VERKEHR: Zuglärm? Bund beruhigt die Anwohner

Ein Verein warnt vor künftigem Güterverkehr auf den Gleisen am Ostufer des Zugersees. Das zuständige Bundesamt spricht von einem Missverständnis.

Charly Keiser
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In Baar, Zug und Walchwil befürchtet man, dereinst könnten Güterzüge durch die Ortszentren donnern. (Bild: Keystone)

In Baar, Zug und Walchwil befürchtet man, dereinst könnten Güterzüge durch die Ortszentren donnern. (Bild: Keystone)

Der geplante Schienenausbau am Ostufer des Zugersees schürt Ängste. Könnte er dazu führen, dass die SBB dereinst neben Personen- auch laute Güterzüge via Baar, Zug, Oberwil und Walchwil Richtung Süden leiten werden – sodass attraktive Wohngebiete entlang dieser Strecke massiv abgewertet würden?

Diese bange Frage stellt sich unter anderem die «Interessengemeinschaft Neat Zug». Deren Präsident Andreas Schaub glaubt an ein Doppelspiel der Schweizerischen Bundesbahnen: «Selbstverständlich sagen die SBB, sie hätten keine Pläne betreffend Güterverkehr am Ostufer des Zugersees», sagt er und betont: «Würden sie das nämlich zugeben, würden alle opponieren.» Die Bundesbahnen gingen subtiler vor, befürchtet der Walchwiler. Denn sollten die Kapazitäten auf der klassischen Güterstrecke durchs Freiamt und entlang des Zugersee-Westufers einmal ausgeschöpft sein, würden die SBB situativ und bedarfsgerecht reagieren. Sprich, sie würden dann entgegen aller heutigen Aussagen auf die Kapazitäten auf der anderen Seeseite zurückgreifen. «Quasi mit Notrecht», fügt Schaub an. «Und dies mit dem Segen des Zuger Kantonsrats, der den Schienenausbau mit einer Änderung des Richtplans erst möglich gemacht hat.» Diese Kapazitätsvergrösserung ermögliche es, dass auch Güterverkehr am Ostufer geführt werden könne, erklärt Schaub.

Ein weiterer Grund für die grossen Bedenken der IG ist das sich im Moment in Revision befindende Güterverkehrsgesetz. Im bestehenden Gesetz hat der Personenverkehr Vorrang vor dem Güterverkehr. Mit dem revidierten Gesetz soll dieses Privileg jedoch fallen.

Freiamt-Strecke wird ausgebaut

Wir fragen nach: Können die Bundesbahnen garantieren, dass kein Güterverkehr am Ostufer entlang geführt wird? Andreas Windlinger, Sektionschef Kommunikation des Bundesamts für Verkehr (BAV), antwortet: «Der Güterverkehr wird weiterhin über das Freiamt geführt – dies zeigt die vom BAV veröffentlichte Netzgrafik zum sogenannten Referenzangebot per 2025.» Zudem bauten die SBB ja auch auf der Freiamt-Strecke und entlang des Zugersee-Westufers die Kapazitäten aus. «Dies, um die ab der Neat-Eröffnung erforderlichen Trassen auf der Zufahrt sicherzustellen.» Konkret werden durch den Einbau neuer Signale die Abstände verkürzt, in denen Güterzüge hintereinander losgeschickt werden können. Auch werden im Moment die Rindelfluh-Tunnel zwischen Immensee und Goldau auf vier Meter Eckhöhe ausgebaut, damit dort auch hohe Güterzüge durchfahren können.

«Der Bund plant nichts Derartiges»

Andreas Windlinger betont ausserdem, dass selbst der geplante Bau des Zimmerberg-Basistunnels die Ausgangslage in Sachen Güterverkehr für Zug nicht ändern würde. «Denn die Güterzüge müssten vom Rangierbahnhof Limmattal quer über den Vorbahnhof Zürich-HB auf die Strecke nach Zug gebracht werden.» Heute sei überdies die Strecke Zürich–Thalwil bereits sehr stark durch den Personenverkehr ausgelastet, und dieser werde noch weiter ausgebaut. Wenn man darum zusätzlich noch Güterverkehr am Zürichseeufer entlang Richtung Zug führen wolle, sei fraglich, ob der bestehende Vierspurausbau genügen würde, ergänzt er und betont: «Der Bund plant nichts Derartiges.»

Was aber, wenn das eigentliche Ziel der Neat erreicht oder gar übertroffen wird? Wo wird der allenfalls dann doppelt so umfangreiche Güterverkehr einst entlanggeführt? Die Strecke bleibe die gleiche, insistiert Windlinger: Deutschland–Basel–Rangierbahnhof Limmattal –Freiamt–Rotkreuz–Arth-Goldau–Brunnen–Gotthard–Tessin–Italien.»

Und was sagt Windlinger zu den Vorwürfen und Ängsten der IG? «Die Befürchtungen der IG Neat Zug sind möglicherweise auf die kürzlich erfolgten Anpassungen des Richtplans des Kantons Zug zurückzuführen. Sollte die Kommunikation dieser Anpassungen den Eindruck erweckt haben, dass künftig Schienengüterverkehr über das Ostufer des Zugersees geführt werden soll, so handelt es sich dabei um ein Missverständnis.»

Vielleicht in der Nacht

Einer, der bei all diesen Aussagen skeptisch bleibt, ist Gerhard Schmid. Der Chamer Bahnexperte hat generell Mühe mit der Informationspolitik der Bundesbahnen: «Die SBB tricksen immer und geben nur ein Minimum bekannt.» So habe er trotz hartnäckigem Nachfragen oftmals die gewünschte Auskunft nicht erhalten, ergänzt Schmid. Die Befürchtung, dass dereinst Güterverkehr auf der Ostseite des Zugerseeufers entlanggeführt wird, ist bei Schmid trotzdem nicht allzu gross. «Der Widerstand im Limmattal gegen den von den SBB geplanten Güterhub ist wohl zu gross – denn auch die Basler kämpfen dagegen an. Trotzdem», warnt Schmid, «die SBB könnten schon einmal gewillt sein, während der Nacht eine kleinere Anzahl Güterzüge via Zug und Zürich zu leiten.»