Viele Bewohner von Zuger Altersheimen leiden

Die Einschränkungen aufgrund der Coronakrise lassen kaum noch Aktivitäten zu. Die Essenszeiten werden zum Höhepunkt des Tages.

Zoe Gwerder
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Musizieren kann man auch ausserhalb des Altersheims – und so für Abwechslung sorgen.

Musizieren kann man auch ausserhalb des Altersheims – und so für Abwechslung sorgen.

Bild: PD

Im Kanton Zug gilt seit einem Monat das Besuchsverbot in Alters- und Pflegeheimen. Dieses trat am 16. März – dem Tag der Lockdown-Verkündung – in Kraft. Kurz darauf empfahl der Bund insbesondere älteren Personen und Risikopatienten, ganz zu Hause zu bleiben. Für die Bewohner und Mitarbeiter der Alters- und Pflegezentren keine einfache Situation. «Sie haben nicht nur keine Besuche mehr, sondern sollen auch nicht mehr ins Dorf, alle Veranstaltungen – auch interne – sind abgesagt und der Kirchenbesuch ist nicht mehr möglich», erklärt Diana Brand die Nöte der Heimbewohner.

Brand ist Geschäftsführerin des Alterszentrum Büel in Cham und Vorstandsmitglied von Curaviva Zug – dem regionalen Ableger des nationalen Dachverbandes der Alters- und Pflegeheime. Man versuche in dieser Situation, den Leuten etwas Zeit mit dem Personal zu schenken – Einzelaktivierung nennt sich das. «Mit kleinen Spaziergängen, gemeinsamen Lesen oder Kreuzworträtsel lösen versuchen wir, die derzeit eintönigen Tage der Bewohner etwas zu unterbrechen.» Die Aktivierungsangebote seien jedoch nur noch in Kleinstgruppen möglich – mit maximal drei Bewohnern und den üblichen Abstandsregeln könne man in einem geeigneten Raum noch mit den Bewohnenden arbeiten.

Oft gibt es keine Balkone oder Gärten

Ansonsten seien die Essenszeiten noch die einzigen Highlights im Alltag des Heims – auch weil hier wohl am meisten sozialer Kontakt entsteht –, erzählt Brand. «Es sitzen jeweils zwei Personen, diagonal zueinander, an einem Vierertisch. Diese seien auf mehrere Räume verteilt. Während die restliche Bevölkerung ihre Freizeit durchaus auch draussen verbringen kann, ist dies für die Bewohner vieler Alters- und Pflegeheime seit Wochen gar nicht mehr möglich – nicht mal auf einem Balkon oder im Garten.

Denn wie der Präsident des Dachverbandes Curaviva Zug, Peter Arnold erklärt, gibt es Heime, die weder Balkone noch Gärten haben, wohin sich die Bewohner ins Freie begeben könnten. «Und auch wo Aussenbereiche vorhanden sind, können sich nur wenige Personen gleichzeitig aufhalten.» Dass die Bewohner trotzdem nicht unterwegs sein sollten, sei aber bei den meisten von ihnen angekommen. «Anfangs hatten wir einige Fälle, in denen wir von Aussenstehenden darauf aufmerksam gemacht worden sind, dass ältere Leute, die bei uns wohnen, in Läden gingen.» Das Einzige was man dabei machen könne sei, mit den Bewohnern zu sprechen. «Wir können sie nicht einsperren. So darf zwar niemand in unserer Zentren hineinkommen – hinausgehen dürfen aber alle.» Inzwischen seien es jedoch nur noch Einzelfälle, in welchen Angehörige oder auch Bewohner nicht einsichtig seien, sagt Arnold, der auch als Geschäftsführer der Alterszentren Zug amtet.

Mundschutz bei der Körperpflege zwingend

Was hingegen die Pflege und Hygienemassnahmen während der Coronakrise betrifft, seien die Alters- und Pflegeheime quasi mit allen Wassern gewaschen, wie Diana Brand erklärt. Durch den Umgang mit dem Norovirus– welches immer mal wieder auftreten kann und hochansteckend ist – sind die Abläufe klar und die nötigen Massnahmen, die ergriffen werden müssen, den Mitarbeitern intus. «Müssen die Pflegenden derzeit länger  nahe an die Bewohner heran – beispielsweise bei Hilfestellungen bei der Körperpflege oder beim Anziehen – muss ein Mundschutz getragen werden», erklärt Brand. Diese seien auch dank der Unterstützung des Kantons ausreichend vorhanden.

Trotzdem sei der Druck, den das Coronavirus auf das Personal auslöse, deutlich höher als bei drohenden Norovirus-Infektionen. «Die Angst, man könnte das Virus ins Heim bringen ist grösser, da die Infektion mit dem Virus für viele Heimbewohner tödlich sein kann – das Norovirus hingegen diesbezüglich nur für wenige Bewohner eine Gefahr darstellt.» Schwierig werde es, wenn Bewohner die Lage nicht mehr verstehen. Viele seien frustriert oder traurig. «Andere wollen es nicht einsehen und werden fast aggressiv», auch dies gehöre derzeit zum Alltag der Pflegenden.

Einfach losgehen und kaufen geht nicht mehr

Ungewöhnliche Herausforderungen gebe es hingegen bei alltäglichen Dingen, erzählt Brand. «Eigentlich bräuchten wir neue Teekrüge. Nur können wir diese nun nicht einfach schnell im Cash-and-Carry kaufen, sondern müssen einen Anbieter finden, der solche liefert.» So habe ein Geschenk an die Heimbewohner ebenfalls eine grössere Aktion ausgelöst: «Alle Bewohner erhielten eine kleine Pflanze. Plötzlich standen wir vor der Frage, wo wir nun für alle diese 80 Töpfchen einen Unterteller herbekommen. Da muss man auch mal kreativ werden.».