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Konzert in Unterägeri: Vereint im Werk von John Rutter

Ein Konzert der Spitzenklasse vermochte am Samstag die Menschenmassen nach Unterägeri zu locken. John Rutters «Requiem» begeisterte, die hochkarätige Besetzung ebenfalls.
Haymo Empl
Am Samstag traten gleich mehrere Chöre gemeinsam in der katholischen Kirche Unterägeri auf. (Bild: Maria Schmid (Unterägeri, 3. November 2018))

Am Samstag traten gleich mehrere Chöre gemeinsam in der katholischen Kirche Unterägeri auf. (Bild: Maria Schmid (Unterägeri, 3. November 2018))

Die Kirche am Samstagabend war nahezu voll, das grosse Mittelschiff der katholischen Kirche Unterägeri bis auf den letzten Platz gefüllt. Nuria Rial als Sopranistin, der Chor Audite Nova Zug, die Zuger Sinfonietta, der Gastchor Coral Càrmina aus Barcelona, vereint in einem Werk von John Rutter unter der Leitung von Johannes Meister – mehr geht kaum; in der U-Musik würde man wohl von «geballter Starpower» sprechen.

John Rutter ist ein zeitgenössischer Komponist, der – und das wurde am Samstag bereits sehr schnell klar – geradezu betörend schamlos auf eingängige Melodien setzt. Das 1985 entstandene Requiem erinnert durch seine Einfachheit, Kürze und die reiche Chorschrift (bewusst) an das ­Requiem von Fauré. Dennoch ist das siebensätzige Requiem des 73-jährigen Engländers traditionell inspiriert. Fakten, die natürlich auch dem musikalischen Leiter Johannes Meister bekannt sind: «Als mir mein Dirigentenkollege aus Barcelona, Daniel Mestre, für unsere gemeinsamen Konzerte das Requiem von Rutter vorschlug, war ich sofort einverstanden: der Wirkung dieses wunderbaren und berührenden Werkes kann sich niemand entziehen», erklärte Meister. Die hochkarätigen Musiker des Audite-Nova- Chors setzten bereits in der Vergangenheit die Messlatte hoch, die Zuger Sinfonietta sowieso; entsprechend die Erwartungen des Publikums.

Seelenverwandte Sänger

So einfach und einprägsam die Melodien für die Zuhörer auch sein mögen: Für den Chor und die Musiker war der Samstagabend eine Herausforderung; das Werk weist einen lyrischen Charakter auf, der Chor musste sehr grosse Atemphrasen und Spannungsbögen gestalten. «Da ist man gefordert, ständig an Klang und Intonation zu arbeiten», erklärt Johannes Meister. Dieser war am Samstagabend ganz offensichtlich in Hochform, denn es gab keinen einzigen Moment, in dem er nicht die Kontrolle über das Geschehen hatte. Dies wirkte sich letztendlich auf die ganze ­Atmosphäre aus, die Musiker wirkten extrem sicher.

Das ist nicht selbstverständlich, ist doch mit dem Chor Coral Càrmina Barcelona auch eine andere musikalische Mentalität vertreten. «Sänger von Chören aus der ganzen Welt sind wie Seelenverwandte – da ergeben sich eher Gemeinsamkeiten als Unterschiede», meint Johannes Meister dazu. Er muss es wissen, denn er hat jahrelange internationale Erfahrung und selbst auch schon mehrerer Jahre im Ausland gearbeitet. Dennoch, ein bisschen Klischee muss sein: «Ein erlebtes, vielleicht typisches Detail: Unsere Proben in der Schweiz beginnen exakt auf die Minute, anschliessend sitzt man dann möglicherweise noch gemütlich zusammen. In Barcelona begann unsere erste Zusammenkunft mit einer ‹Pica Pica›, und die Probe begann dann ‹irgendwann› und hörte auch ‹irgendwann› wieder auf», resümiert der musikalische Leiter.

Betörender Sopran

Liturgisch begann und endete Rutters Requiem wie eine traditionelle Totenmesse, bereits beim 2. Satz verliess Rutter aber das bekannte kompositorische Schema, und beim 3. Satz konnte die Sopranistin Nuria Rial erstmals zeigen, warum sie eine international preisgekrönte Sängerin ist: Die gebürtige Spanierin schaffte es am Samstag spielend, mit ihrer Stimme Emotionen auszulösen, zu berühren und auch mit leiseren Tönen den Sopran warm stahlen zu lassen. Generell hat ihre Stimme etwas Betörendes. «Ich schätze aber auch Nuria Rials schlanke Tongebung, phänomenale Gestaltungskunst und Ausdruckskraft», schwärmt Johannes Meister.

Im 4. Satz – dem «Sanctus» – schaffte es Rutter, modern und spannend mit Glockengeläut eine dunkle Stimmung zu erzeugen, ohne aber in Finsternis zu versinken. Das Ausufernde dieses zentralen Elements im ganzen «Requiem» wurde durch die beiden Chöre und die Musiker perfekt transportiert, gerne hätte man mehr davon gehört – aber bereits beim 5. Satz, dem «Agnus Dei» und dem folgenden «The Lord Is My Sheperd», waren alle Sinne und die Seele erneut derart stimuliert und berührt, dass man dem «Sanctus» nicht mehr weiter nachtrauerte und sich an den jeweiligen Momenten, ausnahmslos musikalische Glanzlichter, erfreute.

Mit «Lux Aeterna» kam das Requiem zum fulminanten Ende, nicht aber das Konzert. Mit zwei weiteren Kompositionen von Rutter wurde elegant an das «Requiem» angeknüpft und nach etwas mehr als einer Stunde war der hinreissende Konzertabend mit einer herausragenden Solistin schliesslich viel zu früh zu Ende.

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