Interview
Sprecher der Zuger Polizei zu den Vermissten aus Steinhausen: «Gerade für die Mutter ist dies eine sehr belastende Situation»

Noch sind trotz Aussetzung einer Belohnung keine Hinweise eingegangen, die zu einem Durchbruch im Fall des vermissten Vaters und Sohnes geführt haben.

Andrea Muff
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Update: Der Vater hat sich mittlerweile selber bei der Polizei gemeldet. Die beiden Personen gelten nicht mehr als vermisst.

Die Zuger Polizei sucht nach dem 36-jährigen und seinem vierjährigen Sohn. Sie wurden am 27. Juni in Steinhausen zum letzten Mal gesehen. Seither fehlt von den beiden jede Spur. Mit dieser Meldung gelangten die Zuger Strafverfolgungsbehörden im Juli an die Öffentlichkeit. Anfang August wurde auf sachdienliche Hinweise eine Belohnung von 3000 Franken ausgesetzt.

Die Vermisstenanzeige war laut der Nachrichtenagentur Key­stone-SDA von der Mutter des Knaben, die das Sorgerecht hat, eingereicht worden. Die Behörden begannen wegen mutmasslicher Entziehung eines Minderjährigen zu ermitteln. Die Vermissten wurden im nationalen Fahndungssystem sowie im Schengener Informationssystem ausgeschrieben. Hat die Aussetzung der Belohnung zu einer Wendung im Fall geführt? Wir fragen bei Frank Kleiner, Sprecher der Zuger Strafverfolgungsbehörden, nach.

Hat die Aussetzung der Belohnung bereits Erfolge gezeigt?

Frank Kleiner, Kommunikationsverantwortlicher der Zuger Strafverfolgungsbehörden.

Frank Kleiner, Kommunikationsverantwortlicher der Zuger Strafverfolgungsbehörden.

Bild: PD

Frank Kleiner: Seit der Veröffentlichung der Vermisstenmeldung am Freitag, 17. Juli, sowie der Aussetzung der Belohnung am Montag, 3. August, sind rund zwei Dutzend Hinweise bei der Zuger Polizei eingegangen. Diese wurden alle sorgfältig untersucht und abgeklärt. Leider führte keiner dieser Hinweise zum entscheidenden Durchbruch.

Wann wendet sich die Polizei an die Öffentlichkeit?

Im Falle von vermissten Personen gelangt die Polizei an die Öffentlichkeit, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind oder wenn wegen bestehender Gefahren eine Dringlichkeit besteht – diese basieren auf den gesetzlichen Grundlagen. Mit einer öffentlichen Fahndung kann die Polizei Informationen von Personen erhalten, die wichtige Beobachtungen gemacht haben und diese sonst nicht melden würden. Jede Information kann neue Ansatzpunkte für die Vermisstensuche beinhalten.

Was für Hinweise erhofft sich die Polizei und welche Hinweise sind die Belohnung wert?

Die Belohnung wurde für Hinweise, die zur Klärung des Falles führen, ausgesetzt. Dies bedeutet, dass die 3000 Franken nur ausbezahlt werden, wenn der Fall dank eines Hinweises geklärt werden kann.

Wann wurden im Kanton Zug zuletzt Belohnungen auf Hinweise ausgesetzt?

Das eine Belohnung ausgesetzt wird, kommt im Kanton Zug selten vor. Zuletzt war dies in den Jahren 2009 nach einem tödlichen Verkehrsunfall mit Fahrerflucht sowie 2013 nach einem Raubüberfall auf einen Tankstellenshop der Fall. In beiden Fällen führte die ausgesetzte Belohnung nicht zur Klärung des Falles.

Warum hat sich die Zuger Polizei in diesem Fall entschieden, eine Belohnung auszusetzen?

Trotz intensiver Ermittlungen sowie einer Öffentlichkeitsfahndung ist der Aufenthalt der beiden gesuchten Personen weiterhin nicht bekannt. Gerade für die Mutter ist dies eine sehr belastende Situation. Mit der ausgesprochenen Belohnung erhoffen wir uns weitere Ermittlungsansätze. Dies insbesondere auch darum, weil die Möglichkeit besteht, dass sich die beiden vermissten Personen nicht mehr in der Schweiz aufhalten. Uns liegt sehr viel daran, die beiden vermissten Personen zu finden.

Wer bestimmt die Höhe der Belohnung?

Die Höhe der Belohnung, die zur Klärung des Falles führen, wurde von der Zuger Regierung festgelegt und gesprochen.

Hinweis: Das Interview wurde schriftlich geführt.