Pro & Contra
Vegi-Cervelat – sonst noch was?

Fleischlose Produkte boomen. Doch darf die Wurst auch ohne Fleisch Wurst sein? Redaktorin Gwerder meint Ja – Kollege Morosoli findets Etikettenschwindel.

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Zoe Gwerder

Zoe Gwerder

Sind wir ehrlich: Ist es Ihnen schon mal passiert, dass sie eine würzige Schweizer Cervelat – genau, die im speziellen Rinderdarm – kaufen wollten und versehentlich eine vegetarische oder gar vegane Wurst zu Hause hatten? Oder haben Sie sich schon mal im Aufschnitt vergriffen, und solchen aus Pilz an der Kasse bezahlt anstelle von solchem aus Fleisch? Also mir ist das noch nie passiert. Wohl nicht weil ich eine besonders begabte Kundin bin, sondern vielmehr, weil die Detailhändler vegetarische und vegane Alternativen zu Fleischprodukten – ja, so darf man diese nun nennen – separat anbieten und diese sich meist auch bei der Verpackung stark von ihren fleischhaltigen Pendants unterscheiden.

Dass sich trotzdem der Gesetzgeber nun mit der Thematik befassen muss, finde ich absurd. Und auch wenn Kollege Morosoli lieber Fleisch in der Cervelat vorfindet: Ein echter Liebhaber der Schweizer Nationalwurst erkennt die Täuschung. Sollte dies wider Erwarten erst beim Biss in das vermeintliche Fleischprodukt passieren, kann Entwarnung gegeben werden: So sind doch die Fleischersatzprodukte besser als auch schon, absolut ungiftig und auch für aufgeschlossene Fleischtiger zumindest einen Versuch wert.


Marco Morosoli

Marco Morosoli

Ich bin kein Polizist der Worte, aber ich weiss: Ausdruck und Sprache haben fliessende Grenzen. Wenn meine Kollegin Gwerder von einer Schweizer Cervelat schreibt, dann ist das ein weisser Schimmel. Das Wort Cervelat ist so einzigartig, dass diese Wurst praktisch ohne Gewichtsverlust ausser ins Französische, wo es seinen Ursprung hat, in keine andere Weltsprache übersetzbar ist. Ich sehe nicht ein, wieso ein Multi oder ein Schweizer Grosskonzern sich Gedanken darüber macht, Cervelats in einer veganen Variante anzubieten. Das ist purer Etikettenschwindel. Gilt denn nicht die Maxime: Wo Fleisch draufsteht, hat auch Fleisch drin zu sein.

Cervelat heisst Brühwurst, brühen Sie mal Soja. Bei Würsten ist dieses Alleinerkennungsmerkmal schon etwas differenzierter, denn es gibt zum Beispiel vorbereitete Polenta in Wurstform zu kaufen. Auf der Packung steht schwarz auf gelb, dass es sich um ein Maiserzeugnis handelt. Dass der Gesetzgeber in Cervelatkreisen für Aufruhr sorgt, ist jämmerlich. Ich habe so oder so das Gefühl, dass Veganer und Vegetarier sich das Fleischmäntelchen überziehen, um an einer Grillade nicht abzufallen. Steht zu euren Vorlieben. Ohne Kompromisse und ohne Scheu.