Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

VERKEHR: SBB-Pläne erhitzen die Gemüter

Der kürzlich ver­öffentlichte Rahmenplan Baar-Zug der Schweizerischen Bundesbahnen sorgt für heftige Diskussionen. Die SBB spielen auf Zeit, lautet der Vorwurf.
Bernard Marks
Die SBB planen den Ausbau des Schienenetzes in der Zentralschweiz. Kritikern geht das allerdings nicht schnell genug. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

Die SBB planen den Ausbau des Schienenetzes in der Zentralschweiz. Kritikern geht das allerdings nicht schnell genug. (Bild: Keystone/Martin Ruetschi)

Bernard Marks

Keinen Sitzplatz gefunden? Schon wieder Verspätung? Das Problem ist zu Stosszeiten jedem Bahnpendler wohl bekannt – besonders in der Zentralschweiz. Denn hier kommt der Bahnverkehr langsam, aber sicher an seine Kapazitätsgrenzen.

Auf die lange Bank geschoben

36 000 Fahrgäste nutzen allein pro Tag den Bahnhof Zug. Und es werden immer mehr. Es herrscht dringender Handlungsbedarf beim Ausbau des Schienennetzes. Denn viel zu anfällig sind die einspurigen Linienführungen auf der Strecke zwischen Horgen und Baar. Das haben die Schweizerischen Bundes­bahnen (SBB) erkannt. Trotzdem legen sie in ihrem neuen Rahmenplan Baar-Zug entscheidende Projekte, die den Bahnverkehr schneller machen könnten, auf die lange Bank. Zum Teil sollen die Engpässe erst nach dem Jahr 2040 angegangen werden.

Stures Festhalten der Regierung

Für den schweizweit bekannten Verkehrsplaner Paul Stopper dauert das viel zu lange. «Das jahrzehntelange Warten auf die nie finanzierbaren Grossprojekte lässt die ganze Zentralschweiz ins bahnseitige Abseits rutschen», sagt er. Als Kenner der Bahnlandschaft beelenden ihn die SBB-Planungen in der Zentralschweiz seit Jahren – und immer mehr. «Das sture und unfähige Festhalten der Zuger Regierung am Zimmerberg-Basistunnel trägt zu diesem bodenlosen Elend bei», sagt er. Die anderen Regionen der Schweiz agieren seiner Meinung nach geschickter als die Innerschweiz. Die offensichtlichsten Engpässe zwischen dem Zürichsee und Zug werden von den SBB nicht angegangen. «Man setzt weiterhin auf einen nie und nimmer finanzierbaren Zimmerberg-Basistunnel. Seit Jahren setzten sich Zuger Vertreter aus der Politik für alternative Lösungen im öffentlichen Verkehr ein. Die Veröffentlichung des Rahmenplans der SBB brachte wieder Schwung in die Diskussion. Es tut sich etwas beim Ausbau des Schienennetzes im Kanton Zug.» Ohne Diskussion überwies der Kantonsrat gestern zum Beispiel die Motion der beiden Zuger SVP-Kantonsräte Philip C. Brunner und Jürg Messmer, nach der sie von der Zuger Regierung fordern, sich für einen doppelspurigen Sanierungstunnel zwischen Sihlbrugg und Horgen Oberdorf einzusetzen. Der Aus­bau der beste­henden Strecke biete den Vorteil, dass er etappenweise durchgeführt werden könne und wesentlich kostengünstiger sei als der alternative Zimmerberg-Basistunnel II.

Das freut den ehemaligen Zuger Kantonsrat Martin Stuber. Seit Jahren kämpft er mit seinem Komitee für den «Zimmerberg Light». «Diese Variante muss endlich seriös abgeklärt werden», sagt Stuber. Denn sie weise ein deutlich besseres Kosten-Nutzen-Verhältnis auf als der Basistunnel.

Das Komitee engagiert sich für eine durchgehende Doppelspur von Zug nach Zürich, die sich an der heutigen Linienführung via den Knoten Thalwil orientiert (siehe Box). «Die SBB und die Zuger Regierung spielen auf Zeit», meint auch Stuber. Für ihn unverständlich, denn die Menschen brauchten so schnell wie möglich Doppelspuren zwischen Thalwil und Zug.

Luzern bleibt aussen vor

Auch die Strecke zwischen Zug und Luzern beherbergt noch so manches Nadelöhr. «Im von den SBB publizierten Plan ist es ganz augenscheinlich, dass der Tiefbahnhof Luzern einerseits weit abseits aller Verkehrsströme liegt und etwas verloren dazustehen scheint», sagt der Verkehrsplaner Paul Stopper. «Beim Projekt kann man nicht erkennen, was der Tiefbahnhof mit Kosten von weit über 2 Milliarden Franken soll. Das hat noch niemand überzeugend erklären können», kritisiert Stopper. Das sieht Martin Stuber etwas anders. «Ein Durchgangsbahnhof Luzern in Tieflage macht durchaus Sinn, aber nur mit einer durchgehenden Doppelspur zwischen Zürich und Zug».

Light-Version könnte Kosten einsparen

Die Idee der Light-Version des Tunnels durch den Zimmerberg ist nicht neu. Seit Jahren kämpft ein Komitee dafür. Es führt in seiner Argumentation für die Light-Variante vor allem die Zeitersparnis bei der Umsetzung, tiefere Kosten, die Aufrechterhaltung des Umsteigeknotens Thalwil sowie die Etappierbarkeit an. Effektiv soll ein zweiter Albistunnel von Baar Litti bis Sihlbrugg (3,4 Kilometer) in Kombination mit einem neuen Doppelspurtunnel Sihlbrugg bis Horgen Oberdorf (rund 2 Kilometer) geplant werden.

Nicht nur kostengünstig

Die Befürworter dieser Lösung gehen davon aus, dass die Kosten für «Zimmerberg light» 500 bis 600 Millionen Franken ausmachen. Dem gegenüber stehen 1,3 Milliarden Franken für den Zimmerberg-Basistunnel II. «Der Zimmerberg light (ZBL) ist nicht nur wesentlich kostengünstiger als der Zimmerberg-Basistunnel bei gleicher Zielerreichung», sagt der alt Kantonsrat Martin Stuber. ZBL lasse sich deutlich schneller realisieren.

Fertigstellung noch vor 2030

In der ersten Etappe wird der kurze Doppelspurtunnel unter dem Zimmerberg zwischen Horgen Oberdorf und Sihlbrugg Station gebaut. Ein Baustart könnte noch vor dem Jahr 2025 erfolgen. Als zweite Etappe kann dann die zweite Röhre unter dem Albis gebaut werden. So könnte die durchgehende Doppelspur zwischen Thalwil und Baar vor 2030 realisiert sein. Dies ist mit dem fast doppelt so teuren und nicht etappierbaren Zimmerberg-Basistunnel II nicht machbar.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.