Vielversprechende erste Saison des Baarer Bobpiloten Timo Rohner

Der Baarer Timo Rohner (21) blickt auf abwechslungsreiche Monate zurück. Mit dem Zweier durfte er als Höhepunkt an der Weltmeisterschaft in Kanada teilnehmen – wenngleich nicht in seinem Schlitten.

Martin Mühlebach
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Timo Rohner und Adrian Fässler im Weltcuprennen in St. Moritz. (Bild: Keystone/Urs Flüeler (26. Januar 2019))

Timo Rohner und Adrian Fässler im Weltcuprennen in St. Moritz. (Bild: Keystone/Urs Flüeler (26. Januar 2019))

Der heute 54-jährige Marcel Rohner krönte seine erfolgreiche Bobkarriere an den Olympischen Winterspielen 1998 in Nagano. Er pilotierte seine Mannschaft im Vierer auf den hervorragenden 2. Rang. Heute ist der ehemalige Spitzenpilot der Inhaber der Bob Events GmbH, wo er als Coach und Personaltrainer tätig ist. Seine immense Erfahrung kommt nun seinem in Baar wohnhaften Sohn Timo (21) zugute. In der zu Ende gegangenen Saison steuerte er seinen Zweierbob im ersten Europacup-Rennen auf den sensationellen 4. Rang. Dazu sagt Timo Rohner: «Die Bahn in Altenburg haben wir relativ schnell in den Griff bekommen. Bereits am dritten Tag sind wir von ganz oben durch den von Kennern als schwierig und gefährlich eingeschätzten Eiskanal gedonnert. Viele andere Teams benötigten weitaus mehr Zeit, um sich zu trauen, von ganz oben zu fahren.»

Eine Woche später steuerte er den Vierer in Königsee auf den 8. Platz. Damit erfüllte er die Kriterien des Verbands Swiss Sliding, um in das C-Kader aufgenommen zu werden. Rohner, der seit seinem 15. Lebensjahr Bob fährt, konnte Selektionswettkämpfe gegen das Team des Emmers Pius «Billy» Meierhans bestreiten. Mit den Anschiebern Adrian Fässler, Roger Leimgruber und Pascal Moser verloren die Rohner Bulls das Duell im Vierer, gewannen aber die Ausmarchung im Zweier. Daraufhin konnte das Team im Weltcup starten – ein grosses Erlebnis für das junge Team. Nach Resultaten bei den Rennen am Königssee, in Igls-Innsbruck und beim Heimweltcup in St. Moritz kam das Aufgebot für Übersee.

Einen Bob ausgeliehen

Er konnte die Bobruns in Lake Placid, Calgary und – als Höhepunkt – im Rahmen der Zweier-Weltmeisterschaft die Bahn von Whistler kennenlernen und befahren. Aus logistischen und finanziellen Gründen musste Rohner allerdings seinen Schlitten zu Hause lassen und sich mit dem bereits in Übersee stationierten Ausbildungsbob des Bobclubs Zürichsee begnügen. Der Baarer fand sich auf den schwierigen und anspruchsvoll zu befahrenden Eiskanälen in den USA und Kanada schnell und gut zurecht. Er erzählt: «In Lake Placid wurde mir beschieden, dass die mit zwanzig schnell aufeinanderfolgenden Kurven an jeden Piloten eine echte Herausforderung darstelle. Wenn sich die Fahrt bis ins Ziel schlecht anfühle, sei sie gut gewesen.»

Die Bobbahn in Whistler, auf der Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 150 Stundenkilometern erzielt werden, bestraft selbst kleine Fehler des Piloten. Schmerzhafte Stürze sind keine Seltenheit. Dazu sagt Timo Rohner: «Am ersten Tag unseres Trainings in Whistler sind 16 Teams gestürzt. Unter anderem erwischte es sogar den kanadischen Olympiasieger Justin Kripps.» Im Wissen um die Tücken der Bahn, sei er sehr nervös gestartet. Als er den Eiskanal ohne Probleme sturzfrei gemeistert habe, hätte er laut gejubelt und eine «unbeschreibliche Freude und Genugtuung» verspürt, schildert Rohner. Er beendete die WM mit Adrian Fässler im 25. Rang.

Fernziel Olympia

Nachdem er nun auf den Bobbahnen der Welt Erfahrungen gesammelt hat, steckt sich der Zuger Bobpilot grosse Ziele. Er verrät: «In der kommenden Saison will ich sowohl mit dem Zweier- als auch mit dem Viererbob Weltcuprennen fahren. Mit guten Resultaten möchte ich für die Schweiz den vor einiger Zeit verlorenen dritten Startplatz im Weltcup zurückerobern.» Weitere Ziele seien die Teilnahme an der WM 2020 in Altenberg und 2021 in Lake Placid – und die Olympischen Spielen 2022 in Peking. «Mein Wunsch und Ziel ist es, mit einer Olympiamedaille in der Tasche in die Schweiz zurückfliegen zu können.»

Vater Marcel Rohner hört die Worte seines Sohnes gerne. «Ich würde mich riesig freuen, wenn Timos Traum in Erfüllung ginge», sagt er unterstützend.