Verkehrssicherheit
Blickensdorfer Familien fordern bessere Velo-und Fusswege nach Baar – der Ball liegt beim Kanton

Riikka Horvat ist Vizepräsidentin der Interessengemeinschaft Leben in Blickensdorf. Zusammen mit anderen besorgten Eltern fordert sie dringend eine sicherere Verbindung für den Langsamverkehr zwischen Blickensdorf und der Primarschule Wiesental sowie nach Baar-Dorf. Der Kanton hat ein Vorprojekt erarbeitet. Doch die Umsetzung wird Zeit benötigen.

Tijana Nikolic Jetzt kommentieren
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Die Vizepräsidentin der Interessengemeinschaft Leben in Blickensdorf, Riikka Horvat, und ihre Tochter Aline Horvat auf dem Velo unterwegs auf der stark befahrenen Hauptstrasse von Blickensdorf nach Baar-Dorf.

Die Vizepräsidentin der Interessengemeinschaft Leben in Blickensdorf, Riikka Horvat, und ihre Tochter Aline Horvat auf dem Velo unterwegs auf der stark befahrenen Hauptstrasse von Blickensdorf nach Baar-Dorf.

Bild: Stefan Kaiser (Baar, 1. September 2021)

In Blickensdorf ist der Wunsch nach einer besseren und sicheren Velo- und Fussverbindung nach Baar-Dorf schon länger vorhanden. «Seit mehr als zwölf Jahren fordern wir Blickensdorfer eine sichere Verbindung für den Langsamverkehr, insbesondere zur Primarschule Wiesental und nach Baar-Dorf», sagt Riikka Horvat, Vizepräsidentin der Interessengemeinschaft (IG) Leben in Blickensdorf, die vor über drei Jahren gegründet wurde (siehe Box).

Es gebe für diese Strecke schlicht keine Verbindung für Velofahrende und man sei gezwungen, sich durch die stark befahrene Hauptverkehrsachse durchzukämpfen oder auf dem Trottoir zu fahren. «Dadurch haben sich einige Velounfälle mit Personenschaden in Blickensdorf ereignet. Die Bewohner beobachten mit Sorge immer wieder brenzlige Situationen», so die 45-jährige Horvat.

15 Familien stecken hinter der IG Leben in Blickensdorf

Die IG Leben in Blickensdorf besteht aus rund 15 Blickensdorfer Familien, die sich zusammengetan haben, um die Anliegen der Ortschaft gemeinsam zu vertreten. Dies auch als Ansprechpartner für die Gemeinde Baar. Im Vordergrund stehen dabei schon lange sichere Velo- und Fussverbindungen in und um Blickensdorf. Vereinspräsidentin ist Marlen Staub, Kulturingenieurin sowie bei der Stadt Zürich im Bereich Verkehr und Stadtraum tätig. Gemeinsam mit ihr ist Horvat seit der Gründung 2018 im Präsidium. Ihre 15-jährige Tochter Annika fährt täglich mit dem Velo zum Schulhaus Sennweid in Baar und ihre 11-jährige Tochter Aline besucht die Schule Wiesental in der Nähe der Waldmannhalle. Der sichere Weg für ihre Kinder in den Kindergarten oder zur Schule war der Grund, weshalb sie und andere Eltern vor zwölf Jahren in Blickensdorf etwas ändern wollten.

Keine sicheren Strassenübergänge sowie zu schmale Trottoirs

Die Verkehrssituation für den Langsamverkehr in Blickensdorf soll sich verbessern, insbesondere für den Schulweg zu Fuss und mit dem Velo, so die konkrete Forderung der IG. Die Veloverbindung nach Blickensdorf ist im Richtplan des Kantons festgelegt. «Es gibt viele gefährliche Stellen auf dem ganzen Strassenzug. Die Blickensdorferstrasse/Neugasse ist eine sehr stark und schnell befahrene Hauptverkehrsachse», weiss die aus Finnland stammende Horvat. Es fehle auch an sicheren Strassenübergängen.

Weiter befinden sich die Wartebereiche der Bushaltestellen auf dem schmalen Trottoir. So werden haltende Busse oftmals überholt. «Wegen des schmalen Trottoirs wird beim Kreuzen mit Kinderwagen, Velos oder Trottinetts auf die Strasse ausgewichen», führt Horvat aus. Ausserdem verengt sich die Strasse zur Autobahnbrücke hin, wodurch die Velos zusätzlich eingeengt werden. Doch alle bisherigen Bestrebungen hätten in den letzten zwölf Jahren zu nichts geführt.

