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VERKEHR: Senioren werden zur Kasse gebeten

Das Jahresabo für den öffentlichen Verkehr wird für Senioren fast ein Viertel teurer. Eine Sparmassnahme des Kantons, die für Kopfschütteln sorgt.
Samantha Taylor
Bus fahren wird auf dem Zuger Netz erheblich teurer. (Bild: Werner Schelbert / Neu ZZ)

Bus fahren wird auf dem Zuger Netz erheblich teurer. (Bild: Werner Schelbert / Neu ZZ)

«Ich habe nicht schlecht gestaunt, als ich das gehört habe», sagt der 67-jährige Zuger und die Entrüstung ist ihm anzuhören. Gestaunt hat der Pensionär, als er vor kurzem sein Jahresabonnement für den öffentlichen Verkehr im Kanton Zug, den Zugerpass Plus, erneuert hat. «Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass das Abonnement ab Mitte Dezember teurer wird. Und zwar um fast 130 Franken», berichtet der Rentner, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will.

Und tatsächlich: Bisher kostet der Zugerpass Plus für ein Jahr (persönlich, 2. Klasse) für alle Zonen für Senioren 567 Franken. Die ÖV-Benutzer im Rentenalter profitierten damit von einem ansehnlichen Rabatt. Denn dasselbe Abonnement für Erwachsene kostet 693 Franken. Doch damit ist jetzt Schluss. Mit dem Fahrplanwechsel von heute Sonntag wird der Seniorenrabatt gestrichen. Für sie gilt neu der reguläre Erwachsenentarif von 693 Franken. Das entspricht einem Aufschlag von rund 23 Prozent. «Ich finde das Wahnsinn. Unsere Rente wird ja nicht grösser», ärgert sich der Pensionär.

Einziger Kanton

Der Zuger ist nicht der Einzige, der in diesen Tagen ob der neuen Tarife stutzen dürfte. Laut Angaben der Zugerland Verkehrsbetriebe sind rund 4000 Personen im Kanton von der Preisanpassung betroffen. Grund für den Aufschlag ist einmal mehr das kantonale Sparprogramm, wie Hans-Kaspar Weber, Leiter des Amts für öffentlichen Verkehr erklärt. Und die Tatsache, dass Zug mit dem Seniorenrabatt eine Ausnahmeerscheinung sei. «Die meisten Tarifverbünde in der Schweiz haben gar nie einen Seniorenrabatt gewährt oder diesen in den letzten Jahren abgeschafft», führt der Amtsleiter aus. «Für uns lag es deshalb auf der Hand, dass im Zusammenhang mit dem Entlastungsprogramm 2015 bis 2018 auch in Zug auf diese Vergünstigung verzichtet werden kann», sagt Weber.

Dass das Abonnement damit fast ein Viertel teurer wird, ist Weber bewusst. «Ob der neue Abopreis annehmbar ist, wird sich jeder Kunde aufgrund der beabsichtigten Nutzung überlegen und allenfalls auch auf Mehrfahrtenkarten oder Einzelbillette ausweichen.» Weber vermutet jedoch, dass sich viele Senioren für einen Zugerpass Plus entscheiden würden, weil dieser bequemer sei. «Die Zuger Bevölkerung besitzt einen überdurchschnittlich hohen Anteil an ÖV-Abonne- menten. Ich führe dies einerseits auf die hohe Kaufkraft zurück, andererseits ist für die Verkehrsmittelwahl nicht in erster Linie der Preis, sondern ein passendes ÖV-Angebot entscheidend», weiss Weber.

Alle Angebote werden teurer

Dass die Erhöhung des Tarifs schrittweise und damit etwas sanfter hätte erfolgen können, war laut dem Amt für öffentlichen Verkehr keine Option. Auch, dass andere Vergünstigungen – etwa bei den Junioren – zu Gunsten der Senioren reduziert werden, sei nicht geplant. Dies, weil man festgestellt habe, dass im Gegensatz zu den Senioren ein Wegfall der Juniorenvergünstigung ein «umgekehrter Sonderfall» wäre. «Alle Tarifverbünde kennen solche Vergünstigungen und gewähren sie», erklärt Weber. Ausserdem würde die Streichung des Juniorenrabatts viele Familien und insbesondere die künftige ÖV-Generation treffen», erklärt Hans-Kaspar Weber. Der Regierungsrat habe darum diese Massnahme abgelehnt.

Gleichzeitig betont der Amtsleiter, dass früher oder später alle ÖV-Benutzer zur Kasse gebeten würden. Denn: «Der Regierungsrat erwartet vom Tarifverbund Mehreinnahmen aus künftigen Tariferhöhungen, welche unabhängig vom Alter alle Kundinnen und Kunden treffen werden», sagt Weber. Mit anderen Worten: Alle Angebote werden teurer. Wie hoch der Aufschlag sein wird, kann Weber heute noch nicht sagen. Auch wann mit der nächsten Tariferhöhung zu rechnen ist, ist noch unklar. Weber: «In der Regel erfolgen Tariferhöhungen mit dem Fahrplanwechsel. Das wäre also im Dezember 2016.»

Auf Kosten der Zufriedenheit

Dass Zuger Senioren nun aber schon ein Jahr vor allen anderen mit höheren Preisen konfrontiert werden, kommt nicht bei allen gut an. Man habe zwar Verständnis für notwendige Sparmassnahmen, heisst es etwa seitens des kantonalen Seniorenverbandes. «Die vorgesehene Erhöhung der Abo-Preise wird aber den Kauf der Abos für viele erschweren, insbesondere für Personen mit schwachem Einkommen und Bezüger von Ergänzungsleistungen», sagt Verbandspräsident Bruno Keller. Das sei umso bedauerlicher, da die Mobilität im Alter wesentlich zur Lebensqualität der Seniorinnen und Senioren beitrage. Keller: «Nebst den gesundheitlichen und finanziellen Faktoren bestimmt die Mobilität einen Teil der Zufriedenheit. Mit der Erhöhung wird nun die gewünschte Mobilität zur Erhaltung der Selbstständigkeit eingeschränkt.»

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