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VERHANDLUNG: Der Angeklagte hat grosse Erinnerungslücken

Ein 37-Jähriger wurde der mehrfachen sexuellen Handlung mit Kindern schuldig gesprochen und legte Berufung ein. Nun beschäftigte sich das Obergericht mit dem Fall. Er selbst trug aber wenig zur Wahrheitsfindung bei.
Christopher Gilb
Das Zuger Obergericht. (Bild Werner Schelbert/Neue ZZ)

Das Zuger Obergericht. (Bild Werner Schelbert/Neue ZZ)

Ob er in der Nacht vom 31. Januar auf den 1. Februar 2016 Geschlechtsverkehr mit der zwölfjährigen Tochter seiner damaligen Partnerin gehabt habe oder nicht? Er habe es vergessen, antwortete der Angeklagte dem Oberrichter. «Und an den zwei anderen Tagen?», wollte dieser weiter wissen. «Haben Sie es da gemacht, nicht gemacht, oder haben Sie keine Erinnerung?» Es dauerte einige Zeit, bis die Frage auf Albanisch übersetzt wurde. Doch die Antwort des 37-Jährigen aus Baar an der Obergerichtsverhandlung von Donnerstag war wieder die gleiche.

Es ist das einzige Mal, dass der geduldige Richter sich zu einem Kommentar hinreissen liess: «Geschlechtsverkehr ist doch ein einprägsames Erlebnis.» Die anstrengende Haft habe seinem Gedächtnis geschadet, kommentierte der Angeklagte.

Schilderungen nicht glaubhaft

268 Tage sass der gebürtige Serbe in Untersuchungshaft. Dies, nachdem der Vater des Opfers die Polizei kontaktiert hatte und darauf die Ermittlungen begonnen hatten. Im Februar 2017 hatte dann die Verhandlung vor dem Strafgericht gegen ihn stattgefunden. Es sprach ihn der mehrfachen sexuellen Handlung mit Kindern schuldig, jedoch vom Anklagepunkt der Vergewaltigung frei. Die Staatsanwaltschaft hatte diesen Anklagepunkt damit begründet gehabt, dass das geistig in seiner Entwicklung zurückgebliebene Opfer beim Geschlechtsverkehr versucht habe, sich zu wehren und Stopp gesagt habe. Das Gericht beurteilte diese Schilderungen des Mädchens als nicht glaubhaft. Des Weiteren seien die Gegenwehrmassnahmen auch nicht anderweitig belegt. Es gelte im Zweifel für den Angeklagten. Auch die Sach­verständige hatte in ihrem Glaub­haftigkeitsgutachten die Schilderungen des mutmasslichen ­Opfers zwar als glaubhaft eingeschätzt, geht jedoch in Bezug auf die Gegenwehrmassnahmen davon aus, dass sie da im Sexualunterricht angeeignetes Wissen weitergegeben habe. Das Strafgericht verurteilte den Angeklagten zu einer bedingten Strafe von 24 Monaten. Die Staatsanwaltschaft hatte eine unbedingte von 42 Monaten gefordert. Der 37-Jährige legte Berufung ein und fordert Freispruch.

Als einer der Beweise für den Geschlechtsverkehr mit der Minderjährigen waren Spermaflecken auf dem Leintuch des Opfers vorgebracht worden. Die DNA korrespondierte mit der des 37-Jährigen. Er hatte dazu nach Ansicht des Strafgerichts widersprüchliche Angaben gemacht, unter anderem, dass er im Bett der Tochter mit der Mutter Sex gehabt habe. Auch deren DNA wurde gefunden. Gestern befragte ihn auch der Richter am Obergericht zum Leintuch. Und dann antwortete er doch. Die Mutter des Opfers habe dieses auch benutzt, so seien die Spuren daraufgekommen. Das Opfer würde viel erfinden, sagte er einmal.

Verteidiger will es genau wissen

Zum Abschluss der Befragung hatte sein Verteidiger eine Frage. Ob er Geschlechtsverkehr mit dem Opfer gehabt habe oder nicht. Nein, antwortete dieser. Kurz darauf beginnt der Verteidiger sein Plädoyer. Sein Mandant könne weder richtig lesen noch schreiben, ihm sei ein unterdurchschnittlicher IQ attestiert worden. Dass er sich nicht erinnere oder es manchmal so wirke, als würde er nur sagen, was er müsste, habe damit zu tun. Dann ging er auf das Gutachten ein, das er kritisierte. So seien die Schlussfolgerungen teilweise unlogisch und sprunghaft. Es wirke, als habe die Gutachterin das Opfer schnell als glaubwürdig eingestuft und dies dann mit Beispielen zu untermauern versucht. Das Opfer habe aber ein Interesse an der Geschichte, habe es den Angeklagten doch loswerden wollen. Und bezüglich Leintuch ist die Verteidigung der Ansicht, dass die Spuren auf einen Geschlechtsverkehr zwischen dem Angeklagten und der Mutter des Opfers hinweisen. Dazu sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer: «Welche Mutter hat Sex im Bett ihrer Tochter?» Das Urteil wird schriftlich eröffnet.

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

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