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Vielversprechende Aussichten für eine Eisschnellläuferin aus Unterägeri

Séverine Biermann verfolgt auf und neben der Bahn hohe Ziele. Die 18-Jährige fährt das letzte Jahr bei den Juniorinnen.
Michael Wyss
Séverine Biermann träumt von einer Teilnahme an den Olympischen Spielen.(Bild: Stefan Kaiser, Unterägeri, 21. Oktober 2019)

Séverine Biermann träumt von einer Teilnahme an den Olympischen Spielen.(Bild: Stefan Kaiser, Unterägeri, 21. Oktober 2019)

«Ich liebe es, auf dem Eis zu gleiten. Aus eigener Kraft kann ich ein hohes Tempo, zirka 45 Kilometer pro Stunde, generieren. Das Spannende daran ist, eine Harmonie zwischen Speed und Technik zu finden», beschreibt Séverine Biermann ihre Leidenschaft, das Eisschnelllaufen. Die 18-Jährige aus Unterägeri entdeckte die Freude dazu im Winter 2014/15 im EC Zürich, dem einzigen Verein, der Eistrainings anbietet. Jetzt gehört sie dem A-Kader des SEV an und bestreitet pro Saison rund 30 Wettkämpfe. Sie läuft momentan in der Kategorie A2, was heisst, dass sie im letzten Jahr als Juniorin steht. Die Leistungssportchefin des Schweizer Verbands erkennt grosses Potenzial in ihr (siehe separaten Text).

Der Umfang der Trainingseinheiten hängt von der jeweiligen Trainingsphase ab. Durchschnittlich sind es 10 bis 12 Stunden in der Woche. Biermann, die 1,64 Meter gross und 54 Kilogramm schwer ist, zeigt auf: «Im Winter trainiere ich so oft wie möglich im deutschen Inzell, da es der Trainingsstützpunkt des Schweizer Verbands ist, mit idealer Infrastruktur und einer 400-Meter-Bahn. Im Frühling und Sommer bin ich oft im Kanton Zug auf dem Rennrad oder Inline unterwegs und mache so etwas für meine Kondition und Fitness. Auch den Kraftkeller besuche ich oft oder mache zu Hause Trockenübungen.» Dabei hat Séverine Biermann gelernt: «Die Sommertrainings sind das A und O. Wenn du im Sommer nicht 110 Prozent Leistung bringst, kannst du das im Winter nicht mehr aufholen.»

Unterstützung von vielen Seiten

Eisschnelllauf betreibt die Menzinger Kantonsschülerin, die sich im Maturajahr befindet, von klein auf. «Ich habe verschiedene Sportarten ausprobiert, auch das Inlineskating. Schliesslich bin ich dann dadurch sowie durch meinen Bruder Colin auf das Eis gekommen. Viele Inlineskater wechseln im Winter zum Eisschnelllauf, da die Bewegungen ähnlich sind – auch mein Bruder. Zudem ist es eine olympische Disziplin, die besser unterstützt wird wie zum Beispiel von der Sporthilfe.»

Auf die Frage, wie man eine erfolgreiche Athletin werden kann, sagt sie: «Talent alleine genügt heute nicht. Es erfordert viel Trainingsfleiss und man muss auch auf viele Sachen verzichten können. Es braucht viel Disziplin und mentale Stärke.» Wie wichtig ist das Umfeld? «Das geniesst wichtige Priorität. Die moralische, wie auch finanzielle Unterstützung der Eltern, die mich früher zu den Trainings fuhren und die die Wettkämpfe besuchen, ist auch heute noch sehr wichtig für mich.» Auch ihre Schulkollegen seien immer für sie da und sehr wichtig für sie.

Der Kanton Zug ist ein Talentlieferant

Tamara Mathis, die Chefin Leistungssport Speed im Schweizer Verband, traut Séverine Biermann einiges zu. «Ihre Leistungssporttests sind vielversprechend. Sie schneidet fast durchgehend mit der Maximalpunktzahl ab. Ich bin überzeugt, dass sich Séverines Leistung sehr stark verbessern wird, wenn sie mehr Zeit auf dem Eis verbringen und für das Training aufwenden kann. Ich hoffe sehr, dass wir ihr Potenzial noch ausschöpfen können und den Weg gemeinsam bis Olympia bestreiten.» Die nächsten «Spiele» sind 2026 in Italien. Wie bei allen Schweizer Läuferinnen und Läufern hemmt die unbefriedigende Infrastruktur eine schnellere Entwicklung. In der Schweiz gibt es keine 400-Meter-Bahn. Die Alternative auf dem Dolder in Zürich auf einer Bahn von über knapp 250 Metern ist zudem nicht immer verfügbar. Dass Biermann noch die Schule besucht, beschränkt die Trainingszeiten zusätzlich. «Trotz der erschwerten Bedingungen schafft es Séverine, sich stetig zu verbessern», streicht Tamara Mathis heraus. Neben Séverine Biermann gibt es derzeit drei weitere Kaderfahrer der Schweiz, die aus dem Kanton Zug stammen: Oliver Grob (23, Elite, Steinhausen), Jasmin Güntert (19, Elite, Alosen) und Vera Güntert (21, Elite, Alosen). Offen ist die sportliche Zukunft von Séverins Bruder Colin Biermann und Unterägeri. Er absolviert gegenwärtig die Passerelle, eine Ergänzungsprüfung zur Berufsmatura oder Fachmatura.

Die Unterägererin läuft 500, 1000 (Sprintstrecken), 1500 (Mitteldistanz), 3000 und 5000 Meter (Langdistanz). Wie wichtig sind Medaillen und Pokale für die Kantonsschülerin? «Die Entwicklung und die stetigen Verbesserungen sind für mich wichtiger als Platzierungen, Medaillen oder Pokale. Auf dem Weg zu meinen Zielen zählen nicht nur Podestplätze. Tolle Erfahrungen, bei Junioren-Weltcups und sich international zu messen, sind unbezahlbar und bringen dich weiter.»

Doch Biermann sagt auch:

«Natürlich macht mich der komplette Medaillensatz, den ich an den Schweizer Meisterschaften in St.Moritz gewonnen habe, stolz. Das ist auch die Bestätigung für den Aufwand, den man Jahre betreibt.»

Das gelte auch für die Bahnrekorde bei den Junioren, die sie dieses Jahr in St.Moritz über 1500 und 3000 Meter aufgestellt hat.

Séverine Biermann träumt von der Teilnahme an den Olympischen Spielen. Sie weiss aber sehr genau, dass der Weg dahin noch weit ist. Zunächst gelte es, persönliche Bestzeiten zu unterbieten. «Es ist mein Ziel, mich für den Junioren-Weltcup zu qualifizieren und über die Langdistanz die Junioren-Weltmeisterschaftslimite zu knacken», sagt sie.

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