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VERGABE: Zuger Regierung vergibt an teureren Anbieter

Die Regierung hat die Opferberatungsstelle trotz Sparprogramm nicht an die günstigste Anbieterin vergeben. Die Kosten seien nicht das Entscheidende gewesen.
Charly Keiser
Hier geht es zur Reformierten Kirche des Kantons Zug, welche die Triangel-Beratungsdienste betreibt. (Bild Stefan Kaiser)

Hier geht es zur Reformierten Kirche des Kantons Zug, welche die Triangel-Beratungsdienste betreibt. (Bild Stefan Kaiser)

Charly Keiser

Die Tür des Reformierten Kirchenzentrums Zug an der Bundesstrasse 15 steht allen offen. Im Besonderen auch für Leute, die Probleme haben und eine Beratung brauchen. Das Angebot umfasst Schuldenberatung, Opferberatung, Einzelberatung, Paarberatung, Familienberatung, Erziehungsberatung und Jugendberatung. Es läuft unter dem Titel «Triangel Beratungsdienste». Das Team besteht derzeit aus zwei Beratern mit speziellen Ausbildungen in Psychologie oder Sozialarbeit sowie Einzel- und/oder Familienberatung, drei Schuldenberatern sowie zwei Sachbearbeiterinnen. Träger der vorerwähnten Dienste ist die Reformierte Kirche des Kantons Zug.

Abschlägige Antwort

Im November 2015 hat der Kirchenrat das Parlament um eine Erhöhung des Rahmenstellenplans für die Beratungsdienste Triangel von 160 Stellenprozenten – von bisher 540 auf neu 700 Stellenprozente – gebeten. Dies zur Schaffung der kantonalen Opferberatungsstelle. Der Rat folgte und der Kirchenrat wartete gespannt auf den Beschluss des Regierungsrates über die Vergabe der kantonalen Opferberatungsstelle ab Januar 2017. Dies berichtete Kirchenrat Thomas Hausheer Mitte März an der Parlamentssitzung. Er führte dort weiter aus: «Ende November haben wir dann die Zuschlagsverfügung des Regierungsrates erhalten, die zu Gunsten der Frauenzentrale in Zug ausgefallen ist. Die Frauenzentrale und unsere Beratungsdienste waren die einzigen Anbieter, die sich auf die Ausschreibung der Sicherheitsdirektion gemeldet haben», erklärte Hausheer weiter.

Die Bewertung der eingereichten Angebote hätte die Kriterien Preis, Qualifikation und Organisation betroffen. Für die auf drei Jahre befristete Leistungsvereinbarung habe die Reformierte Kirche im Vergleich zur Frauenzentrale ein um insgesamt 30 000 Franken tieferes Angebot eingereicht, lässt Hausheer weiter verlauten. «Die Frauenzentrale hatte einfach das von der Sicherheitsdirektion vorgegebene Maximum eingesetzt.» Beim Kriterium Organisation seien beide Anbieter gleichauf gewesen, führte Hausheer weiter aus. «Beim Kriterium Qualifikation wurde uns zur Last gelegt, dass eine Unsicherheit betreffend das neu anzustellende Personal vorhanden sei, obschon wir bereits in der Offerte angegeben hatten, dass wir im Fall eines Zuschlags zu unseren Gunsten nach Möglichkeit das entsprechende Fachpersonal der Frauenzentrale übernehmen würden.» Diese Unsicherheit sei vom Regierungsrat derart stark gewichtet worden, dass dies letztendlich zum Zuschlag der kantonalen Opferberatungsstelle an die Frauenzentrale geführt habe.

«Da diese Ausschreibung im Rahmen des Entlastungsprogramms der Regierung erfolgt ist, hat uns diese Zuschlagsverfügung einigermassen erstaunt», bilanzierte Hausheer.

Sparpotenzial ausgelotet

Im Rahmen des Entlastungsprogramms seien alle Leistungsvereinbarungen des Kantons auf ihre Notwendigkeit sowie auf ein allfälliges Sparpotenzial hin überprüft worden, antwortet Sicherheitsdirektor Beat Villiger auf die Frage, warum die Frauenzentrale den Zuschlag bekommen habe, obwohl sie 30 000 Franken teurer offerierte. «Mit einem Beratungsangebot von nur einer statt wie bisher zwei Opferberatungsstellen spart der Kanton knapp 120 000 Franken im Jahr», ergänzt Regierungsrat Villiger. Darum habe der Regierungsrat die Strukturoptimierung bei den Opferberatungsstellen beschlossen. Die Sicherheitsdirektion habe sich für eine Neuausschreibung des Auftrags entschieden. «Die Ausschreibung enthielt klare Anforderungen und machte auch die geltenden Bewertungskriterien und deren Gewichtung transparent», betont Villiger. «Das ermöglicht die Gleichbehandlung der Anbietenden, bezweckt einen wirksamen Wettbewerb und verwirklicht die verfassungsrechtlich gebotene Fairness im Umgang mit Interessenten.»

Sie hätten zwei gute Offerten erhalten, ergänzt der Sicherheitsdirektor. Das Angebot der Reformierten Kirche sei um 10 000 Franken pro Jahr günstiger gewesen. Der Preis stelle aber nicht das einzige Kriterium beim Vergabeentscheid dar. «Zum Beispiel fielen auch Erfahrung und Kompetenz, Ausbildung und das eingesetzte Personal, die Fallführung und die Qualitätssicherung, die Infrastruktur und die Öffnungszeiten ins Gewicht. Im Ergebnis beurteilten wir das Angebot der Frauenzentrale als das bessere, und so hat auch der Regierungsrat entschieden.» Ist es denkbar, dass der Regierungsrat auf seine Entscheidung zurückkommt? «Nein», sagt Villiger, «der Regierungsrat hat den Entscheid mit Blick auf das Entlastungsprogramm gefällt. Mit der Zusammenlegung des Beratungsangebots bei einer Stelle spart der Kanton knapp 120 000 Franken im Jahr.»

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