VERSORGUNG: Es fehlen noch Frauenärzte im Kanton Zug

Das Zuger Kantonsspital springt in die Bresche, um in Rotkreuz eine ­gynäkologische Praxis zu bestücken. Dabei gibts auch anderswo noch Handlungsbedarf.

Wolfgang Holz
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Schwangere können in den Berggemeinden nicht in eine gynäkologische Praxis gehen. (Bild Keystone)

Schwangere können in den Berggemeinden nicht in eine gynäkologische Praxis gehen. (Bild Keystone)

Wolfgang Holz

Im März 2016 eröffnet das Zuger Kantonsspital bekanntlich die erste Praxis für Gynäkologie und Geburtshilfe in Rotkreuz. Damit wird einem Bedürfnis in einer Gemeinde mit rund 10 000 Einwohnern – davon mehr als 5400 Frauen – entsprochen (wir berichteten aktuell). Grund für diese ungewöhnliche Aktion: Gynäkologen gehören offenbar neben Hausärzten zu einer Gattung Arzt, die immer seltener wird. «Ich sehe so etwas nicht unbedingt als primäre Aufgabe eines Kantonsspitals an, mit Fachkräften in einer Gemeinde auszuhelfen», sagt Peter Gerritsen, Facharzt für Innere Medizin in Zug und gleichzeitig Präsident der Zuger Ärztegesellschaft. Doch für ihn ist klar: «Gynäkologen haben eben einen sehr belastenden Job.» Deshalb sei es nicht mehr so einfach, welche zu finden und Praxen zu besetzen.

Kein Gynäkologe auf dem Berg

In den Berggemeinden fehlt ebenfalls eine gynäkologische Praxis. Wobei in Menzingen, Neuheim, Oberägeri und Unterägeri fast doppelt so viele Frauen leben wie in Rotkreuz – nämlich 10 375 laut Fachstelle für Statistik im Kanton Zug. Müsste das Zuger Kantonsspital also hier nicht fairerweise auch eine Gynäkologie-Praxis eröffnen? Oder ist es etwa Schwangeren zuzumuten, neun Monate lang Berg rauf, Berg runter zu Ärzten ins Tal zu kutschieren? «Dieser Zustand ist schon noch vertretbar», ist Gerritsen überzeugt und bestätigt, dass es tatsächlich auf dem Berg keinen Gynäkologen mehr gibt. Aber erstens handle es sich im Vergleich zu anderen Kantonen um kleine Distanzen, die man von den Berggemeinden nach Zug, Baar und Cham zurücklegen müsse. Und zweitens könnten Allgemeinärzte auch kleinere gynäkologische Kontrollen durchführen. «Erst bei komplizierten Indikationen muss man einen Spezialisten einschalten.»

Dabei sind Allgemeinärzte in den Berggemeinden ja auch nicht üppig gesät. Rebekka Toniolo Schmid von der Krebsliga Zug weiss von vielen Frauen im Kanton Zug, «dass sie grosse Schwierigkeiten haben, überhaupt einen Termin beim Gynäkologen zu bekommen.» Das betreffe nicht zuletzt neu Zugezogene. Eine 30-Jährige aus Oberägeri erklärt, dass sie seit Jahren eben zum Gynäkologen in Zug gehe. Wie sie von anderen Frauen gehört hat, suchen diese aus Mangel an Gynäkologen auf dem Berg schon jetzt wechselnde Ärzte im Kantonsspital auf. «Wieder andere gehen eben zum Hausarzt zu Vorsorgeuntersuchungen oder gar nicht», so die junge Frau. Bis vor einigen Monaten hat es noch einen Frauenarzt in Oberägeri gegeben – doch nun eben nicht mehr. Derzeit sind im Kanton knapp 20 gynäkologische Praxen registriert: für im Prinzip rund 60 000 Zugerinnen.

«Die gynäkologische Versorgung im Kanton Zug klappt auch ohne spezialisierte Praxis in den Berggemeinden seit Jahren gut», versichert Zugs Gesundheitsdirektor Urs Hürlimann. Die Menschen seien sehr mobil. «Dies hat häufig zur Konsequenz, dass persönliche Dienstleistungen – wie eben auch Arztbesuche – am Arbeitsort abgedeckt werden.» Der Kanton Zug weise zudem die höchste Autodichte der Schweiz auf und dazu noch einen ausgezeichneten ÖV. «Von daher ist der Bevölkerung ein Spezialarztbesuch ausserhalb der eigenen Gemeinde zuzumuten.» Dass Ärzte sich in einem Marktumfeld bewegen, ist für Hürlimann klar. «Es ist nachvollziehbar, dass sie sich dort niederlassen, wo die meisten Wohn- und Arbeitsplätze sind.» Ja, auch die Entscheidung des Zuger Kantonsspitals sei letztendlich dem Markt geschuldet. Der FDP-Regierungsrat: «Die Spitalleitung hat offenbar eine Beurteilung der Situation vorgenommen und ist zum Schluss gekommen, dass in Rotkreuz ein Geschäftsfeld existiert, das für das Kantonsspital interessant ist und das man abdecken will und kann. Der Markt hat also nicht versagt, sondern spielt.» Grundsätzlich ist und bleibt die Sicherung der Gesundheitsversorgung der zentrale Auftrag der Gesundheitsdirektion. In Bezug auf die freie Niederlassung von Ärzten gilt laut Hürlimann: «Wer die Voraussetzungen von fachlicher Seite her erfüllt, hat Anspruch auf eine Berufsausübungsbewilligung.»

Bedarf da für weitere Frauenärzte

Matthias Winistörfer, Direktor des Zuger Kantonsspitals, räumt indes ein, dass Bedarf für eine Frauenarzt-Praxis in den Berggemeinden existiert. Und dass diese ebenfalls vom Kantonsspital personell bestückt werden könnte. «Allerdings nicht sofort», so Winistörfer. Das Kantonsspital habe vor wenigen Jahren einen Tag in der Woche in einem Oberägerer Gesundheitszentrum eine frauenärztliche Sprechstunde durchgeführt. «Dieses Angebot war so gut nachgefragt, dass weitere Tage gewünscht wurden – doch dazu fehlte uns damals das Personal, so dass vom Gesundheitszentrum eine andere Lösung gewählt wurde.»