diese Frage hat vorerst noch niemand. Baudirektor Urs Hürlimann versucht zumindest zu erklären, warum so viel Gewerbe auf dem Areal eingeplant ist. «Ursprünglich war das gesamte Unterfeld eine reine Arbeitszone», so der FDP-Regierungsrat. Im Rahmen der letzten Ortsplanungsrevision sei ein Teil des Areals einer Mischnutzung zugewiesen worden. «Diesen Kompromiss zwischen Baar und dem Kanton hat das Verwaltungsgericht gestützt. An diese Vorgaben haben sich nun die Planer zu halten», sagt Hürlimann.

Staus kontra Verdichtung?

Was die drohenden Staus auf der Nordstrasse angesichts des zusätzlich erhöhten Verkehrsaufkommens von rund 1000 Neu-Zuger Anwohnern im Unterfeld angeht, versucht er ebenfalls zu beruhigen. «Dank einer vorbildlichen Zusammenarbeit zwischen der Gemeinde, den Investoren und dem Kanton werden auf dem ganzen Areal nur 550 Parkplätze erstellt.» Das Areal richte sich also stark auf den öffentlichen Verkehr sowie den Fuss- und Veloverkehr aus. Hürlimann: «Nicht jede Wohnung erhält also einen Parkplatz.» Mit einem umfassenden Mobilitätskonzept würden die Bedürfnisse der Beschäftigten und Bewohner aktiv gesteuert. «Trotz diesen Massnahmen dürfte es in den Spitzenzeiten auf der Nordstrasse zu Staus kommen, wie dies heute schon der Fall ist. Es kann aber nicht Ziel der Raumplanung sein, eine Verdichtung aufgrund eines Spitzenstundenproblems auf der Nordstrasse zu verhindern.»

wolfgang holz

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