V-ZUG: Mit Erfindergeist ins zweite Jahrhundert

Der Hersteller von Haushaltgeräten produziert und verkauft seit 100 Jahren erfolgreich in der Schweiz. Jetzt will Chef Jürg Werner auch das Ausland erobern.

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«Da freut sich die Hausfrau», dass V-Zug den Haushalt einfacher macht. Das Bild mit der neuen Waschmaschine stammt aus dem Jahr 1959. (Bild: PD)

«Da freut sich die Hausfrau», dass V-Zug den Haushalt einfacher macht. Das Bild mit der neuen Waschmaschine stammt aus dem Jahr 1959. (Bild: PD)

Jürg Werner, stehen Sie zu Hause auch selbst am Herd?

Jürg Werner*: Ja, auf jeden Fall. Ich muss aber gestehen, dass ich kein ausgezeichneter Koch bin. Wenn ich zu Hause am Herd stehe, dann um unsere Geräte auszuprobieren. Das ist nicht immer einfach für meine Frau (lacht). Ich bin einer der härtesten Tester unserer Entwicklungen, denn ich will selber fühlen und spüren, was unsere Geräte können. Mit unserem Markenbotschafter Stefan Meier (Anm. der Redaktion: Koch im Gasthaus Rathauskeller Zug, 15 Gault-Millau-Punkte) treffe ich mich regelmässig morgens um 7 Uhr zum Frühstück; wir besprechen jeweils, wie V-Zug das Kochen für Privathaushalte noch besser machen kann.

V-Zug stellt auch im 100. Jahr des Bestehens Haushaltgeräte in der Stadt Zug her. Was ist das Erfolgsgeheimnis des Industriekonzerns?

Werner:Wir bringen immer wieder eigene innovative Entwicklungen auf den Markt – so zum Beispiel den Combi-Steamer oder den Waschautomaten mit integrierter Dampfglätt-Funktion. Auch in Sachen Nachhaltigkeit und Energieeffizienz setzen wir mit unseren Geräten neue Massstäbe. Dafür investiert V-Zug überdurchschnittlich viel in Forschung und Entwicklung.

V-Zug einst... (Bild: PD)
10 Bilder
... und heute. (Bild: PD)
Blick in die Produktionshalle von einst. (Bild: PD)
Produktion der Waschmaschinen. (Bild: PD)
Waschmaschine «Unica». (Bild: PD)
Kochherd Matalll Zug. (Bild: PD)
Waschmaschine mit obenliegender Füllöffnung. (Bild: PD)
Waschmaschine «Adora». (Bild: PD)
Waschmaschine und Tumbler der heutigen Generation. (Bild: PD)
Waschmaschine und Tumbler der heutigen Generation. (Bild: PD)

V-Zug einst... (Bild: PD)

Die meisten Haushalte sind doch froh, wenn der Herd funktioniert und man bei der Waschmaschine zwischen 40 und 60 Grad wählen kann. Braucht es die Spezialgeräte?

Werner:Wir decken die ganze Marktbreite mit unseren Produkten ab; von einfachen Geräten bis hin zu Modellen mit technischen Innovationen. Als Unternehmen, das vollumfänglich in der Schweiz produziert, setzen wir im hart umkämpften internationalen Haushaltgerätemarkt sehr stark auf Innovationen. Hier liegt unsere Stärke, und hier können wir uns von den Mitbewerbern abheben. Selbstverständlich bewegen wir uns dabei im Premiumsegment. Für uns spricht, dass die Freude am Kochen allgemein zugenommen hat – vor allem bei Männern. Kochen bedeutet Lifestyle.

Beim Marketing setzen Sie nach der Ära Martina Hingis ganz auf Spitzenköche.

Werner:Wir wollen diese Zusammenarbeit sogar noch weiter verstärken, denn sie ist ein Grund für unsere jüngsten Erfolge. Bei der Entwicklung des Combi-Steamer vor über 10 Jahren haben wir uns von Profiköchen und -geräten inspirieren lassen. Wir gingen den Fragen nach: Wie kochen Spitzenköche, und was ist ihnen für das perfekte Gelingen wichtig? Dank der erfolgreichen Zusammenarbeit mit Andreas Caminada, Stefan Meier oder Eckart Witzigmann bringen wir professionelle Technologien in den privaten Haushalt. Durch die Kooperationen entstanden auch Kochbücher und ein V-Zug-Onlineportal.

Dank Firmen wie V-Zug besteht der hiesige Arbeitsmarkt nicht nur aus Dienstleistungsjobs. Wie lange können Sie auf dem teuren Stadtboden noch «Büezer» beschäftigen?

Werner: Wir setzen alles daran, dass dies auch in Zukunft so bleibt. Sicher wäre es – gerade im Zeitalter des tiefen Euro – auf den ersten Blick einfacher, die Produktion ins Ausland zu verlagern. Die V-Zug-Besitzerfamilie als Hauptaktionärin denkt aber langfristig und ist vom Produktionsstandort Zug überzeugt. Dank Steigerung der Effizienz, Investitionen in neue Produktionsanlagen und den über 1300 qualifizierten Mitarbeitern können wir uns, trotz des Währungsnachteils des starken Frankens, als Marktleader in der Schweiz behaupten. Wir sind jedoch dauernd gefordert, uns zu verbessern.

Sie wollen weiter wachsen. Der Boden in Zug ist aber begrenzt.

Werner: Wir halten dem mit verdichteter Bauweise entgegen. So haben wir gerade eben ein neues mehrstöckiges Logistikzentrum fertiggestellt: topmodern und mit der grössten Fotovoltaik-Anlage des Kantons auf dem Dach. Noch in diesem Jahr planen wir zudem den Spatenstich auf dem Firmengelände für eine neue Produktionsanlage zur Erweiterung der Haushaltgeräte-Fertigung.

