VERKEHR: So fit sind Zuger Buschauffeure unterwegs

Noch immer erschüttert der jüngste Flugzeugabsturz. Der Copilot war ja psychisch krank. Wie gesund sind Chauffeure hier?

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Keineswegs in Schieflage: Die Busse der Zugerland Verkehrsbetriebe sind zumeist sicher unterwegs. (Bild: ZVB)

Keineswegs in Schieflage: Die Busse der Zugerland Verkehrsbetriebe sind zumeist sicher unterwegs. (Bild: ZVB)

Nicht nur auf Flugzeugpiloten lastet eine grosse Verantwortung, wenn sie jeden Tag eine Verkehrsmaschine durch die Lüfte steuern. Auch auf der Erde sind Chauffeure gefordert, sicher unterwegs zu sein wie zum Beispiel die Buschauffeure der Zugerland Verkehrsbetriebe (ZVB). Wie fit sind diese, wenn sie am Steuer sitzen? Immerhin transportieren diese an Werktagen durchschnittlich 75 000 Zuger Passagiere.

Alle fünf Jahre Gesundheitscheck

«Das Fahrpersonal der ZVB ist gemäss Verkehrszulassungsverordnung dazu verpflichtet, sich regelmässig das heisst bis zum 50. Lebensjahr alle fünf, später alle drei Jahre – einer Kontrolluntersuchung bei einem Vertrauensarzt des Strassenverkehrsamtes zu unterziehen», versichert Kathrin Howald, Mediensprecherin der ZVB. Würden sich bei einer solchen Untersuchung medizinische Probleme herauskristallisieren, die die Fahrfähigkeit des Chauffeurs oder der Chauffeuse in Frage stellen, informiere der Vertrauensarzt das Strassenverkehrsamt. «Diesem obliegt dann die Verantwortung, dass der gesundheitlich angeschlagenen Person der Ausweis entzogen wird. Den medizinischen Grund für einen solchen Entzug erfahren die ZVB nicht – dies fällt unter die ärztliche Schweigepflicht», sagt Howald. Ausfälle von Fahrern aufgrund eines nicht bestandenen Checks seien aber die Ausnahme.

Fakt ist, dass sich im letzten Jahr ein schwerer Unfall in Walchwil ereignet hat, an dem ein Linienbus der ZVB beteiligt war. Ein Autofahrer war auf die Gegenfahrbahn geraten und gegen den Bus geprallt. Zwei Personen starben. Doch den Buschauffeur trifft an diesem Unfall keine Schuld, wie Judith Aklin, Kommunikationsverantwortliche der Zuger Polizei, bestätigt. «Wie oft es sonst zu Verkehrsunfällen mit Linienbussen der ZVB kommt, können wir nicht sagen, weil wir dies nicht so explizit statistisch erfassen.» Aklin kann aber aus ihrer Erfahrung sagen, dass Unfälle mit Linienbussen nicht sehr oft vorkommen.

Im Zweifelsfall auf Einsatz verzichten

Gemäss ZVB werden die Buschauffeure bereits während der Ausbildung für das Thema Sicherheit und die damit verbundene Verantwortung sensibilisiert, man hält die Mitarbeiter dazu an, in Zweifelsfällen also auch bei kritischen Gesundheitszuständen – lieber auf einen Einsatz zu verzichten und Hilfe anzufordern. «Daneben wird jeder Fahrdienstmitarbeiter von einem Teamleiter betreut», erklärt Howald. Dieser sei regelmässig mit dem Fahrpersonal unterwegs und dessen Ansprechpartner bei Problemen. «Ein auffälliges Verhalten seitens eines Fahrers während der Dienstzeit wird umgehend im Leitungsteam Fahrdienst thematisiert.» Bei Bedarf werde die Beratungsstelle Triangel in Zug hinzugezogen – dies aber immer nur in Absprache mit dem betroffenen Fahrdienstmitarbeiter. Howald: «Grundsätzlich sind Gesundheit und Gesundheitsmanagement in den regelmässig stattfindenden Weiterbildungskursen für das ZVB-Fahrpersonal stets ein Thema.»

Nicht nur die Fahreignung von Buschauffeuren wird in Zug überprüft. Auch Automobilisten werden zu regelmässigen Gesundheitschecks vorgeladen etwa zu Altersgutachten. Diese werden laut Markus Feer, Leiter des Zuger Strassenverkehrsamts, ab dem 70. Lebensjahr fällig. «Diese Personen werden dann zu einem unserer rund 100 Hausärzte geschickt.» Wenn die Ärzte eine gravierende Gesundheitsbeeinträchtigung feststellen wie etwa eine fortschreitende Demenz oder eine Diabetes, so Feer, würden diese dem Strassenverkehrsamt weitergemeldet. «Wir entscheiden aufgrund der ärztlichen Rückmeldung, ob der Führerausweis entzogen wird oder ob weitere regelmässige Gesundheitschecks nötig sind.» Und trotzdem kann es zu Unfällen kommen – wenn Krankheiten eben nicht entsprechend gemeldet werden. In einem Fall vor Jahren sei es passiert, so Feer, dass in Zug ein Autofahrer bei Hitze aufgrund falscher Medikamentierung wegen Diabetes einen Unfall verursacht habe. Andererseits ist der Behördenleiter kein Freund von Überreglementierung: «Ein Arzt ist grundsätzlich verpflichtet, einem Patienten zu sagen, was er darf und was nicht. Und die meisten älteren Personen sind einsichtig, wenn man ihnen seitens des Arztes nahelegt, dass es besser für die Verkehrssicherheit wäre, den Führerausweis abzugeben.»

Von Arztgeheimnis schon entbunden

Also tragen doch die Ärzte letztendlich viel Mitverantwortung für die Fitness von Verkehrsteilnehmern. Tatsache ist, dass im Strassenverkehrsgesetz seit den 1970er-Jahren ein Melderecht für Ärzte besteht, wenn es um die Abklärung der Fahrkompetenz einer Person geht. Unter Artikel 15, Absatz e, muss sich ein Fahrer nämlich einer Eignungsuntersuchung unterziehen bei «der Meldung eines Arztes, dass eine Person wegen einer körperlichen oder psychischen Krankheit, wegen eines Gebrechens oder wegen einer Sucht Motorfahrzeuge nicht sicher führen kann». Der Entscheid selber liege dabei in der Kompetenz des Meldeberechtigten, also des Arztes. «Denn nur dieser kann die allenfalls kritische Situation unmittelbar einschätzen», so Kantonsarzt Rudolf Hauri. Grundsätzlich könne die Aufsichtsbehörde, die Gesundheitsdirektion, einen Arzt auf dessen Antrag vom Berufsgeheimnis entbinden. Hauri: «Dies kommt auch im Kanton Zug regelmässig vor.»

wolfgang holz