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VERSORGUNG: Politik schaltet sich in Spitaldiskussion ein

Die Diskussion um die Versorgung der Neugeborenen am Kantonsspital zwischen Spitalverwaltung und Kinderärzten ist politisch geworden: Kantonsräte reichen Anfragen ein, und Gesundheitsdirektor Martin Pfister wünscht eine Denkpause bis Ende Jahr.
Christopher Gilb
Ein Neugeborenes wird nach der Geburt durch Kasierschnitt untersucht. In Zug werden die meisten Kaiserschnitte ausgeführt. (Bild: Archiv/Neue LZ)

Ein Neugeborenes wird nach der Geburt durch Kasierschnitt untersucht. In Zug werden die meisten Kaiserschnitte ausgeführt. (Bild: Archiv/Neue LZ)

Christopher Gilb

christopher.gilb@zugerzeitung.ch

Noch immer ist für die längerfristige Versorgung der Neugeborenen am Zuger Kantonsspital ­keine Lösung gefunden worden (siehe Box). Dass das Spital in letzter Zeit derart in den Schlagzeilen ist, sorgt auch politisch für Wirbel. Anfang Juli reichten zwei Kantonsräte eine kleine Anfrage an Gesundheitsdirektor Martin Pfister (CVP) ein. Kurz danach forderte dieser von den beiden Verhandlungsparteien, den Kinderärzten und der Spitalleitung, eine Denkpause (Ausgabe vom 12. Juli). In der offiziellen Antwort auf die Anfrage der Kantonsräte Jean-Luc Mösch und Silvan Renggli (beide CVP/Cham) verlangt Pfister sogar, dass diese bis Ende Jahr anhalten soll, «um die offenen Fragen nochmals unvoreingenommen zu prüfen».

Auf die Frage der Kantons­räte hin, inwiefern eine eigene Neonatologie überhaupt vom Leistungsprogramm gedeckt werde, nimmt der Regierungsrat auf die Leistungsaufträge der Spitalliste 2012 Bezug. Laut dieser sei das Spital verpflichtet, die Grundversorgung von Neugeborenen ab der 35. Schwangerschaftswoche sicherzustellen, und müsse eingeschränkt Geburtshilfe ab der 32. Schwangerschaftswoche leisten. Für Letzteres sei aber ein Leistungsauftrag an das Luzerner Kantonsspital und das Kinderspital Zürich erteilt worden. Welche zusätzlich einen Leistungsauftrag für die spezialisierte Neonato­logie erhalten hätten.

Strategie des Spitals trage zu Kostenexplosion bei

Für Mösch und Renggli bestätige diese Aussage die Position der Kinderärzte, wie beide in einer Stellungnahme schreiben: «Somit wird mit dem Beschluss von 2011 die 32. bis mit 34. Schwangerschaftswoche nicht im Zuger Kantonsspital (ZGKS) behandelt. Jedoch will dieses gemäss seinen Plänen, eine spezialisierte Neonatologie aufzubauen, trotzdem ­Babys ab der 34. Schwangerschaftswoche behandeln.» Diese Stra­­­­­­­tegie trage zur Kostenexplosion im Gesundheitswesen bei. Selbst wenn es eine kleine eigene Neonatologie gebe, müssten beispielsweise komplexe Fälle weiterhin nach Luzern verlegt werden, was dazu führe, dass die Fallpauschale gleich in zwei Spitälern fällig werde, spezifiziert Mösch. Auf die Frage der beiden nach der aktuellen Sicherstellung der Versorgung schreibt der Regierungsrat, dass sich der Kantonsarzt rückversichert habe, dass diese gewährleistet sei. «Es ist vielleicht keine Versorgungslücke, jedoch eine nicht den Erwartungen entsprechende Situation», so Mösch. Er habe sich mit Fachpersonen unterhalten, die Zweifel an der Qualität dieser Zwischenlösung hätten. «Es bedarf gemäss Recherche des Fachwissens eines Kinderarztes oder von speziell geschultem Personal, um bei einem Kleinkind in der 34. bis 37. Woche einen Venenkatheter zu setzen oder eine Infusion», so Mösch. Dies sei nicht das Fachgebiet der Ärzte an der Frauenklinik. Auf eine in einem anderen Kontext gestellte Anfrage unsere Zeitung teilte das Spital jedoch diese Woche mit, dass die Versorgung durch Fachärzte für Pädiatrie mit Schwerpunkt Neonatologie erfolge.

Weitere Vorstösse möglich

Mösch und Renggli schreiben jedenfalls, dass sie als Volksvertreter und Steuerzahler das Verhalten der Spitalleitung mit Unterstützung des Verwaltungsrates für sehr fragwürdig erachten. Letzterer hatte Ressourcen für die Weiterentwicklung der Frühgeborenenbetreuung am Kantonsspital gesprochen. «Wir dürfen nicht vergessen, der Kanton ist Mehrheitseigner des ZGKS, auch wenn er nur einen Sitz im Verwaltungsrat hat», sagt Mösch. Er beobachte, dass das Spital seinen privatrechtlichen Freiraum vor allem im finanziellen Sinne fragwürdig nutze, etwa bei der teuren Spitalapotheke, mit der zudem, wie auch mit der Frauenarztpraxis des ZGKS in Rotkreuz, die Privatwirtschaft konkurrenziert werde. «Diese Entwicklungen werden schon von einigen Kantonsräten genauer beobachtet, und es ist denkbar, dass weitere Vorstösse folgen werden.»

Die CVP-Politiker sind nicht die Einzigen, die sich des Themas angenommen haben. Auch Hubert Schuler (SP/Hünenberg) hat eine Kleine Anfrage eingereicht. Er will unter anderem wissen, wie viele Neugeborene ausserkantonal in einer Neonatologie 2A betreut und behandelt werden mussten und welche zusätzlichen Kosten für den Kanton entstehen würden, wenn sich das ZGKS in einen Bereich der hoch spezialisierten Medizin etablieren will. Die Antwort darauf steht aus.

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