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Pförtnerhaus: Verwunschenes Kleinod an der Bahnlinie in Cham

Das Pförtnerhaus: Ein zeitgeschichtlich charakteristischer Eingangsbau zur «Villette». Erstellt vom Architekten Leonhard Zeugheer in den 1860er-Jahren.
Jürg Johner
Das Pförtnerhaus neben den Bahngleisen.

Das Pförtnerhaus neben den Bahngleisen.

Zeitgleich zur Villa selber erstellte der überaus angesehene Architekt Leonhard Zeugheer 1864 bis 1866 beim ursprünglichen Parktor jenseits des damals noch bestehenden Bahnübergangs unmittelbar neben den Schienen eines seiner reizvollsten Ökonomiegebäude. Dessen Funktionalität scheint im polygonalen Erker auf, welcher seinerzeit nicht dem beschaulichen Verweilen, vielmehr dem Portier als Loge zur Überwachung der Einfahrt diente, wovon die Baubezeichnung «Pförtnerhaus» resultiert.

Leonhard Zeugheer (1812–1866) verfasste als einer der erfolg- und einflussreichsten Architekten des 19. Jahrhunderts in gut 30 Jahren 150 Projekte öffentlicher wie privater Observanz. Seine eigentliche Stärke spielte er im Planen und Ausschmücken herrschaftlicher Villen als Hausarchitekt für Kaufleute, Industrielle, Ärzte und Bankiers aus.

Ausbildung in Neuenburg, Paris und Liverpool

Für einen solchen, den Zürcher Heinrich Schulthess-von Meiss (1813–1898), auch als Mäzen und kunstsinniger Sammler herausgestochen, erstellte er als seine zweitletzte von 15 überhaupt die «Villette». Seine Ausbildung absolvierte Zeugheer in Neuenburg, Paris und Liverpool, wo er beim berühmten Architekten Thomas Rickman die Neugotik, den strengen Klassizismus sowie Guss- und Schmiedeeisentech­-nik kennen lernte. Dem Zeitgeschmack der Auftraggeber angepasst entwickelte er seine Gebäude in der Schweiz zu reich differenzierten Baukörpern in feinen, detailliert durchgestalteten Formen der Neurenaissance, ablesbar selbst in einem «Nebengebäude» wie dem 1990/91 sorgfältig renovierten Pförtnerhaus.

Dafür wendete die Gemeinde Cham, welche das Haus seither der Stiftung Villette vermietet, nach Abzug der Subventionen 16 400 Franken auf – sinnvoll und sinnenhaft investiert. Gelingt es doch Zeugheer, selbst im Kleinformat, seine Vorzüge umzusetzen: sein Geschick im Konzipieren angenehmer Grundrisse, seinen feinen Geschmack für äussere Formen, seine Fähigkeit, das Innere mit Komfort auszustatten. Der seinerzeitige Denkmalpfleger, Heinz Horat, würdigte denn auch die wohlgeglückte Renovation unter Architekt Josef Blattmann, welchem sich eine weitgehende Wahrung der originalen Substanz sowie ein Rückgriff auf die ursprüngliche Farbgebung verdankt.

Leonhard Zeugheer stellte mit den hübschen Fachwerk-Zierelementen an der Fassade und ganz besonders an den Dachgiebeln eine Verbindung mit der Villa her. Umgekehrt markierte er mit der differenzierten Material- und Farbgestaltung ebenso Unterschiede zwischen Herrschaftsbau und Angestelltenhaus – als welches das Pförtnerhaus übrigens nach der mit viel Liebe zum Detail besorgten Auffrischung und Herrichtung eine Zeit lang wieder diente.

Britannischer Rückimport

Hier widmete sich Zeugheer akribisch dem Schweizerhaus-Stil mit dessen «Laubsägeli»-Attributen. Von Schweizer Chalets begeisterte Engländer zauberten diese Architektur als «Möblierung» in ihre Parks, sodass das Pförtnerhaus eigentlich als britischer Rückimport gelten kann. Das gemauerte Erdgeschoss weist mit Eingangsvordach, Schopf, Aufbau des Erkers, Veranda auf der Südseite hölzerne Zubauten auf, das Obergeschoss eine ländlich-dekorativ gestaltete, teils ornamentale Fachwerkkonstruktion mit vertieften Putzfüllungen. Über den sandstei­nernen Fenstergerichten finden sich rote Backstein-Entlastungs­bögen.

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