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Mietpreise: Vermieterin ging bei Baarer Sozialhilfebezüger bis ans Limit

Ein 31-jähriger Sozialhilfebezüger bewohnte zwei schäbige Zimmer in einem Mehrfamilienhaus. Dafür mussten pro Monat satte 1100 Franken aufgebracht werden. Zu diesem Sachverhalt schweigt die Vermieterin.
Thomas Heer
Kleinstwohnung mit gesalzenem Preis: Einblick in die 25 Quadratmeter grosse Mietwohnung. (Bild: Thomas Heer)

Kleinstwohnung mit gesalzenem Preis: Einblick in die 25 Quadratmeter grosse Mietwohnung. (Bild: Thomas Heer)

Merlin Gombo schreitet durch den Eingangsbereich der Liegenschaft, wo sich Laub und Plastikmüll angesammelt haben. Er führt den Reporter via Stiegenhaus in seinen Wohnbereich. Es ist Mitte März und Gombo steht wenige Tage vor dem Zügeltermin. Er freut sich über den bevorstehenden Auszug, und das ist gut nachvollziehbar.

Denn Gombos Zuhause bestand bis vor wenigen Wochen aus zwei Zimmern, die eine Fläche von rund 25 Quadratmetern abdecken. Das Bad, die Dusche und das WC teilte er sich mit anderen Etagenbewohnern. Und für diese bescheidenen Wohnverhältnisse mussten monatlich 1100 aufgebracht werden. Das ist viel Geld, und die «Zentralschweiz am Sonntag» hätte von der Vermieterin gerne erfahren, wie sie diesen Preis rechtfertigt.

Das Haus, in welchem Merlin Gombo bis kurzem wohnte, und in dem zwischen 20 und 25 Männer und Frauen untergebracht sind, sowie ein Gebetsraum für Muslime eingerichtet ist, befindet sich im nördlichen Teil der Gemeinde Baar, nicht weit von der Autobahn entfernt. Aus dem Vertrag, den Gombo letztes Jahr unterschrieb, geht hervor, dass es sich bei der Vermieterin um die Astoria Immobilien AG handelt. Als einzige Verwaltungsrätin ist im Handelsregister eine Ines Meyer aufgeführt.

Verantwortliche sind kaum erreichbar

Die Kontaktaufnahme mit Ines Meyer gestaltete sich kompliziert. Denn von der Astoria Immobilien AG, welcher die besagte Liegenschaft gemäss Grundbuch seit 2017 gehört, findet sich in den einschlägigen Registern weder eine Festnetz- noch eine Natelnummer. Auch eine Website oder E-Mail-Adresse ist nicht ausfindig zu machen.

Schliesslich gelang es, Ines Meyer an ihrem privaten Domizil zu erreichen. Sie aber wollte zur Situation in Baar und dem im Verhältnis zum Gebotenen sehr hohen Mietpreis keine Auskunft geben. Stattdessen ging auf der Redaktion einen Tag nach der telefonischen Kontaktaufnahme eine E-Mail ein. Der Absender stammt aus dem engsten familiären Umfeld von Ines Meyer. Im Schreiben heisst es unter anderem: «Wir warnen Sie, erlauben Sie sich kein Telefon mehr. Erkundigen Sie sich, wo Sie wollen, wie Sie wollen usw. Wir sind Ihnen nichts schuldig und zu Auskunft verpflichtet.»

Nach einer Anfrage bei der zuständigen Behörde der Gemeinde Baar folgte eine schriftliche Stellungnahme. Unter anderem heisst es: «Grundsätzlich läuft der Mietvertrag über Mieter und Vermieter auch bei Menschen, die Sozialhilfeempfänger sind. Wir vom Sozialamt überprüfen lediglich, ob die Höhe der Miete den Mietzinsrichtlinien entsprechen, was in diesem Fall erfüllt war.» Bemerkenswert: Ines Meyer schöpft mit dem Mietpreis von 1100 Franken exakt das Limit aus, welches von der Gemeinde für einen Einpersonen-Haushalt genehmigt wird.

Im Haus der Astoria Immobilien AG sind auch Personen aus dem Asyl- und Flüchtlingsbereich untergebracht. Für diese Sozialhilfeempfänger kommt jedoch der Kanton auf, wie Jris Bischof, Leiterin des kantonalen Sozialamtes bestätigt. Bischof ergänzt zudem, der Kanton selber trete nicht als Mieter auf.

Merlin Gombo wohnt mittlerweile an einem anderen Ort, und gemäss seinen Aussagen will er im Berufsleben bald wieder Fuss fassen, um wirtschaftlich unabhängig zu sein. Sein Ziel: Er möchte sich zum Tierpfleger ausbilden lassen.

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