Menzingen: Update für die Glaubenspraxis

HINGESCHAUT: Das stattliche Friedhofskreuz in Menzingen wacht nicht nur über die Verblichenen. Inschriften am Sockel verweisen auf eine besondere Bedeutung.

Andreas Faessler
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Hoch in den Himmel ragt das beeindruckende Friedhofskreuz von Menzingen. An seinem Sockel erinnern Gravuren an die Volksmissionen der Gemeinde. (Bild: Maria Schmid, 25. Oktober 2019).

Hoch in den Himmel ragt das beeindruckende Friedhofskreuz von Menzingen. An seinem Sockel erinnern Gravuren an die Volksmissionen der Gemeinde. (Bild: Maria Schmid, 25. Oktober 2019).

Ab und an braucht eine Glaubensgemeinschaft eine Erneuerung. Es gilt, das Bekenntnis aufzufrischen, sich (wieder) bewusst zu werden, was der rechte Weg ist und den Glauben möglichst fromm und intensiv zu leben. Dafür gab und gibt es die sogenannten Volksmissionen. Was in alter Zeit die Aufgabe von christlichen Wanderpredigern und später von eigens dazu berufenen Ordensgemeinschaften war, lag später hauptsächlich in der Hand der Pfarreileitungen.

Noch heute führen manche katholischen Gemeinden in mehr oder weniger regelmässigen, grösseren Abständen sogenannte Missionstage oder -wochen durch. Mit einem stark verdichteten Angebot an Heiligen Messen, Predigten, Hauskommunionen, Beichten und Referaten zur und über die Religion erhält die Glaubensgemeinschaft ihr geistliches Update. Im 18. Jahrhundert ist es in Pfarrgemeinden Tradition geworden, irgendwo im Dorf – bei der Kirche, am Dorfplatz oder auf einer Flur – ein Kreuz aufzustellen, welches an die durchgeführten Volksmissionen erinnert und stets mit den Jahreszahlen der folgenden Missionen versehen wird.

So ein Missionskreuz finden wir beispielsweise in Menzingen vor. Es steht mitten auf dem Friedhof nördlich der Pfarrkirche. Mit seinen beeindruckenden Ausmassen ist es eines der grössten Kreuze im Kanton. Obschon es am Sockel mit 1875 datiert ist, hat es seine heutige Gestalt erst zehn Jahre später erhalten: In den 1880er-Jahren nämlich sollte ein neues Kreuz auf den vorhandenen Sockel von 1875 zu stehen kommen.

Der Pfarrei lagen vier Entwürfe vor, einer von einem Zürcher Bildhauer namens Rusterholz und drei vom Zuger Bildhauer Karl Bissegger, welcher später auch am Bau der neuen Michaelskirche mitgewirkt hat. Bissegger wurde schliesslich bevorzugt für seinen Entwurf eines Kreuzes im neugotischen Stil. 1885 wurde das neue Friedhofs-, respektive Missionskreuz mit Korpus aus Gussmetall eingesegnet.

Das Schlänglein am Kreuzesfuss

Der quadratische Block, auf dem das Kreuz fusst, trägt die Inschriften Gericht, Vergebung, Ewigkeit und Auferstehung. Bemerkenswert ist die rückseitige Verstrebung aus Schmiedeeisen, die Kreuz und Sockel stabilisiert. Sie ist aufwendig gestaltet und mit einer Schlange versehen, die sich züngelnd emporwindet. Interpretiert man deren Symbolik an dieser Stelle nach ihrer Bedeutung im Altertum, so steht das Tier im Kontext mit seiner regelmässigen natürlichen Häutung für Verjüngung und Erneuerung. In Bezug auf die regelmässige Erneuerung des Glaubens, wofür das Missionskreuz steht, erhält dieses Gestaltungselement durchaus seinen Sinn. Für einmal ist der Auftritt einer Schlange also nicht negativ konnotiert.

An der Schauseite des Kreuzes erinnert im Feld des mittleren Sockelblockes eine Inschrift an die Volksmission von 1892. In der Sockelbasis sind die Jahreszahlen der weiteren Missionen eingraviert: 1907, 1921, 1931, 1942, 1951, 1961, 1972 und 1983.

Hinweis
Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.