Leserbrief

Verschwindet der Rassismus, wenn die Süssigkeit anders heisst?

Zur Diskussion rund um den Namen «Mohrenkopf» und Rassismus

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Rassismus ist eine ungeheuerliche Plage, das dürfte unbestritten sein. Bei denjenigen welche davon betroffen sind, lösen selbst kleine, teils ungewollte Bemerkungen oder Symbole Betroffenheit aus.

Ob der Rassismus aufgrund der Religion, Hautfarbe, Herkunft, Geschlecht oder was auch immer erfolgt, ist nicht einmal relevant. Er ist immer hässlich.

Die Diskussionen sind nicht neu, Rassismus gibt es schon seit Jahrhunderten. Dass er bei besonders hässlichen Ereignissen wieder aktueller wird, ändert nichts an der Tatsache, dass er täglich vorkommt. Ob die Umbenennung eines als rassistisch eingestuften Gebäcks allerdings etwas ändert? Glaubt jemand, dass die Bezeichnung Rechtsextremer besser ist als Nazi, oder ist das entsprechende Gedankengut aus den Köpfen verschwunden, weil der Begriff nicht mehr verwendet werden darf? Wird der für Menschen abschätzige Begriff Mohrenkopf nicht mehr in den Köpfen der Leute auftauchen (und allenfalls die Rassismuserinnerung), wenn das identische Produkt mit der neuen Bezeichnung Schokokuss in den Regalen liegt? Kleine Ursache, aber doch wirksam? Als alter weisser Mann wird inzwischen eher abschätzig bezeichnet, wer vor mehr als 60 Jahren geboren wurde, die Grossmutter als «Alte Umweltsau» im Lied besungen und zudem sind alte Leute grundsätzlich ein Problem, weil man die wegen des Coronavirus schützen muss.

Der Rassismus ist überall, ob er verschwindet, wenn das Süssgebäck anders heisst? Werde ich dann zum sympathischen Grauhaarigen (früher bekannt als alter weisser Mann)?

Karl Künzle, Menzingen