Viel mehr als ein paar Pinselstriche für die Stadtbibliothek Zug

Installiert wird eine neue Software. Das grosse Angebot der Bibliothek kommt so besser zur Geltung.

Marco Morosoli
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Blick in die Stadtbibliothek Zug.

Blick in die Stadtbibliothek Zug. 

Bild: Stefan Kaiser (Zug, 25. Februar 2020)

Das Gute zuerst: Bücher sind noch kein Auslaufmodell. Die digitale Revolution hat aber bei der Bibliothek Zug ihre Spuren hinterlassen. Im Angebot der grössten Bibliothek im Kanton gibt es unter anderem Mikrofilme, Tonaufnahmen, Bilddokumente, EDV-Datenträger und Filme in verschiedensten Formaten. Insgesamt, so weist es die Bibliothek Zug per Ende 2019 aus, sind 205039 Medien in verschiedenen Formaten verfügbar.

Jetzt gibt sich die Bibliothek Zug einen rundumerneuerten Auftritt im Netz. Deshalb bleibt die Institution an der St.-Oswalds-Gasse vom 2. bis und mit 4. März geschlossen. «Wir arbeiten mit der Abteilung Informatik der Stadt Zug seit drei Jahren an diesem Projekt», sagt Susanna Manz. Sie betreut von der Bibliothekseite her diesen umfassenden Systemwechsel.

Wie Manz erklärt, sei die aktuelle Software seit 2002 – mit zahlreichen Anpassungen in den vergangenen Jahren – im Einsatz. Die geplante Umstellung vereinigt dann künftig alles unter einem Dach. Die Website der Bibliothek hat die Projektleitung aber mehr als nur aufgehübscht. Im Hintergrund läuft ein umfassender Online-Katalog mit. Zudem läuft inskünftig auch das Bibliothekssystem, das heisst die Kunden- wie auch die Mediendaten über die gleiche digitale Plattform. Das jetzt noch genutzte auf Bibliotheken zugeschnittene Programm Bibida stammt noch aus dem Jahre 1986 und hat bis heute durchgehalten. Gemäss Susanne Manz handelt es sich bei der neuen Software um eine, die auf einer Cloud (Datenwolke) basiere. An diesem Speicherort ist alles greifbar. Punkten soll die aufgefrischte Website der Bibliothek Zug laut Susanne Manz auch bei der Menuführung: «Die Struktur orientiert sich neu stärker an den verschiedenen Zielgruppen. Zudem werden unsere digitalen Inhalte respektive Medien sowie die Zuger Sammlung viel prominenter präsentiert als auf der aktuellen Website.» All das geschehe, so Manz, um «die Nutzerfreundlichkeit deutlich zu erhöhen».

Bücher nicht nur lesen, sondern sie auch bewerten

Ein anderes digitales Werkzeug sei, wie die Projektleiterin Susanne Manz erklärt, die Möglichkeit Rezensionen zu verfassen. Medienwünsche sind ab dem 5. März ebenfalls bequem online deponierbar. Auch der Zugang zur Fernleihe ist nach dem fundamentalen Software-Update über das eigene Kundenkonto der Bibliotheksnutzer bequem auf dem eigenen Computer machbar. Die Bibliothek geht somit auch zu den Leuten. Per Ende 2019 sind 12987 Nutzer in der Bibliothek Zug eingeschrieben. Durch die Integration von Doku Zug dürften noch weitere hinzukommen. Die Projektkosten beziffert Susanne Manz auf rund 190000 Franken. In diesen Kosten sind alle Aufwendungen für das Projekt mit eingeschlossen.

Bereits seit Anfang Februar hat die Bibliothek Zug ihr Angebot um einen Streaming-Dienst erweitert. Unter der Internetadresse www.zug.filmfriends.ch stehen den Nutzern rund 2000 Filme und Dokumentationen zur Verfügung. Der Dienst ist in die drei Kategorien «Filme», «Dokumentationen» und «Kids» unterteilt.

Skinheads und Neonazis gab es auch in der DDR

Die neusten Kassenschlager aus der Küche von Hollywood sind auf dieser Plattform nicht zu finden, dafür zahlreiche Trouvaillen. Dazu zählt sich der Spielfilm «Die Russen kommen» aus dem Jahre 1968, der in der DDR lange Zeit verboten war. Es geht um einen verblendeten Jungen, der 1945 noch an die Siegesparolen der Nazis glaubt. Ein anderer Film hat den Titel «Unsere Kinder». Als der DDR-Film 1989 in die Kinos gekommen ist, war die Mauer schon gefallen. Es handelt sich hierbei um ein schonungsloses Drama über Skinheads und Neonazis. Es findet sich aber auch ein Frühwerk des Thriller-Meisters Alfred Hitchcock.

Ebenfalls seit kurzem können Besucher in der Bibliothek Zug das App «sharemagazines» nutzen. Im Bestand sind darauf rund 400 E-Magazine. Wer nach spezifischen Themen sucht, ist mit der Suchplattform Genios am richtigen Ort. Wer zum Beispiel einen Artikel in der neusten Ausgabe des deutschen Magazin «Spiegel» lesen will, findet diesen garantiert. Der Umfang der Datenbank ist dabei noch viel grösser als derjenige von «sharemagazines». Weitere Plattformen mit Zeitungen und Zeitschriften runden das Angebot der Bibliothek Zug ab.