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VERKEHR: Nirgends sonst sind die Strassen so voll

Die Dichte an Autos gemessen an der Einwohnerzahl ist in Zug schweizweit am höchsten. Die vielen Pendler verschärfen die Situation.
Viele Autos auf der Neugasse in Zug: Nirgends in der Schweiz ist die Dichte an Autos pro 1000 Einwohner so gross wie in Zug (Archivbild). (Bild: Stefan Kaiser)

Viele Autos auf der Neugasse in Zug: Nirgends in der Schweiz ist die Dichte an Autos pro 1000 Einwohner so gross wie in Zug (Archivbild). (Bild: Stefan Kaiser)

Charly Keiser

Trotz ZVB-Bussen und Stadtbahn: Mit 633 Personenwagen pro 1000 Einwohner ist der Bestand per Ende 2014 in Zug so hoch wie in keinem anderen Kanton. Das zeigt eine Auswertung des Bundesamts für Statistik, die dieser Tage erschienen ist. Zug führt diese Rangliste erstmals an. Auf Platz zwei folgt mit 631 Autos pro 1000 Einwohner das Tessin, das bislang über viele Jahre die höchste Dichte an Personenwagen aufwies. Zug liegt mit diesen Zahlen fast 100 Autos über dem schweizerischen Durchschnitt.

Interessant ist ein Blick in die Vergangenheit: Mit 233 Wagen im Jahr 1970 lag der Kanton Zug zwar ebenfalls über dem Schweizerischen Durchschnitt, allerdings nur gerade mit 12 Autos. Er befand sich aber deutlich hinter Genf, das damals die Rangliste mit 349 Wagen anführte. Doch Zug holte beständig auf: 1990 standen schon fast gleich viele Autos in Zuger Garagen und auf Zuger Parkplätzen wie in Genf. Im Jahr 2000 lag der Kanton Zug mit 554 Autos pro 1000 Einwohner an zweiter Stelle der Liste hinter dem Tessin mit seinen 592 Autos. Der Durchschnitt der Schweiz lag damals bei 492 Wagen. Dass Zug den Platz auf dem Thron bald erklimmen würde, zeichnete sich in den letzten Jahren ab. Und wahrscheinlich ist, dass Zug auch künftig «Spitze» sein wird.

Stark benutzte Kantonsstrassen

Doch was heisst das für die Strassen und den Verkehrsfluss? «Die Kantonsstrassen werden sehr stark benutzt», erklärt Baudirektor Heinz Tännler. Dies vor allem auch darum, weil täglich gegen 40 000 Leute aus und nach Zug pendeln würden. Entsprechend hoch seien die Unterhalts- und Instandstellungskosten, betont Tännler. Es sei darum essenziell, dass nebst der bereits realisierten Nordzufahrt und der Umfahrungsstrasse GrindelBibersee auch die Umfahrung Cham-Hünenberg und die Tangente Zug/Baar baldmöglichst realisiert würden. «Diese Projekte sind notwendig, um den Verkehr zu kanalisieren. So, wie es anhand der Nordzufahrt gut zu sehen ist.» Mit der Umfahrung Cham-Hünenberg geht der Kanton im April in die Auflage, das Baubewilligungsverfahren der Tangente ist im Moment vor Verwaltungsgericht.

Die Dichte an Fahrzeugen werde künftig sicher nicht kleiner, sagt der Baudirektor. «Denn wir sind ein attraktiver Kanton, und dessen Einwohner sind sehr mobil. Das ist schlicht und einfach die Kehrseite der Medaille.» Umso wichtiger sei darum die Kanalisation des Verkehrs, der adäquate Ausbau des ÖV und die Begrenzung der Parkplätze bei Bebauungsplänen auf ein vernünftiges Mass, ergänzt er. «Nur so können wir erreichen, dass auch am Morgen, Mittag und Abend der Verkehrsfluss gewährleistet ist.» Die steigende Dichte sei auch der Grund, warum der Stadttunnel dringend nötig sei, fügt Tännler an. Dort läuft im Moment der politische Prozess mit der zweiten Lesung im Kantonsrat Ende Monat und der geplanten Abstimmung im Juni.

Für Philipp Kissling, Vorstandsmitglied der Sektion Zug des Verkehrs-Clubs der Schweiz (VCS), ist klar, warum Zug in Sachen Autodichte den Spitzenplatz belegt: «Es zeigt die Zusammensetzung der Einwohner», erklärt er. In den letzten Jahren seien nämlich viele Leute aus Zug weggezogen, weil sie sich die teuren Wohnungen nicht mehr hätten leisten können. Ersetzt worden seien diese Abwanderer meist durch Gutsituierte, die sich öfter einen Zweitwagen leisten wollen und können. «Zwar ist der ÖV im Kanton Zug sehr gut ausgebaut», ergänzt Kissling, «aber dieser wird auch zu viel benutzt. So fahren im Kanton Zug beispielsweise nur gerade 12 Prozent der Schüler mit dem Velo zur Schule der Schweizer Durchschnitt liegt aber bei über 30 Prozent.»

150 Quadratmeter für ein Auto

Es sei darum nötig, dass sich politisch etwas ändere, ist sich Kissling sicher. In Zug habe es zu viele und noch dazu die falschen Arbeitsplätze. So müssten Stellen für Wenigverdienende und entsprechend günstige Wohnungen entstehen. «Pendler und deren Autos brauchen sehr viel Platz. Zu viel», wie Kissling vorrechnet. Ein Auto benötige beim Fahren 150 Quadratmeter, ein Velo und der ÖV hingegen nur 10 und ein Fussgänger 3 Quadratmeter. Auch bezüglich Parkieren habe das Auto eine schlechte Bilanz: «Es braucht 10 Quadratmeter und dies meist zu Hause und zusätzlich auch am Arbeitsplatz sowie beim Einkaufen und in der Freizeit. Für ein Velo genügt hingegen ein Quadratmeter.»

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