Riikka Horvat, im Bild mit Tochter Aline, kennt die gefährlichen Stellen auf der Strecke zwischen Blickensdorf und Baar.

Riikka Horvat, im Bild mit Tochter Aline, kennt die gefährlichen Stellen auf der Strecke zwischen Blickensdorf und Baar.

Bild: Stefan Kaiser (Baar, 1. September 2021)

Beidseitige Radstreifen sollen entstehen

An der Baarer Gemeindeversammlung im Juni erklärte der Sicherheitsvorsteher Zari Dzaferi, dass der Ball momentan beim Kanton liege, der für diese Strecke zuständig ist. Eine Vernehmlassung habe stattgefunden und die Gemeinde habe sich für zwei breitere Radstreifen ausgesprochen.

«Die Blickensdorferstrasse und die Neugasse müssen in ein paar Jahren saniert werden. Dazu hat der Kanton ein Vorprojekt erarbeitet, in dem er neu eine Radverkehrsinfrastruktur in Form von beidseitigen Radstreifen plant»,

erklärt der Zuger Regierungsrat und Baudirektor Florian Weber. Die Radstreifen werden darin mit einer Breite von 1,25 Metern geplant, was den aktuellen Schweizer Normen entspricht. Aufgrund der engen Platzverhältnisse und auch wegen den Interessen des Ortsbildschutzes, insbesondere in Blickensdorf, sei die Verkehrsfläche insgesamt auf ein Minimum zu reduzieren.

Kanton betrachtete Langsamverkehrsführung entlang der Neugasse

Der Kanton Zug hat das Vorprojekt «Langsamverkehr Neugasse, Baar» erstellt, um die Führung des Langsamverkehrs zu verbessern. «Der betrachtete Projektperimeter beinhaltete die Neugasse ab nördlichem Ortseingang von Blickensdorf bis über den Knoten Früebergstrasse», erklärt Weber.

Dieses Projekt hat der Kanton Zug der Gemeinde Baar und anderen Stellen zur Vernehmlassung geschickt. In diesem Zusammenhang hat sich die Einwohnergemeinde Baar mit einer Stellungnahme unter anderem zu den Breiten der vorgesehenen Radstreifen geäussert. «Die Resultate der durchgeführten Vernehmlassung werden nun überprüft und wo möglich in der weiteren Projektierung aufgenommen», so Weber weiter.

Ein einseitig kombinierter Fuss- und Radweg wäre erschwerend

Der Zuger Baudirektor Florian Weber.

Der Zuger Baudirektor Florian Weber.

Bild: Christian H. Hildebrand

«Innerorts sind Velos aus Sicherheitsgründen auf der Fahrbahn zu führen. Das Trottoir ist dem Fussverkehr vorbehalten, um Konflikte zwischen Fussgängern sowie Velofahrern zu vermeiden», so Weber. Vor allem bei Zufahrten würden die Sichtweiten häufig nicht ausreichen, damit ein Velo rechtzeitig wahrgenommen wird.

Beidseitig einen kombinierten Fuss- und Radweg umzusetzen, bräuchte ebenso viel Platz wie beidseitige Radstreifen. «Ein einseitig kombinierter Fuss- und Radweg würde zu mehr Querungen des gesamten Strassenabschnitts der Kantonsstrasse entlang führen und eine attraktive und direkte Führung erschweren», erklärt Weber. Dies vor allem im Knotenbereich.

Vorprojekt könnte «erfahrungsgemäss mehrere Jahre in Anspruch nehmen»

Dem Kanton sei eine Lösung natürlich ebenfalls wichtig. Die Umsetzung des erwähnten Vorprojekts erfordere jedoch eine gewisse Zeit, insbesondere unter dem Aspekt des nötigen Landerwerbs. «Hinzu kommt, dass bereits heute ein beidseitiges Trottoir besteht, das von bis zwölf Jahre alten Kindern befahren werden darf.»

«Im Bereich des Schulhauses Wiesental gibt es sogar eine Personenunterführung, sodass die Blickensdorferstrasse gefahrlos gequert werden kann», fügt Weber an. Ebenfalls besteht zwischen Autobahn- und Lorzenbrücke ein mit einer Mittelinsel gesicherter Überquerungsstreifen für den Langsamverkehr.

«Nun müssen zuerst ein Bauprojekt erarbeitet und der Landerwerb gesichert werden», kommentiert Weber das weitere Vorgehen. Die Zeitspanne des Projekts werde massgeblich davon abhängen, ob dagegen Rechtsmittel ergriffen werden und wie lange diese Verfahren dauern werden. «Erfahrungsgemäss kann dies mehrere Jahre in Anspruch nehmen», räumt Weber abschliessend ein.

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