VATIKAN: Wie Papst Franziskus Fan der Zuger Kirschtorte wurde

Die lokale Spezialität gehört zum kulinarischen Erbe der Schweiz. Anfang Mai verführte der süsse Nachtisch sogar den Heiligen Vater.

Ernst Meier
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Schweizergardist Matthias Loppacher aus Steinen SZ und sein Bruder, Vikar Stefan Loppacher, übergeben am 6. Mai die Kirschtorte Papst Franziskus. Dieser bedankte sich mit einem Brief. (Bild: PD)

Schweizergardist Matthias Loppacher aus Steinen SZ und sein Bruder, Vikar Stefan Loppacher, übergeben am 6. Mai die Kirschtorte Papst Franziskus. Dieser bedankte sich mit einem Brief. (Bild: PD)

Als Oberhaupt der katholischen Kirche darf Papst Franziskus weltlichen Versuchungen nicht nachgeben. Aber auch er darf Ausnahmen machen, zum Beispiel bei Dessertspezialitäten, getränkt in Hochprozentigem. Das erklärte er Anfang Mai, nachdem man ihm eine Zuger Kirschtorte schenkte. Diese erhielt er direkt aus dem Erfinderhaus der über die Kantonsgrenze hinaus bekannten süssen Versuchung: der Konditorei Treichler (Heini) in Zug.

Und so kam der argentinische Papst zur Zuger Kirschtorte: Ernst Loppacher aus Steinen SZ und sein Sohn Stefan bereiten sich Ende April auf ihre Romreise vor. Sie sind an die traditionelle Vereidigung der neuen Schweizergardisten vom 6. Mai (Sacco di Roma) eingeladen. Dort legt Matthias, der jüngere Sohn von Ernst Loppacher und Bruder von Stefan, seinen Eid ab. Der 21-jährige Schwyzer trat im Februar seinen Dienst als Leibwächter des Papstes an. «Im Familienkreis sprachen wir davon, ob wir dem Papst etwas mitbringen könnten», erzählt Ernst Loppacher. «Da hatte mein Bruder Urs, der als Chefkonditor bei der Conditorei Treichler in Zug arbeitet, die Idee, ihm eine Kirschtorte zu schenken.»

Sicherheitsbedenken

Von der Idee waren die Romreisenden begeistert – und so traten sie ihren Flug mit zwei Zuger Kirschtorten an – original-verpackt in der Kartonschachtel mit dem blauen Band und der Zytturm-Etikette. «Neben der Torte für den Papst haben wir noch eine für den Gardekommandanten mitgenommen», sagt Ernst Loppacher. Fast hätten es die Köstlichkeiten nicht ins Flugzeug geschafft, denn am Flughafen in Kloten stoppte sie eine Zollbeamtin. «Sie meinte, ich könne höchstens eine Torte als Handgepäck mit an Bord nehmen», erzählt Urs Loppacher mit einem Lachen. Es sei ihm aber gelungen, die Frau umzustimmen. «Als ich ihr erklärte, die Kirschtorten seien für den Papst, drückte sie beide Augen zu.»

Spezialbewilligung eingeholt

In Rom mussten sie noch eine Spezialbewilligung einholen, denn Geschenke an den Papst sind bei der traditionellen Audienz zwischen dem Kirchenoberhaupt und den Familienangehörigen nicht vorgesehen. «Papst Franziskus hat sich sehr über das Geschenk gefreut», sagt Ernst Loppacher stolz. Das Dessert hätte ihm auch sehr gut geschmeckt, weiss er. «Als wir wieder zu Hause waren, telefonierte uns Matthias und erzählte, der Papst hätte von der Torte geschwärmt.» Anscheinend hat sie bei ihm sogar die Lust nach mehr ausgelöst. «Der Papst sagte, er hoffe doch sehr, dass es weniger als ein Jahr gehe, bis er wieder eine Kirschtorte erhalte.»

Was Papst Franziskus wohl nicht wusste: Ebenfalls am 6. Mai tischte der Gastkanton Zug beim offiziellen Apéro riche anlässlich der Vereidigung für die 800 Gäste Kirschtorten auf (wir berichteten). Diese kamen aber von der Zuger Confiserie Speck, einem anderen Produzenten der alkoholhaltigen Dessertspezialität. Papst Franziskus hätte die Möglichkeit nutzen können, sich in eine Glaubensdiskussion einzumischen, die in Zug immer wieder zu reden gibt: Wer macht die beste Zuger Kirschtorte?