VERKAUFSSCHLAGER: Drei Könige machen Bäckereien froh

Der 6. Januar ist einer der rentabelsten Tage für Zuger Bäckereien. Doch nicht nur der klassische Königskuchen ist dann gefragt, es gibt auch viele Sonderbestellungen – vom Kuchen aus Urdinkel bis zu einem mit vier Königen statt einem.

Christopher Gilb
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Der Zuger Bäckermeister Jürg Nussbaumer hat viel zu tun rund um den diesjährigen Dreikönigstag. (Bild: Werner Schelbert (Cham, 5. Januar 2017))

Der Zuger Bäckermeister Jürg Nussbaumer hat viel zu tun rund um den diesjährigen Dreikönigstag. (Bild: Werner Schelbert (Cham, 5. Januar 2017))

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Jürg Nussbaumer weiss es zu schätzen, dass der diesjährige Dreikönigstag auf einen Freitag fällt. «Ist es ein Tag am Wochenende, können wir weniger oder gar keine Kuchen an Firmen verkaufen, welche diese für ihre Mitarbeiter bestellen», sagt der Geschäftsführer der Bäckerei Nussbaumer AG, die mehrere Filialen im Kanton Zug hat. «Zwar verkaufen wir immer noch die meisten Kuchen an Private, doch ein nicht unwesentlicher Teil wird von Firmen abgenommen.»

Rund 4000 Königskuchen habe die Nussbaumer AG rund um den letzten Dreikönigstag insgesamt verkauft. Der 6. Januar sei jeweils einer der verkaufsstärksten Tage im Jahr. Ein Teil der 4000 Kuchen sei von Händlern, etwa von Supermärkten, abgenommen worden, ein anderer werde direkt in den eigenen Filialen verkauft, und ein weiterer seien Sonderbestellungen. «Dieses Jahr produzieren wir beispiels­weise einen Königskuchen, der aus 90 Teilen besteht, für die Gemeinde Hünenberg.» Heute Abend findet in der Gemeinde eine Sportlerehrung statt. «Jeder, der auf die Bühne kommt, erhält ein Stück des Kuchens», sagt Nussbaumer und verrät, dass sich trotz der Grösse des Kuchens nur ein einziger König darin befindet.

Weinbeeren nicht bei allen beliebt

Das muss aber nicht immer so sein, wie Simone Siegel, Filialleiterin der Zumbach Bäckerei-Confiserie AG an der Gubel­strasse in Zug, verrät: «Wir haben auch schon auf Bestellung einen vierteiligen Königskuchen gebacken, bei dem sich in jedem Stück ein König befunden hat.» So sei jeder der Mitessenden automatisch König geworden. Sie stellt fest, dass immer mehr Kunden beim Kauf vom klassischen Königskuchen hin zu jenem mit Schokolade tendieren. «Weinbeeren essen einfach viele Leute nicht gerne», sagt Siegel. Beliebt sei aber auch der Königskuchen «Chriesi». Diesen hat die Bäckerei seit einigen Jahren als besondere Variante des Dreikönigskuchens im Angebot. Damit sei sie die einzige mit diesem Angebot in der Region, meint Siegel. Verkauft werden die Kuchen jeweils zwischen dem 2. und 7. Januar. «Am 5. und 6. Januar kommen die Kunden, die den Kuchen aufgrund der Tradition kaufen, und an den Tagen zuvor solche, die ihn einfach auch gerne so essen», sagt sie. Rund 440 Kuchen seien in der Filiale an der Gubelstrasse letztes Jahr insgesamt verkauft worden. Das Schönste an dem Tag sei jeweils die Freude der Kinder, wenn diese die Krone gewinnen. Nebst der Krone mit symbolischem Wert kann aber über den Dreikönigskuchen auch richtiges Geld gewonnen werden. «Über den Bäckereiverband findet jeweils eine Verlosung statt. In einigen der Kuchen versteckt sich ein goldener König; wer diesen findet, kann Preise gewinnen», sagt Siegel. Vor drei Jahren gewann bei dieser Verlosung jemand aus dem Kanton Zug. Jedoch nicht in der Zumbach- Filiale an der Gubelstrasse. «Der Kuchen wurde in unserer Filiale in Hünenberg gekauft», erinnert sich Jürg Nussbaumer.

Andrea Hotz, Verkaufsleiterin der Bäckerei Hotz Rust AG und ehemalige Präsidentin des Vereins Zuger Bäcker Confiseure, macht die Beobachtung, dass rund die Hälfte der Kunden den Dreikönigskuchen weiterhin in Bäckereien und nicht in Supermärkten kaufen. «Für so etwas Besonderes wird gerne etwas mehr Geld ausgegeben», sagt Hotz. Die Tradition, einen Dreikönigskuchen zu kaufen, sei ungebrochen. Nebst Ostern und Weihnachten sei der Dreikönigstag auch für die Hotz Rust AG einer der verkaufsstärksten Tage und damit auch einer der anstrengendsten. «An diesem Tag ist sehr viel Betrieb, deshalb arbeiten wir mit einem grösseren Team und haben auch eingeführt, dass die Bestellungen nicht mehr über den Namen, sondern eine Nummer abgeholt werden, dies geht zügiger.» Auch sie stelle fest, dass der Verkauf des klassischen Dreikönigskuchens mit Weinbeeren eher rückläufig sei. «Früher gab es eben nur diesen Kuchen zur Auswahl, deshalb wurde er auch mehr gekauft. Heute ist die Auswahl grösser, sodass auch Kunden, die Weinbeeren nicht gerne essen, einen passenden Dreikönigskuchen finden.» Bei Kindern sei zwischenzeitlich vor allem der Dreikönigskuchen mit Schoko­lade sehr beliebt.

Ein Kuchen aus Urdinkel

Auf Bestellung komme es auch vor, dass die Kunden einen Dreikönigskuchen aus Urdinkel wünschten, was im Trend sei. Für die Zukunft überlegt sich Hotz deshalb, den Königskuchen aus Urdinkel auch ins Angebot in den Filialen zu integrieren. Zudem plant sie vermehrt, auch Cranberrys statt Weinbeeren im Königskuchen zu verarbeiten. An­dere Ernährungstrends würden sich aber im Bezug auf den Dreikönigskuchen nicht bemerkbar machen. Das bestätigt auch Jürg Nussbaumer. «Bei Genussprodukten wirken sich solche Ernährungstrends eher weniger aus.» So gebe es auch keine besondere Nachfrage nach veganen Dreikönigskuchen.

Ist der Dreikönigskuchen dann aber erst einmal aufgeschnitten, zählt für viele nur noch die Frage, wer im Anschluss einen Tag lang eine Krone tragen darf. Vorausgesetzt, der Kuchen beinhaltet nicht vier Könige. Doch wo beziehen die Verkaufsgeschäfte diese Kronen überhaupt? «Wir beziehen die Kronen beispielsweise bei der Firma Pistor, das ist die Einkaufsgenossenschaft der Bäcker. Es gibt aber auch andere Anbieter», erklärt Andrea Hotz dazu.