Kommentar

Centro Español: Ein Versagen der Stadt Zug

Reporter Charly Keiser über die Causa Centro Español.

Charly Keiser
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Vereine sind unzweifelhaft der soziale Kitt unserer Gesellschaft. Über 100 000 Vereine gibt es schätzungsweise in der Schweiz, und ein Viertel der Einwohner ist in einem Sportverein aktiv.

Ein höchst unschöner Umstand hat diese Woche die Stadtzuger Vereinslandschaft in ihren Grundfesten erschüttert. Das Centro Español Zug hat nämlich seinen Holzbau jahrelang von der Stadt zum Vorzugsmietzins von 850 Franken pro Monat mieten können und hat das Lokal jeweils dem meistbietenden Mitglied untervermietet, wie dem Bericht der Geschäftsprüfungskommission (GPK) entnommen werden kann.

Der Verein kam dank seiner Untermiete zu jährlich fast 30 000 Franken. Mit dem Geld habe der Verein den Unterhalt sowie die Umgebungsarbeiten bestritten sowie in erster Linie soziale und integrative Projekte für seine Mitglieder finanziert, sagt der Vereinspräsident. Dem Verein kann man keinen Vorwurf machen. Er hat geschickt für sich und seine Mitglieder das Beste herausgeholt.

Anders sieht es hingegen mit der Stadt aus. Diese hat versagt: Denn der Bericht der GPK verrät auch, dass die Stadt vom Mietgeschäft des Vereins Kenntnis hatte. Während Dutzenden Kultur- und Sportvereinen 2015 und 2016 im Rahmen der Sparprogramme «Sparen und Verzichten» von der Stadt die Beiträge gekürzt wurden, blieb der Verein Centro Español Zug unbehelligt.

Eine totale Gerechtigkeit zwischen Stadt und den Vereinen, die sie unterstützt, ist natürlich nie zu erreichen. Aber das angekündigte Vereinskonzept des Stadtrats ist dringend nötig. Denn die Causa Centro Español könnte zahlreiche ehrenamtlich tätige Vereinsmitglieder vieler Zuger Vereine mächtig ärgern, wie erste Reaktionen vermuten lassen. Ich verstehe den Mann, der jährlich weit über hundert Stunden in seinem Sportverein für die Junioren – also dessen Mitglieder – ehrenamtlich tätig ist. Er sagte mir nämlich: «Wir hätten auch gerne ein Billigobjekt von der Stadt, das wir teuer weiter vermieten könnten.»

Centro Español de Zug: Heisse Debatte um Mietzinse zu erwarten

Der Verein Centro Español de Zug hat in der Vergangenheit aus einem Untermietverhältnis jährlich fast 30 000 Franken verdient, wie dem Bericht einer Kommission zu entnehmen ist. Heute debattiert das Stadtzuger Parlament über dieses Thema.
Charly Keiser

Das Centro Español wird dank Ja zu Kredit wieder aufgebaut

An der gestrigen Sitzung des Grossen Gemeinderats der Stadt Zug gab der Kredit zum Aufbau des Vereinslokals, das vor einem Jahr abgebrannt ist, nur wenig zu reden. Der Mietpreis der Baute führte dagegen zu grossen Diskussionen.
Charly Keiser