175 Jahre-Jubiläum der Offiziersgesellschaft: Veränderungen sichern Überleben

Als die Offiziersgesellschaft des Kantons Zug gegründet wurde, gab es in der Schweiz nicht einmal eine Eisenbahn.

Marco Morosoli
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Der Kanton Zug ist «Götti» des Geb Inf Bat 48. Im Frühjahr fand in Walenstadt ein Besuchstag statt.

Der Kanton Zug ist «Götti» des Geb Inf Bat 48. Im Frühjahr fand in Walenstadt ein Besuchstag statt.

Maria Schmid, 27. März 2019

1815 hat der Französische Kaiser Napoleon in der Schlacht bei Waterloo (heute Belgien) gegen eine Allianz europäischer Mächte verloren. 1848 entsteht der Schweizer Bundesstaat, wie wir ihn heute kennen. Aber was ist 1844 Bewegendes geschehen? Auf Zeittafeln findet sich der Weberaufstand in Schlesien (heute Polen). Damit hat es sich. Dass im selben Jahr die Offiziersgesellschaft des Kantons Zug (OGZ) entstanden ist, dürfte hingegen weniger bekannt sein. Zu den Wissenden gehö­ren sicher die 75 Paare und 15 Einzelpersonen, welche am Samstagabend im Casino in Zug zum Jubiläumsbankett zusammenfinden. Eine Krawatte zum Tenue A ist Pflicht, die Frauen sind gehalten, in festlicher Kleidung zu erscheinen. Die letzte Feier diese Art hat die OGZ 1994 – zum 150-Jahr-Jubiläum des Vereins – ausgerichtet.

Der aktuelle Präsident des Vereins, Danilo Schwerzmann, sieht der Realität ins Auge, wenn er in der Festschrift «175 Jahre Offiziersgesellschaft des Kantons Zug» schreibt: «Leider ist der Negativtrend der Mitgliederzahlen unausweichlich.» Bei der letzten Jubiläumsfeier vor 25 Jahren hat die OGZ 761 Mitglieder gezählt. Ende 2018 hat das Mitgliederverzeichnis noch 510 Namen umfasst. Dieser Schwund ist die Folge einfacher Arithmetik. Schwerzmann bringt es auf den Punkt: «Die Verkleinerung der Armee führt zu einem kleineren Offizierskorps.» Im Rahmen der Armee 61 hat der Bestand kurz nach dem Fall der Berliner Mauer vor 30 Jahren noch weit über 700000 Mann umfasst. Gemäss dem aktuellen Projekt «Weiterentwicklung der Armee» geht der Bestand der Armee auf noch rund 100000 Personen zurück.

Doch Danilo Schwerzmann gibt sich nicht geschlagen und führt auf die Zukunft der OGZ gerichtet aus: «Das Tätigkeitsprogramm wurde dahingehend überarbeitet, dass die Offiziersgesellschaft weiterhin an Attraktivität gewinnt, den Mitgliederschwund stoppt und so, trotz der Reduzierung der Armeebestände, weiterhin den Grossteil der Zuger Offiziere zu den Mitgliedern zählen kann.» Die Offiziersgesellschaft sei, so Schwerzmann, «seit der Auflösung der kantonal-verbundenen Einheiten» auch eine Plattform, um Gleichgesinnte im Kanton zu treffen». Begegnungen mit Dienstkollegen gäbe es hingegen nicht mehr so oft wie noch vor 20 Jahren.

Immer weniger Zuger machen Militärdienst

Am Samstagabend steht eine würdevolle Feier an. Über das Jahresprogramm 2020 befinden die OGZ-Vereinsmitglieder am 16. Januar 2020. Es werde, so Schwerzmann, vier Offiziers-Zmittag geben. Abordnungen machen beim Feld- und beim Morgartenschiessen mit.

Pünktlich zum 175-Jahr-Jubiläum liegt auch die 52 Seiten umfassende Festschrift vor. Es finden sich darin verschiedene Artikel von Offizieren. Auch Viola Amherd, die für die Armee zuständige Bundesrätin, hat einen sehr lesenswerten Beitrag über die Schweizer Sicherheitspolitik verfasst.

Der Zuger Landammann und Bildungsdirektor Stephan Schleiss präsentiert interessante Zahlen zu den dienenden Soldaten im Kanton Zug: «Nur noch rund 2000 Zuger sind als Soldaten, Unteroffiziere und Offiziere eingeteilt, sie stehen 3000 Untauglichen gegenüber.» Vor 15 Jahren hat die Armee noch rund 12000 Soldaten und 4000 Untaugliche ausgewiesen. Stephan Schleiss sagt dazu: «Heute würden sich die Zuger Soldaten in der Bossard-Arena regelrecht verlieren.» Schleiss setzt noch einen drauf: «Wir brauchen wieder mehr brave Soldaten und weniger nützliche Idioten.» Der Applaus der OGZ-Mitglieder ist ihm für dieses Zitat wohl sicher.

 Festschrift «175 Jahre Offiziersgesellschaft des Kantons Zug.pdf