Leserbrief

Velos sollen nicht mehr gezielt ausgebremst werden

Zum internationalen Tag des Velos vom 3. Juni

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Am 3. Juni war der internationale Tag des Velos. Auch in der Schweiz ist einiges in Bewegung: Dem Bundesbeschluss Velo stimmten vor 1,5 Jahren fast drei Viertel der Abstimmenden zu. Auch die Coronakrise hat dem Velo zu vermehrter Beachtung und Nutzung verholfen. Nicht nur um den öffentlichen Verkehr zu meiden, auch um rauszukommen und sich an der frischen Luft zu bewegen, haben sich viele auf den Sattel geschwungen und teils weite Distanzen zurückgelegt. Doch in der Stadt Zug wird das Velo noch viel zu häufig nicht berücksichtigt – wie etwa bei der Neugestaltung der Gubelstrasse: Superbreit, extrem viel Verkehrsfläche, aber nichts davon für Velos vorgesehen.

Oder dann wird das Velo eher als Bedrohung statt als Chance wahrgenommen: Bei der mühsam zurück erkämpften Veloverbindung zwischen St.Michaels-Kirche und PHZ (kürzlich auch ein Thema im Grossen Gemeinderat der Stadt Zug) wurden Schranken eingebaut – eine permanente Veloschikane für den seltenen Fall einer Begegnung mit Fussgängern. Um einen schnellen und direkten Veloweg auf dem Schleife-Bahndamm zu verhindern, wurde vor zehn Tagen sogar extra die Brücke über die Weststrasse abgerissen, und letzte Woche wurden beim Brüggli drei Schwellen vom Modell Handgelenkzerstörer eingebaut – dabei handelt es sich dort wohlgemerkt um eine nationale Veloroute!

Das ist, wie wenn auf einer Autobahn Schwellen eingebaut würden, um den Verkehr auf Schritttempo herunterzubremsen, weil ab und zu Leute ohne nach links und rechts zu blicken über die Fahrbahn «hühnern». Das gezielte Ausbremsen von Velos, die damit unnötig zu Langsamverkehr gemacht werden, hat leider System. Das muss sich dringend ändern: Wie will die Stadt das vom Stimmvolk gesteckte Ziel der 2000-Watt-Gesellschaft erreichen, wie soll ein nachhaltiges Mobilitätskonzept funktionieren, wie wollen wir die Stadt von Lärm, Gefahren und (Park-)Platzangst entlasten, wie wollen wir den Klimawandel verlangsamen ohne durchgängige, sichere und bequeme Veloverbindungen?

Patrick Steinle, Gemeinderat Grüne Zug