VERKEHR: Senioren müssen später antreten

Zug folgt dem Kanton Luzern und lockert die Praxis bei der Fahreignungsprüfung. Ein Schritt, den man laut dem Sicherheitsdirektor schon länger ins Auge gefasst hatte.

Samantha Taylor
Drucken
Teilen
Auch im Kanton Zug erhalten Senioren künftig erst nach 
dem 70. Geburtstag das Aufgebot zur Fahreignungsprüfung. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Auch im Kanton Zug erhalten Senioren künftig erst nach dem 70. Geburtstag das Aufgebot zur Fahreignungsprüfung. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Samantha Taylor

Die Zuger Senioren werden künftig später zur Fahreignungsprüfung aufgeboten als bisher. Dies, nachdem der Zeitpunkt des Aufgebots in den Kantonen Luzern und Zug in den vergangenen Wochen immer wieder für Diskussionsstoff gesorgt hatte.

Zur Erinnerung: Wer das 70. Altersjahr vollendet hat, und noch Auto fahren will, der muss seine Fahrfähigkeit im Rahmen eines medizinischen Kontrolluntersuchs im Zweijahresrhythmus unter Beweis stellen. Diese Regel gilt in der ganzen Schweiz. Wann man jedoch zu dieser Prüfung aufgeboten wird, da gibt es von Kanton zu Kanton Unterschiede. In der Zentralschweiz haben es die Zuger und Luzerner besonders eilig. In beiden Kantonen erhalten die Seniorinnen und Senioren den Brief vom Strassenverkehrsamt nämlich bereits vor ihrem 70. Geburtstag. In Zug flattert das Aufgebot ganze 90 Tage vorher ins Haus – sehr zum Ärger der Senioren. Das Thema löste in Luzern eine politische Debatte aus. Das Resultat: Der Kanton Luzern wird, wie er vor zwei Tagen verlauten liess, seine Praxis lockern. Neu erhalten Senioren das Aufgebot erst fünf Tage nach dem 70. Geburtstag. Ausserdem haben die Luzerner für die Erfüllung der Untersuchung ab sofort 90 statt 60 Tage Zeit (Ausgabe von gestern).

Ein Schritt weiter

Und wie reagiert jetzt Zug? «Ich habe mich bereits vor einiger Zeit entschieden, dass ich die Praxis ändern will», sagt Sicherheitsdirektor Beat Villiger. Man habe aber erst noch abwarten wollen, was Luzern mache. «Nun da das feststeht, haben wir uns definitiv entschieden, mit Luzern gleichzuziehen», sagt Sicherheitsdirektor Beat Villiger. Konkret heisst das, auch im Kanton Zug werden Senioren neu erst fünf Tage nach ihrem 70. Geburtstag aufgeboten. Zur Erfüllung der Untersuchung hält der Kanton Zug an seiner bisherigen Praxis fest. Denn die Frist beträgt hier bereits 90 Tage. Ebenfalls gleich bleibt der Rhythmus. Die neuen Aufgebote werden alle 22 Monate verschickt.

Dass der Kanton Zug seine Praxis lockert, hängt laut Villiger in erster Linie damit zusammen, dass auch die übrigen Zentralschweizer Kantone eine liberale Praxis kennen. «Es ist unglücklich, wenn in den Kantonen unterschiedliche Fristen gelten», so der Sicherheitsdirektor. Man sei bemüht, wenigstens in der Zentralschweiz einheitliche Vorgaben zu setzten. Und Villiger würde gar noch einen Schritt weiter gehen und die Vorgaben schweizweit vereinheitlichen. Der Zuger Sicherheitsdirektor hat zu diesem Anliegen bereits ein Schreiben an Verkehrsministerin Doris Leuthard verfasst. «Ich bin klar der Meinung, dass in der ganzen Schweiz dieselben Fristen gelten sollten.» Gleichzeitig betont Villiger allerdings, dass er dagegen sei, dass die Regelung strenger ausgelegt werde als wirklich nötig.

Umsetzung ab Januar

Doch nun folgt erst einmal die Anpassung an die Zentralschweiz. Dabei wird sich Zug an Luzern halten, da beide mit derselben Software (Viacar) arbeiten. «Die Zusammenarbeit läuft bereits. Sie vereinfacht die geplanten Massnahmen und beschleunigt die Umsetzung», führt Villiger weiter aus. Konkret gehe es darum, gewisse Änderungen an der Software vorzunehmen. Gemäss dem Sicherheitsdirektor wird dies jedoch nicht viel Zeit in Anspruch nehmen, denn die neue Praxis soll im Kanton Zug bereits per Januar 2016 umgesetzt werden.

Wie hoch die Kosten für das Projekt sein werden, ist noch nicht abschliessend bekannt. Die Anpassungskosten bei «Viacar» werden sich aber laut Beat Villiger in einem «verhältnismässigen Rahmen» bewegen und können gemeinsam mit Luzern tief gehalten werden.

«Positive Entwicklung»

Bei den Betroffenen kommt der Entscheid der Zuger Regierung durchaus gut an. «Es ist sicherlich eine positive Entwicklung und auch richtig, dass man die Aufgebote nun tatsächlich erst nach dem 70. Geburtstag bekommt und nicht schon vorher», sagt Bruno Keller, Präsident des Kantonalen Senioren-Verbandes Zug. So erhalte man etwas mehr Zeit und müsse sich auch nicht schon vorher mit dem Thema beschäftigen. «Ausserdem finde ich es sehr sinnvoll, dass man nun in der Zentralschweiz eine einheitliche Regelung hat, so Keller weiter.