Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Unvergessliche Ausritte auf den Raten bei St. Jost

Das Gebiet Ob Tännli an der Grenze zwischen Oberägeri und Rothenthurm lädt als idyllischer Rastplatz zum Verweilen ein. Saftige Wiesen und ein Hochmoor fliessen dort ineinander und ein bekannter politischer Zwist wurde ausgetragen.
Werner Schelbert
Inmitten lieblicher Hügel: Das Lieblingsbänkli von Fotograf Werner Schelbert «Ob Tännli» an der Schwyzer Grenze. Bild: Werner Schelbert (Oberägeri, 10. Juli 2018)

Inmitten lieblicher Hügel: Das Lieblingsbänkli von Fotograf Werner Schelbert «Ob Tännli» an der Schwyzer Grenze. Bild: Werner Schelbert (Oberägeri, 10. Juli 2018)

Wieso soll an diesem unspektakulären Ort mein Lieblingsbänkli stehen, obwohl ich selbst an diesem Ort nie wirklich gerastet habe? Es hat mit der Geschichte des Ortes und dem Reiten zu tun. Als Schwyzer, der die Natur liebt, habe ich in den Siebziger- und Achtzigerjahren in Rothenthurm im Stall Moser das Pferdereiten gelernt. Schon bald konnte ich bei ersten Ausritten die wunderschöne Natur geniessen und auf dem Pferderücken Oberägeri und den Kanton Zug kennenlernen.

Besonders in Erinnerung ist mir der Ausritt auf den Raten bei St. Jost geblieben. Dort gab es meistens einen kurzen Halt mit einem feinen Kaffee für mich und einem Schluck Wasser aus einem Holztrog für die Pferde. Gestärkt ging es weiter und wir trabten gemütlich durch die kühlen Wälder und über die bunten Wiesen zurück zum Stall.

Auf halbem Weg bei der Weggabelung zum Rossboden führt der Schotterweg dann zum «Ob Tännli». Dort rief mein Reitlehrer einst plötzlich aus voller Kehle: «Galopp, mein Pferd.» Wie von einer Tarantel gestochen ritt ich hinterher, so gut es ging, versuchte dabei noch im Sattel zu bleiben. Im Nu waren meine Reitkünste im Eimer.

Alles, was wir im Reitstall gelernt hatten, hatte ich vergessen. Ich klammerte mich mit meinen Oberschenkeln ans Pferd, die Reitbügel baumelten umher, ich zog am Zügel um das Pferd zu stoppen, aber die Rettung kam erst kurz vor eben diesem Bänkli, wo ich aufatmen konnte. Tropfnass war ich vom Angstschweiss und glücklich, dass ich nicht vom Pferd gefallen war.

Das Bänkli im «Ob Tännli» konnte ich später unverkrampfter wieder passieren und die schöne liebliche Landschaft mit ihren Hügeln geniessen. Besonders angetan war ich von der Moorlandschaft, welche zur Korporation Oberägeri gehört. Vielen in Erinnerung bleibt wohl das Jahr 1973, als das damalige Eidgenössische Militärdepartement (EMD) in dem Gebiet beschloss, einen Waffenplatz zu errichten.

Die Korporationsbürger wehrten sich

152 Hektaren sollte das Aufklärungsgelände für die Truppen umfassen. Ende September 1981 gab Bundesrat Georges-André Chevallaz bekannt, das es bei nicht verkaufswilligen Landeigentümern zu Enteignungen kommen werde. Trotz wiederholter Enteignungsdrohung lehnten die Korporationsbürger von Oberägeri den Landverkauf ab. Dass die grosse Hochmoorlandschaft mit ihrer Vielfalt an Blumen und Tieren nicht als Truppenübungsplatz herhalten musste, ist der Rothenthurm-Initiative zu verdanken, welche den Schutz von Moorlandschaften verlangte und von der Schweizer Bevölkerung angenommen wurde.

Mit Gedanken spielen oder einfach nur träumen

Das dezent rot bemalte Bänkli Ob Tännli an der Schwyzer Grenze steht nun weiterhin alleine in der weiten Landschaft und strahlt Ruhe aus. Eher selten kommen Wanderer an diesen entlegenen Ort, wo das Hochmoor seine Vielfalt präsentiert. Die häufigsten Gäste sind Bauern, die das Heu einbringen oder ein paar galoppierende Pferde samt Reiter. Um sich nur auf die Bank zu setzen, haben die Leute selten Zeit oder vielleicht steht die Bank einfach am falschen Ort oder die Landschaft ist zu wenig aufregend. Wenn man alleine sein will, ist die Bank der richtige Ort, um inne zu halten, mit den Gedanken zu spielen oder einfach nur zu träumen.

In der Sommerserie «Miis Bänkli» erzählen die Redaktoren und Fotografen der «Zuger Zeitung» eine Geschichte zu ihrem Lieblingsbänkli.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.