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UNTERSTÜTZUNG: Ein Trio hilft sich gegenseitig

Das Rote Kreuz entlastet Menschen, die ihre Angehörigen selber pflegen. Leider wird das Angebot noch wenig genutzt.
Silvan Meier
Eugenie Giezendanner (links) und Peter Frankenstein zählen auf Pflegehelferin Brigitte Hug Schuler. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Eugenie Giezendanner (links) und Peter Frankenstein zählen auf Pflegehelferin Brigitte Hug Schuler. (Bild: Werner Schelbert / Neue ZZ)

Die drei verstehen sich. Das sieht man auf den ersten Blick, wenn man das Haus von Eugenie Giezendanner und Peter Frankenstein betritt. Die Dritte im Bund ist Brigitte Hug Schuler. Sie gehört wöchentlich vier Stunden zum Haushalt. Dann, wenn Eugenie Giezendanner unbeschwert und ohne Sorgen mit Kolleginnen einen Kaffee trinken, einkaufen oder zum Coiffeur geht. Sie weiss ihren Lebenspartner Peter Frankenstein dann in guten Händen. Der 72-Jährige leidet an Parkinson. Zwar ist er weitgehend selbstständig. Er braucht aber einen Rollator und hat Gleichgewichtsprobleme. Stürzt er, ist er auf Hilfe angewiesen. Bis im letzten Oktober traute sich Eugenie Giezendanner deshalb nie lange aus dem Haus. Zu gross war ihre Sorge. Dann stiess die 71-Jährige auf einen Flyer des Schweizerischen Roten Kreuz Zug (SRK Zug). Die Hilfsorganisation bietet seit knapp einem Jahr einen Entlastungsdienst für pflegende Angehörige an (siehe Box).

Vertrauen ist Grundvoraussetzung

Eugenie Giezendanner hat sich beim Roten Kreuz gemeldet. Die Hilfsorganisation hat ihr Brigitte Hug Schuler vermittelt. Die Kauffrau hat sich beim SRK Zug zur SRK-Pflegehelferin ausbilden lassen. «Weil ich etwas mit Menschen machen wollte und weil Zuneigung für mich das schönste Geschenk ist», sagt die Hünenbergerin. Sie hat Eugenie Giezendanner und Peter Frankenstein in ihrem Haus im Gulm besucht. Die Chemie hat von Beginn an gestimmt. Und das ist laut Patrizia Holzer, Leiterin des Entlastungsdiensts, die Voraussetzung für eine Zusammenarbeit. Vertrauen ist auch für Eugenie Giezendanner das wichtigste: «Schliesslich übergebe ich jemandem mein eigenes Haus.» Aber auch zwischenmenschlich müsse es funktionieren. Heute sind Eugenie Giezendanner, Peter Frankenstein und Brigitte Hug Schuler Freunde. «Der Besuch bereichert mich jede Woche», sagt die SRK-Pflegehelferin. Das bestätigt auch Peter Frankenstein. Der promovierte Biologe schätzt die Diskussionen mit Brigitte Hug Schuler. Und er freut sich für seine Lebenspartnerin: «Ich gönne ihr von ganzem Herzen, dass sie einmal frei hat. Es ist auch für mich schön, dass meine bessere Hälfte unbeschwert aus dem Haus gehen kann.»

«Persönliche Niederlage»

Eugenie Giezendanner und Peter Frankenstein zählen zu den Ersten, die den Entlastungsdienst des SRK in Anspruch nehmen. «Unser Angebot ist noch zu wenig bekannt», sagt Patrizia Holzer. «Dabei wäre die Verschnaufpause, die wir den pflegenden Angehörigen anbieten, sehr wichtig.» Sie ist überzeugt, dass die Nachfrage auch in Zug da wäre. In anderen Kantonen bieten die Kantonalverbände des Roten Kreuzes den Entlastungsdienst schon mehrere Jahre an – und das mit grossem Erfolg. In der Sektion Unterwalden seien über 15 Pflegehelferinnen im Einsatz, sagt Holzer. In Zug sind es derzeit nur drei – die ebenso viele Angehörige entlasten und Personen betreuen. Dass es in Zug noch nicht nach Wunsch läuft, habe mehrere Gründe, glaubt Holzer. Es fehle unter anderem am Wissen über das Angebot und an der Vernetzung mit anderen Institutionen.

Patrizia Holzer ortet aber noch einen anderen Grund, weshalb sie bis jetzt nur wenige Anfragen erhält: «Pflegende Angehörige haben oft Angst, Hilfe zu holen», sagt sie. «Sie haben ein schlechtes Gewissen und empfinden einen Hilferuf als persönliche Niederlage. Es besteht eine grosse Schwellenangst.»

In den eigenen vier Wänden

Solche Bedenken hatte Eugenie Giezendanner nie. Und sie empfiehlt auch anderen pflegenden Angehörigen, den Entlastungsdienst in Anspruch zu nehmen. Für sie sei die externe Hilfe von entscheidender Bedeutung. So könnten sie und ihr Lebenspartner in der vertrauten Umgebung bleiben, hoch über Baar, in der Nähe des Restaurants Hirssattel, mit bester Aussicht auf Baar und in die Alpen. «Hier ist es zehn Mal besser als im Pflegeheim», sagt Eugenie Giezendanner und blickt ihrem Lebenspartner liebevoll in die Augen.

Die beiden wollen ihre Zeit gemeinsam verbringen. Das spürt man – und das ist angesichts ihrer aussergewöhnlichen Geschichte auch verständlich. Eugenie Giezendanner und Peter Frankenstein haben sich 1961 in London kennen gelernt und gingen dort miteinander zur Schule. Rund fünf Jahre lang waren die beiden ständig zusammen, dann trennten sich ihre Wege. Beide haben geheiratet, beide haben ihren Partner verloren. «Ich hatte damals eine persönliche Krise», sagt Peter Frankenstein. Er habe deshalb seine alten Bekannten kontaktiert, um auf andere Gedanken zu kommen. «So haben wir uns wieder gefunden», sagt er und lächelt schelmisch. Seit rund einem Jahr lebt er nun in Baar bei Eugenie Giezendanner. Und damit die beiden ihre Zweisamkeit geniessen können, gehört nun auch Brigitte Hug Schuler zumindest einmal wöchentlich quasi zur Familie.

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