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Archäologie im Museum für Urgeschichte(n) anders erleben

«Historienmalerei und Illustration»: Eine Führung vom Fund zum Bild zeigt den Teilnehmenden des Archäologischen Vereins Zug ungewohnte Perspektiven auf.

Für den Archäologischen Verein Zug: Jürg Johner
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Überreste der Burg Hünenberg.

Überreste der Burg Hünenberg.

Bild: Stefan Kaiser

Der Archäologische Verein Zug (AVZ) denkt in Zehntausenderjahren, sodass Präsident Andreas Bossard hocherfreulicherweise nicht eine Sekunde daran verschwendet, seinen Mitgliedern diese höchst instruktive Führung vorzuenthalten! Unter Einhaltung üblicher Massnahmen und in Kleingruppen gelang dieses Unterfangen zu aller Zufriedenheit – ein Lichtblick in unwirtlichen Zeiten!

Kuratorin Ursina Zweifel stimmte die Interessierten zu Veränderungen der Wahrnehmung der Urgeschichte in den verflossenen 150 Jahren ein, als Ferdinand Keller 1854 die ersten Pfahlbauten am Zürichsee entdeckte. Diese im Allgemeinen schrien geradezu nach einem die Schweiz einenden Mythos der «Urschweizer»! Die Ausstellung im Museum für Urgeschichte(n) lebt von Gegenüberstellungen historischer Bilder und moderner Illustrationen, so in einem Beispiel vom romantischen Pfahlbauerbild Heinrich Bachmanns von 1930 und einer wissenschaftlichen Zeichnung von 2006 mit Bezug des Menschen zur Umwelt mittels Bearbeitung, Nutzung und Gestaltung seiner Umgebung.

Prachtexemplar Burg Hünenberg

Allergrössten Wert legt Ursina Zweifel auf das Ziel archäologischer Forschung, ein schlüssiges Bild der Vergangenheit in der Ausprägung von Illustrationen, welchen eine vorrangige Rolle in der Vermittlung zukommt, zu erschaffen. Solche Lebensbilder reflektieren nicht nur neue wissenschaftliche Erkenntnisse, sie verkörpern obendrein einen Spiegel des Zeitgeistes mit Blick auf Leben und Gesellschaft, Geschmack und Vorstellungswelt. Sie exemplifizierte dies an einer der ältesten Burgen der Zentralschweiz, jener um 1100 entstandenen in Hünenberg, der bedeutendsten Feudalburg des Kantons Zug von herausragender Bauqualität. Zweifel zeigte in Vitrinen repräsentative Bauteile, aber ebenso Zeugnisse nachweisbaren Innenlebens, Fundstücke von Kulturpflanzen und Schriftquellen zum Rebbau. Die beeindruckten Gäste verfolgten den weiten Weg zum Papiermodell Gabi Meier Mohameds, deren Buch zur Gesamtauswertung am Vormittag des Abends der Führung herauskam, und zum Landschaftsmodell Salvatore Pungitores, welcher «Handwerk» mit «Elektronik» geschickt kombinierte!

Nicht übel staunten die Mitglieder des AVZ angesichts zweier Originale Albert Ankers. Dessen «Pfahlbauerin» und «Pfahlbauer» mit dem Mann in Fellkleidung als Ernährer und der mütterlich geschmückten Frau als «Zuschauerin», so betont die Kuratorin, entsprangen keineswegs der blühenden Fantasie des Künstlers, sondern bildeten den seinerzeitigen Forschungsstand ab, allerdings weit entfernt von der urgeschichtlichen Wirklichkeit. Diese veranschaulicht die Zeichnung mit der Frau als Feldarbeiterin. Die Illustration eines Schulwandbildes von 1830 thematisiert die Innovation der Metallurgie zur Bronzezeit, lässt aber Interpretationsspielraum offen.

Der schweizerischen Identitätsstärkung dient eine Malerei Charles Gleyres von 1858 mit der Glorifizierung des Mythos’ «Keltenkrieger», indem diese unter Mithilfe der Helvetier die Römer in die Knie zwingen, welche bei den Eidgenossen später zu «Habsburgern» mutieren. Auch hier gibt es eine stattliche Anzahl Funde, etwa Grabbeigaben bei Frauen, zu entdecken. «Durchlochter Stein» heisst eine Lithografie Jacques Rothmüllers von 1828 mit einem Frontstein eines jungsteinzeitlichen Gemeinschaftsgrabes, dem die Illustration ein «Gemeinschaftswerk Dolmenbau» entgegensetzt. Dolmen bedeuteten Grabmonumente, Kultstätten, Identifikationspunkte, Landmarken.

An der letzten Station beleuchtete Ursina Zweifel anhand des Films «Indiana Jones» von 1930 den Weg von der abenteuerlichen Schatzsuche in fremde Länder zur Erhellung des Lebens der Menschen «vor der Haustüre» mithilfe von Ausgrabungen, so von Fischreusen der Renaturierung des Bibersees, Münzen der Baarburg und seltener scheibegedeckter Keramik der Baustelle «Tangente».

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