Mussten Sie wegen der Frankenstärke auch Stellen abbauen?

Werner: Bisher haben wir deswegen keine einzige Stelle gestrichen. Es gibt auch keine solchen Pläne. Im Gegenteil: Wir wachsen weiter, vor allem dank dem Auslandgeschäft. In der Schweiz haben wir letztes Jahr 44 neue Stellen geschaffen. Auch in diesem Jahr wollen wir zusätzliche Mitarbeiter einstellen.

Wo steht das Auslandgeschäft?

Werner:Bis vor vier Jahren haben wir unsere Produkte im Ausland nur an Fremdmarken geliefert. Seit Mitte 2009 verkaufen wir unsere Haushaltgeräte in 19 Ländern auf drei Kontinenten selber. Neben einzelnen europäischen Ländern setzen wir für die Zukunft stark auf China, Singapur, Malaysia oder Australien. Dabei konzentrieren wir uns auf das oberste Preissegment. Unsere Auslandverkäufe sind noch bescheiden. Der Umsatzanteil liegt im tiefen einstelligen Bereich. Aber wir wachsen deutlich und sehen noch viel Potenzial.

Welche Eigenheiten hat das Auslandgeschäft?

Werner: Wir bewegen uns in allen Ländern in einem gesättigten Markt – niemand hat auf uns gewartet. Die Marke V-Zug ist noch wenig bekannt. Zugegeben: Das Label «Swiss Quality» ist ein Türöffner, wir müssen uns aber mit unserem «Zuger Geist», das heisst Innovation, Top-Qualität und Serviceleistung, auch im Ausland beweisen. Es ist ein hartes Stück Arbeit. In Australien präsentieren wir unsere Premiumgeräte jährlich an weit über 1000 Ausstellungen und Anlässen. Mit Erfolg. Unser Combi-Steamer wurde im letzten Jahr als «Product of the Year» ausgezeichnet.

Interview Ernst Meier

HINWEIS
* Jürg Werner (56) ist Elektroingenieur ETH mit Doktortitel. Er ist CEO von V-Zug und Direktionspräsident der Metall-Zug-Gruppe.

Von der einfachen Verzinkerei zum Industriekonzern

Am 11. Dezember 1913 wurde die Verzinkerei Zug als kleiner Handelsbetrieb in der Stadt Zug gegründet. Nebst der Ausführung von Lohnaufträgen hat das Familienunternehmen verzinkte Blechwaren für den Haushalt, die Landwirtschaft und das Baugewerbe hergestellt. Anfang der 1920er-Jahre stellte die Verzinkerei die erste, noch handbetriebene Wäschetrommel-Waschmaschine her, welche die Hausarbeit stark erleichterte. Schon früh wurde die Produktepalette stetig erweitert und ausgebaut. Mit der Waschmaschine Unica war die Waschküche aus dem Haus der Zuger Firma – bestehend aus Waschmaschine, Waschherd, Zentrifuge und Spültrog – komplett. Während des Zweiten Weltkriegs unterstand die Verzinkerei wie alle Schweizer Firmen der Anbaupflicht. Das Unternehmen bewirtschaftete zusammen mit anderen Zuger Firmen einen grossen Kartoffelacker auf dem Zugerberg, während gleichzeitig in der Fabrik weitergetüftelt wurde.

Ein technischer Quantensprung war die Entwicklung der ersten elektrischen Waschmaschine. Sie ersparte der Hausfrau viel Zeit und Kraft. Von 1949 bis in die 60er-Jahre wurde das Sortiment durch Waschautomaten, Wäschetrockner und Geschirrspüler vervollständigt. 1976 fusionierte die Metallwarenfabrik Zug, zu der Zeit Marktführerin bei Kochherden und Backöfen, mit der Verzinkerei Zug. Die Produktion wurde am heutigen Standort zusammengeführt. Damit wurde das Unternehmen zum Vollsortimenter für Küche und Waschraum. 1981 erfolgte die Namensänderung in V-Zug AG. Heute bildet V-Zug mit den Unternehmen Gehrig und Sibir den Geschäftsbereich Haushaltapparate der Metall-Zug-Gruppe. 2011 erzielte diese einen Umsatz von 566,2 Millionen Franken.

eme

Innovationen und Online-Rückblick

Zum 100-jährigen Bestehen lanciert V-Zug eine Jubiläumswebsite. Dabei begleitet die virtuelle Hausfrau «Sophie» den User durch die Geschichte der Firma. Der gesellschaftliche und unternehmerische Wandel wird mit Bildern und Videos illustriert. So gibt es auch TV-Spots aus vergangenen Tagen zu sehen. Stellvertretend für alle Angestellten werden 100 Mitarbeiter aus allen Funktionen und Kaderstufen im Internet vorgestellt. V-Zug beschäftigt heute über 1300 Mitarbeiter, 200 mehr als noch vor zehn Jahren. Zur Online-Kampagne lanciert der Gerätehersteller einen Wettbewerb.

V-Zug stellt vom 22. bis zum 29. Januar an ihrem Hauptsitz geladenen Gästen (Distributoren, Medien) neue innovative Produkte für Küche und Waschraum vor. Darunter die Weltneuheit Adora SLQ WP; die erste Waschmaschine mit eingebauter Wärmepumpe mit Eis-Speichertechnologie. Laut V-Zug die sparsamste und umweltschonendste Waschmaschine der Welt.

eme

HINWEIS
www.happybirthdayvzug.com