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Ihr Bildungsprojekt gegen «Hatespeech» ist jetzt auf Papier gebracht

Zwei Nationalrätinnen übernehmen das Präsidium von NetzCourage – dem Zuger Verein gegen Hass im Netz.

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Greta Gysin, Nationalrätin der Grünen Tessin und Tamara Funiciello, Nationalrätin der SP Bern, beides langjährige NetzCourage-Mitglieder, wurden Ende November einstimmig und mit grosser Freude als neue Co-Präsidentinnen von der Versammlung gewählt. Irina Studhalter verlässt NetzCourage nach vier Jahren, die Mitgründerin hat den Verein und die Bewegung mit ihrer durchdachten und zielgerichteten, menschlichen Haltung einzigartig geprägt. Doch Vorwärtsschauen fällt nicht schwer: Die Wahl des neuen Co-Präsidiums ist für den Verein NetzCourage ein Höhepunkt und gleichzeitig Startschuss in eine vielversprechende Zukunft.

Aber zuerst ein Blick zurück auf den Freitag, 13. März 2020, als es plötzlich still wurde. An diesem Tag wurde in der Schweiz der Lockdown verhängt und von einem Tag auf den anderen wurden alle geplanten Unterrichtsstunden, Vorträge und Workshops im In- und Ausland abgesagt. Leere NetzCourage-Agenda. Und nicht nur das: Auf Social Media wurde plötzlich nicht mehr gehasst. Keine Drohungen, keine sexistischen Verleumdungen, kein Hatespeech weit und breit. Das Internet wurde zur Wellnessoase. Es wäre zu schön gewesen, wenn dies so geblieben wäre, natürlich kam es anders: Kaum hatten sich die Coronaskeptikerinnen und -skeptiker formiert, ging es los und was NetzCourage seit diesem Sommer alles zu Gesicht bekommt, sprengt jede Vorstellungskraft.

NetzBildung als Ergänzung zum Lehrplan 21

Die ruhige Lockdown-Zeit hat der Verein genutzt, um endlich ein Bildungsprojekt auf Papier zu bringen. Vor wenigen Tagen wurde der Fördervertrag der Stiftung Mercator Schweiz für das Projekt NetzBildung unterschrieben und eine pädagogische Mitarbeiterin verpflichtet. Mit NetzBildung entstehen praxisnahe Unterrichtsmodule für Primarstufe, Sekundarstufe, Eltern und Lehrpersonen, als Ergänzung zum Lehrplan 21. Im Frühling wird das Pilotprojekt an Schulen getestet. So gibt es nun die Möglichkeit, an den Schulen die Brücke von Theorie zur Praxis zu schlagen. Eine Shitstormsimulation gehört genauso zum geplanten Unterrichtsprogramm wie eine Weiterbildung für Lehrpersonen und Workshops für Eltern. Es wäre fahrlässig, wenn wir unser Wissen den Bildungsinstitutionen nicht zur Verfügung stellen würden.

Für den Verein arbeiten nun fünf Personen, drei davon sind fest angestellt. Mit der NetzAmbulanz werden Betroffene von Cybergewalt in der Abwehr- und Bewältigungsstrategie unterstützt, es ist die einzige Beratungsstelle für Hass im Netz in der Schweiz. Zudem arbeiten wir an NetzDataBase, einer Netzwerkanalyse, mit welcher der Rassismus- und Hasspegel im Schweizer Internet gemessen wird. Eine wissenschaftliche Mitarbeiterin codiert und analysiert Inhalte aus versteckten Ecken des Internets, welche die Recherchemitarbeiterin bereitstellt. Und da wären wir wieder bei den Verschwörungstheoretikerinnen und -theoretikern, welche in dieser Auswertung auch einen Platz einnehmen. Behörden und Extremismusexpertinnen und -experten aus dem gesamten deutschsprachigen Raum haben an den Ergebnissen Interesse angemeldet.

600 Mitglieder unterstützen den Verein

Dies alles sei nur möglich, weil der Erfahrungsrucksack des Vereins vollgepackt sei. Und knapp 600 Mitglieder, Unterstützerinnen und Unterstützer sowie Geldgeber, wie der Kanton Basel-Stadt (Fachstelle Diversität und Integration), die Ernst Göhner Stiftung, die Temperatio Stiftung, die Stiftung Mercator Schweiz und auch die Fachstelle für Rassismusbekämpfung des Bundes machen dies finanziell möglich. Unzählige Freiwillige prägen täglich die NetzCourage-Bewegung für ein Internet mit weniger Hass und Diskriminierung, für eine bessere Diskussionskultur.

In neue Abenteuer geht es für den Verein mit pfannenfertigen Projekten wie NetzAmbulanz, NetzBildung, NetzDataBase, aber auch noch nicht ganz fertiggestellten Arbeiten wie NetzProtection, NetzReport, NetzDefense oder den neusten Ideen wie NetzHeldinnen und Helden oder einem HackDay.

2021 verspricht viel: NetzCourage soll nochmals ein paar grosse Schritte nach vorn wagen, noch intensiver mit Behörden zusammenarbeiten und das Thema Hass im Netz weiterhin mit Kompetenz, Durchblick und internationaler Vernetzung nicht nur bearbeiten, sondern auch aufarbeiten und Verbesserungen vorantreiben. Dies alles kommt der Gesellschaft zu gut, im Speziellen diskriminierten Minderheiten, welche durch die NetzCourage-Bewegung nicht nur ein Auffangnetz bekommen, sondern auch von innen und nachhaltig gestärkt werden. Wir arbeiten daran, dass sich Betroffene von digitaler Gewalt nicht mehr zurückziehen müssen und leisten so einen wichtigen Beitrag zur Erhaltung der Demokratie.

Für den Verein NetzCourage: Jolanda Spiess-Hegglin


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