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Kunst in Zug: Vereint im Zeichen der Lilie

HINGESCHAUT - Die Kapelle in der Löberen birgt einige interessante Gemälde, die sich dem Blick des Besuchers leicht entziehen. Eines von ihnen zeigt einen bedeutenden Akt im Leben Mariens, welcher in der Bibel nur mit wenigen Worten vorkommt.
Andreas Faessler
Ein inniger Akt: Maria reicht ihrem Verlobten Josef von Nazareth die Hand. Das Motiv ist heute vergleichsweise selten mehr anzutreffen. Das barocke Gemälde in der Kapelle in der Löberen ist ein schönes Beispiel. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 29. April 2019)

Ein inniger Akt: Maria reicht ihrem Verlobten Josef von Nazareth die Hand. Das Motiv ist heute vergleichsweise selten mehr anzutreffen. Das barocke Gemälde in der Kapelle in der Löberen ist ein schönes Beispiel. (Bild: Stefan Kaiser, Zug, 29. April 2019)

Die Loretokapelle in der Löberen, von welcher an dieser Stelle schon wiederholt die Rede war, ist in zwei Räume aufgeteilt – die eigentliche Loretokapelle von 1703 mit der vielverehrten Madonnenfigur und die kleinere, aber viel ältere Katharinenkapelle aus dem frühen 16. Jahrhundert. Letztere ist der erste Raum, den man beim Hereinkommen betritt. Von der Opulenz des Katharinenaltars eingenommen, versäumt man es leicht, dem Bilderreichtum an der Rückwand und den Seitenwänden Aufmerksamkeit zu schenken. Etwas nachteilig ist zudem auch, dass diese sehenswerten Barockgemälde mit seltenen biblischen Szenen so hoch hängen, dass es sich als schwierig erweist, sie eingehend zu betrachten.

Maria und Josef treffen sich im Tempel

Wir wollen uns nun dem Rechten der beiden grossen Bilder annehmen, welche versetzt über dem Eingangsportal montiert sind. Es zeigt das heute nicht mehr häufig anzutreffende Motiv von Mariae Verlöbnis mit Josef von Nazareth. Die Szene basiert auf je einer sehr kurzen Stelle in den Evangelien nach Matthäus und Lukas. Die Verlobung der künftigen Muttergottes ist demnach maximal als Randnotiz in der Bibel zu verbuchen, findet aber in einer frühchristlichen Schrift über das Marienleben eine breitere Ausformung. Als Autor dieser Schrift gilt Jakobus, einer der Brüder Jesu. Er beschreibt, wie Maria vom dritten bis zum zwölften Lebensjahr im Jerusalemer Tempel gelebt hat. Dann erschien dem Hohepriester ein Engel und hiess ihn, alle verwitweten Männer der Stadt zu versammeln. Jeder von ihnen solle einen Stab mitbringen, und derjenige, welchem Gott ein Zeichen gebe, der sei der auserwählte Mann für Maria. Unter den versammelten Anwärtern fand sich auch Josef von Nazareth. Der Priester sammelte alle Stäbe ein und legte sie in den Tempel. Als er sie den Männern danach wieder aushändigte, entschlüpfte Josefs Stab eine weisse Taube und setzte sich auf dessen Haupt. Für den Priester war dies das Zeichen Gottes, dass Josef zum Ehemann Mariens erkoren ist. Dieser zierte sich erst, weil er als alter Mann an der Seite eines so jungen Mädchens Spott fürchtete. Doch der Priester brachte Josef dazu, sich dem Willen des Herrn zu beugen und sich mit der Jungfrau zu verloben. Für spätere Jahrhunderte einflussreicher noch ist die Erzählung Mariae Verlöbnis aus der Legenda aurea, einer Sammlung von Biografien und Beschreibungen zu Kirchenfesten aus dem 13. Jahrhundert. Gemäss dieser Version ist Maria zum Zeitpunkt ihrer Verlobung 14 Jahre alt, und Josefs Stab entsprang nicht eine Taube, sondern er ging in weisse Lilien-Blütenpracht auf, und der Heilige Geist erschien zugleich als Taube im Tempel.

Stiftung einer Zuger Familie

Zum eigentlichen Akt der Verlobung ist nirgends etwas Genaueres zu lesen, weshalb diese Szene durch vom frommen Volksglauben befeuerte Legendenbildung Gestalt angenommen und bis in die Zeit des Barock starken Niederschlag in der Kunst gefunden hat. So auch in unserem grossformatigen Gemälde in der Katharinenkapelle in der Löberen. Im Kunstführer zur Kapelle wird als Urheber der Menzinger Kirchenmaler Johann Franz Strickler (1666–1722) in Betracht gezogen. Mit Sicherheit handelt es sich bei diesem Verlöbnis-Gemälde sowie auch beim Gegenstück auf der linken Wandhälfte – jenes zeigt die Anbetung der Hirten – um Stiftungen der Zuger Familie Muos, deren Familienwappen jeweils im unteren Bildbereich eingefügt ist.

Symbol der Reinheit und Unschuld

Gezeigt ist der Moment des Verlöbnisses Mariens mit Josef – hier offensichtlich nach der Legenda aurea. Die in Rot und Blau gehüllte Maria wird viel mehr als junge Frau denn als kindliches Mädchen dargestellt. Demütig reicht sie ihrem Verlobten Josef die Hand. Dieser hält den Stab mit Lilienblüten in der linken Hand. Die Lilie ist unter anderem Inbild von Licht, Hoffnung, Sinnlichkeit, Reinheit, Liebe, Unschuld..., und sie jemandem zu überreichen, zeugt von Hochachtung gegenüber der beschenkten Person.

In der eigentlichen Bildmitte, aber hinter das Paar zurückversetzt, steht auf der Treppe der Hohepriester, umgeben von assistierenden Männern und Tempelfrauen. Über der Szene bringen zwei Engel Jubelklänge und Blumen dar, zwischen ihnen das Verlobungsmonogramm, als alles bekrönendes Element erscheint der Heilige Geist in der Gestalt einer Taube am oberen Bildrand.

Ein Feiertag wird gestrichen

Das Verlöbnis Mariae – gelegentlich auch als Vermählung Marias bezeichnet – wurde in einigen ­Regionen Europas bereits im 15. Jahrhundert als kirchliches Fest gefeiert. Im Jahre 1725 erklärte Papst Benedikt XIII. das Fest als offizieller Feiertag und legte es auf den 23. Januar. Im Zuge des Zweiten Vatikanischen Konzils in den 1960er-Jahren ist Mariae Verlöbnis aus dem liturgischen Kalender entfernt worden.

Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.

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