VELO: Cham bereitet sich auf die Tour de Suisse vor

Das Auftaktwochenende der Tour de Suisse findet zum dritten und letzten Mal im Kanton Zug statt. Die routinierten Organisatoren begegnen den Herausforderungen gelassen – und weichen grösserem Ärger mit Anwohnern aus.

Raphael Biermayr
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Noch dominieren die grossen Fahrzeuge das Bild. Hier stellt der Zivilschutz den schuhfreundlichen Zugang zum VIP-Zelt sicher. (Bild: Maria Schmid (Cham, 7. Juni 2016))

Noch dominieren die grossen Fahrzeuge das Bild. Hier stellt der Zivilschutz den schuhfreundlichen Zugang zum VIP-Zelt sicher. (Bild: Maria Schmid (Cham, 7. Juni 2016))

Raphael Biermayr

raphael.biermayr@zugerzeitung.ch

Beat Schilter und Paul Gisler stehen auf einer Verkehrsinsel im designierten Zielbereich der Tour de Suisse (TdS) in Cham. Man kann die Fragezeichen über den Köpfen der beiden Organisationskomitee-Mitglieder förmlich sehen. Es war ihnen versichert worden, dass die Inseln in diesem Bereich nur aufgeklebt seien, also leicht entfernt werden können. Nun haben sie festgestellt, dass sie in die Strasse eingelassen sind. Deshalb muss asphaltiert werden, um eine Ebene zu schaffen, die einer Zieleinfahrt würdig und ausserdem ungefährlich ist. Und dann ist da noch die Sache mit den Leitungen für das VIP-Zelt, die deutlich tiefer in der Erde liegen als auf den Plänen vermerkt.

Überraschungen bleiben auch im dritten Jahr nicht aus, in dem die Tour de Suisse zum Auftakt im Kanton Zug Hof hält. Dank der Erkenntnisse der vormaligen Austragungsstätten Rotkreuz und Baar geht man aber entspannt damit um, sagt der Bauverantwortliche Gisler: «Das ist halt der Bau», hält der Fachmann fest. Die grösste Herausforderung sei erneut, den Strombedarf für das Fernsehen decken zu können.

Wo der Zuger Radsport zu Hause ist

Der sogenannte Hub, ein mehrtägiges Velofest mit Prolog sowie Start und Ankunft der ersten Etappe in derselben Ortschaft, findet zum Abschluss im Herzen des Zuger Radsports statt. Mit dem Ende Saison zurücktretenden Martin Elmiger und Grégory Rast sind gleich zwei der aktuellen Fahrer der Tour de Suisse hier aufgewachsen. Ihr Stammverein, der RMV Cham-Hagendorn, hat in seiner Geschichte mehrere Profis und Schweizer Meister hervorgebracht. Seine Mitglieder führen das grosse Zelt auf dem Festgelände bei der ehemaligen Papierfabrik, insgesamt sind vier lokale Vereine in die Gastronomie involviert. Anlässlich seines 50-jährigen Bestehens organisierte der RMV im Jahr 1984 die Ankunft der zweiten Etappe in Cham. Der Belgier Eric Vanderaerden fuhr damals als Sieger im Dorf ein.

Am kommenden Wochenende werden die Gewinner der ersten zwei Etappen auf dem Papieri-Areal bejubelt. Das Einzelzeitfahren am Samstag führt über die Weiler Bibersee und Oberwil zurück zum Festgelände und damit weg vom Ortszentrum. Diese abseitige Streckenführung wurde von den Verantwortlichen bewusst gewählt, um möglichst wenige Einwohner und Gewerbetreibende zu tangieren – um grösserem Ärger also buchstäblich auszuweichen. «Sie haben aus den Fehlern der Vorjahre gelernt», sagt Kathrin Sonderegger, die Projektleiterin aller drei Hubs im Kanton Zug. In Baar etwa führte der Prolog über die Hauptverkehrsachse und über grössere Ausweichstrassen. «Bei einem Anlass solchen Ausmasses werden natürlich einige Anwohner beeinträchtigt. Unser Ziel ist, dass es so wenige wie möglich sind», sagt Beat Schilter, der in Personalunion als OK-Vizepräsident, Chamer Gemeinderat und Ehrenpräsident des RMV Cham-Hagendorn gleich mehrfach involviert ist.

Eine Hotline für beeinträchtigte Anwohner

Von der Vollsperrung mehrerer Strassen am Samstag sind Hofläden sowie das Gewerbe entlang der Knonauerstrasse betroffen, ausserdem muss – wie schon im letzten Jahr in Baar – eine Hochzeitsgesellschaft improvisieren. Die Organisatoren treten auch diesen Konflikten mit aus Routine gewonnener Ruhe entgegen, zudem wissen sie das Recht auf ihrer Seite (siehe Box). Für Anwohner stehen Ersatzparkplätze zur Verfügung, und für Fragen ist während der ganzen Veranstaltung eine Hotline eingerichtet (041 723 87 81). Schilter wie auch der OK-Chef Beat Villiger sprechen von mehrheitlich positiven Rückmeldungen aus der Bevölkerung und freuen sich auf den dreitägigen Event, an dem 500 Helfer im Einsatz stehen und über 10 000 Besucher erwartet werden.

Hinweis

Programm Tour de Suisse in Cham. Freitag. 17.30–2.00: Gastrobetrieb und Unterhaltung. Samstag. 9.00–2.00: Gastrobetrieb und Unterhaltung. 9.00: Start Jedermann-Rennen. 11.00–18.00: Village mit Kids World und Bike-Expo. 12.30 – 17.30: Rollensprint-Finals. 13.35: Start 1. Etappe, Einzelzeitfahren. 17.30: letzter Fahrer im Ziel, Siegerehrungen. Sonntag. 8.00–20.00: Gastrobetrieb und Unterhaltung. 8.15: Start Jedermann-Rennen. 11.00–18.00: Village mit Kids World und Bike-Expo. 13.14: Start 2. Etappe. 17.30: Zielankunft, Siegerehrungen.