Verhaltene Schelte des Stadtparlaments: Die Zuger Exekutive soll bei Kitas kritischer hinschauen

Zwar zeigte sich der Grosse Gemeinderat der Stadt Zug zufrieden mit der Kontrollfunktion, die der Stadtrat gegenüber Kindertagesstätten wahrnimmt. Der Fall Globegarden warf jedoch auch Fragen auf.

Laura Sibold
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Das Online-Magazin «Republik» machte im Dezember 2019 markante Missstände bei Globegarden, dem grössten Kita-Betreiber der Schweiz, öffentlich. Gegenüber der «Republik» sprachen ehemalige Angestellte von miserablen Arbeitsbedingungen, Personalmangel, manipulierten Präsenzlisten und minderwertigem Essen.

Auch in Zug ist Globegarden den Behörden bekannt. Das verrät der Stadtrat in seiner Antwort auf die Interpellation «betreffend Aufsicht über frühkindliche Kinderbetreuung insbesondere Globegarden», welche Gemeinderätin Tabea Zimmermann Gibson im Namen der ALG eingereicht hat. Demnach habe die Stadt in der Vergangenheit Unregelmässigkeiten bei Globegarden festgestellt, woraufhin Massnahmen wie Bussen und eine besondere Aufsicht für gewisse Standorte verfügt worden seien.

Verantwortung der Eltern und der Stadt

Es sei erfreulich zu hören, dass die allermeisten Kindertagesstätten ihre Arbeit gut bis sehr gut machen, sagte Interpellantin Tabea Zimmermann Gibson und appellierte an die Eigenverantwortung der Eltern bei der Auswahl einer geeigneten Kita für ihre Schützlinge. «Es kann und darf aber nicht sein, dass Eltern regelrechte Detektivarbeit an den Tag legen müssen, um herauszufinden, weshalb ihr Kind an gewissen Tagen Verhaltensauffälligkeiten zeigt.» So sei es sehr bedenklich, dass es sich für Globegarden offenbar lohne, verschiedene Bussen zu akzeptieren, ohne an der Qualität etwas ändern zu müssen, so Zimmermann, und weiter:

«Durch das Publizieren des Aufsichtresultates und der Vergabe eines entsprechenden Zertifikats könnte man bei den Kitas bestimmt eine Verhaltensänderung bewirken.»

Auch Mara Landtwing (SP) betonte, dass die Interpellation dringend nötig gewesen sei, um den Stadtzuger Eltern etwas Sicherheit zurückgeben zu können. Laut Stadtrat ist das Kindswohl in den drei Zuger Globegarden-Kitas nie gefährdet gewesen. «Uns würde dennoch interessieren, welche Unregelmässigkeiten festgestellt wurden. Denn nicht nur das Kindswohl, sondern auch jenes der Kita-Mitarbeitenden ist wichtig.»

Dem schloss sich auch Jürg Messmer (SVP) an. «Versteckte Kinder und gefakte Präsenzlisten: Was muss denn eigentlich passieren, dass einer Kita die Betriebsbewilligung weggenommen wird», fragte Messmer kritisch und verlangte vom Stadtrat, weiterhin ein Auge auf die Kitas zu haben.

Im Extremfall kann die Stadt die Bewilligung entziehen

Stadtrat Urs Raschle legte daraufhin dar, dass der Kanton Zug bei der Kontrolle und Aufsicht der Kitas sehr liberal sei und die Gemeinden lediglich den Auftrag hätten, den Betreuungsschlüssel der einzelnen Kitas zu kontrollieren. «Wir besuchen jede Stadtzuger Kita einmal jährlich. Stellen wir fest, dass etwas nicht stimmt, gehen wir noch einmal unangemeldet vorbei», erklärte Raschle. Bei Unstimmigkeiten könne man Verwarnungen oder gar Bussen aussprechen. «Wir können die Kitas nicht schliessen, ihnen aber im Extremfall die Bewilligung entziehen.» Das sei in einem Fall - nicht bei Globegarden - auch geschehen, weil das Kindswohl gefährdet gewesen sei. Laut Raschle wurde bei den Globegardenkitas zwar mehrmals der Betreuungsschlüssel nicht eingehalten, das Kindswohl sei jedoch nie gefährdet gewesen. Ein Zertifikat für Kitas hält der Stadtrat für nicht zielführend. Damit ist ein nächstes Kapitel im Buch Globegarden schon vorprogrammiert: So betonte Interpellantin Tabea Zimmermann Gibson nämlich, dass die ALG ein Postulat zur Erstellung eines Zertifikates für geprüfte Kindertagesstätten prüfen wolle.

Globegarden führt im Kanton Zug fünf Standorte; drei in der Stadt Zug, einen in Rotkreuz und ein weiterer wurde im Februar in Cham eröffnet. Alle fünf Kitas verfügen über Bewilligungen der Gemeinden.

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Laura Sibold