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VERKEHR: Hohe Dichte an Luxuskarossen

Im Kanton Zug gibt es immer mehr Luxusautos, das zeigen neueste Zahlen des Strassenverkehrsamtes. Nachhaltige Autos sind weniger gefragt. Das könnte sich aber ändern.
Bernard Marks
Euro Ferrari Day auf dem Parkplatz der Lorze AG in Baar. (Archivbild Christof Borner-Keller)

Euro Ferrari Day auf dem Parkplatz der Lorze AG in Baar. (Archivbild Christof Borner-Keller)

Bei Ferrari an der Baarerstrasse in Zug herrscht eine entspannte Atmosphäre. Sanfte Musik tönt aus dem Radio, Verkäufer telefonieren gelassen mit potenziellen Kunden. Hier stehen sie, die Träume in Rot und Weiss, die Ferraris und Maseratis. Die Auto Pierre Sudan AG ist der offizielle Vertragshändler für Ferrari und Maserati in der Zentralschweiz. Das etwas spezielle Autohaus gehört dem Unternehmer Pierre Sudan. «Zug ist ein interessanter Markt», sagt der in Zug lebende ehemalige Rennfahrer im Gespräch mit unserer Zeitung.

Das bestätigt ein Blick in die Statistik. Zwar ist Zug der kleinste Vollkanton, dafür aber bestens motorisiert. Rund 120 000 Einwohner leben im Kanton Zug. Davon sind aktuell 20,3 Prozent unter 20 Jahre alt. Rund 72 000 Personenwagen sind in Zug zugelassen. Eine stattliche Zahl.

Vor allem der Markt für Luxusautos ist in Zug attraktiv. Das bestätigt auch der Geschäftsführer der Auto Pierre Sudan AG Pietro Bascio. «Der Markt für Luxusautos boomt», sagt er. 292 Ferraris gibt es alleine in Zug. Das ist gemessen an der Bevölkerungsdichte ein Spitzenwert. Aber nicht nur Ferraris verkaufen sich gut. Renner sind auch Modelle von Jaguar und vor allem Porsche. Der deutsche Sportwagenhersteller kann sich im Kanton Zug einer treuen und zahlungskräftigen Kundschaft erfreuen. Allein im vergangenen Jahr waren in Zug nach Angabe des Strassenverkehrsamtes 1782 Porsches zugelassen. Das sind 159 Porsches mehr als im Vorjahr (siehe Grafik). Auf 1000 Zuger Erwerbstätige kommen damit fast 18 Porsches. Ein Grossteil der Zuger kauft ihre Porsches in Zug. «So bleibt die Wertschöpfung in der Region», freut sich Jens Hawner, Geschäftsführer beim Porsche Zentrum Zug in Rotkreuz. Denn das ist gut fürs Geschäft. Nicht umsonst wurde das Zentrum Zug kürzlich von der Porsche AG als offizieller Classic Partner ausgezeichnet.

Boom vorausgesagt

Schweizweit stiegen die Neuzulassungen für Autos im Jahr 2015 um 19,4 Prozent. Vor allem im Segment der Luxusautos griffen die Schweizer ordentlich zu. Elektroautos bleiben hierzulande jedoch weiterhin in der Minderzahl. Die Anzahl der Zulassungen von Elektroautos betrug in der Schweiz 2014 rund 820 Stück, 2015 waren es fast 2000 Fahrzeuge. Auch im Kanton Zug sind Elektrofahrzeuge kaum gefragt. Zwar fahren hier mit 120 Stück die meisten Teslas auf den Strassen. Insgesamt fahren auf Zuger Strassen 143 Elektroautos (wir berichteten). Verglichen mit der Zahl an Luxuswagen ist das ein Tropfen auf den heissen Stein.

Aber der Trend ändert sich. Die Verkaufszahlen ziehen rasant an. Vor allem in den nächsten fünf Jahren sehen Experten ein fulminantes Wachstum für Elektroautos voraus. Laut einer Studie des US-Beratungsunternehmens Frost & Sullivan soll die Anzahl der globalen Verkäufe von Elektroautos im Jahr 2015 bei rund 480 000 Stück gelegen haben. In den Niederlanden allein wurden im vergangenen Jahr 25 227 Elektroautos verkauft. Die Analysten schätzen, dass die Verkäufe von Elektroautos weltweit schon im Jahr 2020 bei 10 Millionen Fahrzeugen liegen werden.

Zug positioniert sich

Bis 2020, so das Ziel, sollen etwa 700 000 Elektrofahrzeuge auf Schweizer Strassen unterwegs sein. Doch ein entscheidendes Problem sind nach wie vor die Stromtankstellen. Von einem flächendeckenden Netz ist die Schweiz noch weit entfernt. Aber der Ausbau schreitet voran. Die Zahl der Stromtankstellen in der Schweiz steigt. So gibt es bereits 20 Elektrotankstellen in Zürich und dem direkten Umland, in Basel gibt es derzeit 21 Stromtankstellen und in Bern sind es bereits zwölf öffentliche Ladestationen. Im Kanton Zug gibt es bereits sechs Ladestationen.

Auch der örtliche Energieversorger setzt auf das Wachstumsfeld. «Die Elektromobilität ist ein Zukunftsfeld, in dem wir uns strategisch positionieren wollen», sagte der Direktor der Wasserwerke Zug, Andreas Widmer, im Interview mit der «Zentralschweiz am Sonntag». Er sei überzeugt, dass Elektrofahrzeuge in den städtischen Gebieten und Ballungsräumen eine grosse Zukunft haben. «Aber das setzt auch voraus, dass der Gesetzgeber die Elektromobilität fördert», sagte er weiter – zum Beispiel mit Steuervergünstigungen oder Vorteilen im Verkehr wie die Nutzung von Busspuren oder speziellen Parkmöglichkeiten.

Bisher zu teuer

Glaubt man den Prognosen, wird sich das Strassenbild von Zug in den kommenden fünf Jahren verändern. Weniger Luxusautos werden zu sehen sein. Dafür spricht auch, dass Elektroautos erschwinglicher werden. Wie zum Beispiel das neue Modell von Tesla. Galt der US-Autohersteller bisher als eher zu teuer, so kostet das neue Modell 3 in der Basisvariante mit 35 000 US-Dollar nur rund halb so viel wie die aktuellen Modelle X und S. Mit einer Reichweite von 340 Kilometern ist der Tesla nicht nur für innerstädtische Fahrten brauchbar, sondern ist ein vollwertiger Ersatz für Benziner. Auch die Beschleunigung von 0 auf 100 Stundenkilometer in nur sechs Sekunden lässt sich sehen. Auf den Strassen wird man den Hoffnungsträger der Elektroautobranche aber voraussichtlich erst Ende 2017 erblicken können. Doch laut Analysten von Goldman Sachs hat das Model 3 immenses Potenzial. Der Markt für Elektroautos könnte so «dramatisch ausgeweitet» werden und dürfte wohl auch die alteingesessene Konkurrenz deutlich unter Zugzwang bringen.

Möglicherweis werden trotz des vorhergesagten Booms in der Elektromobilität auch weiterhin viele Ferraris oder Porsches verkauft werden – vor allem in Zug. Schliesslich hat ein Elektrofahrzeug wenig bis gar kein Luxusflair. Es ist nur die Frage, wie man Luxus definiert.

Bernard Marks

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