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Preisverdächtige Pflanzenkohle aus Neuheim

Die Pflanzenkohle, die auf dem Neuheimer Hof Wies hergestellt wird, ist für den Agropreis 2019 nominiert.
Vanessa Varisco

Sanfte Moränenhügel, sattes Grün auf den Wiesen und leicht orangefarbene Bäume hie und da: Es ist nicht zu bestreiten, der Hof Wies in Neuheim, ist idyllisch gelegen. Betrieben wird er von der Familie Kaiser, die Pionierarbeit mit der Herstellung von Pflanzenkohle leistet. Vor acht Jahren hat sie sich gesagt: Statt reden, lieber selber etwas gegen den CO2-Ausstoss unternehmen. Weshalb sie gemeinsam mit der Verora AG und der Klimastiftung Schweiz den Sprung in die Produktion von Pflanzenkohle gewagt hat.

Mit dieser Innovation wurden sie nun für den Agropreis, der mit total 50000 Franken dotiert ist und am 7. November in Bern verliehen wird, nominiert. Ein Rundgang auf dem Hof zeigt, dass hinter dieser Idee einiges steckt. Aus minderwertigem Holz werden getrocknete Holzschnitzel und Pflanzenkohle hergestellt.

Dazu werden die Holzschnitzel zuerst mit Abwärme getrocknet, bevor sie dann in der Pyreganlage auf rund 500 Grad Celsius erhitzt werden. Fabian Keiser hat mit viel Tüfteln den Prototypen der Pyreganlage mit dem Hersteller und Kollegen zusammen weiterentwickelt zu einer funktionierenden Produktionsanlage für Futterkohle und getrocknete Hackschnitzel, sowie zur Beheizung des Wohnhauses. «Mit der Pflanzenkohle schlagen wir vier Fliegen auf einen Streich», weiss Franz Keiser. Denn das Produkt ist vielseitig von Nutzen: Minderwertiges Holz kann verwertet werden, Holzheizungen können mit Qualischnitzeln sauber betrieben werden, die Bodenfruchtbarkeit wird durch den Einsatz von Pflanzenkohle deutlich erhöht und gleichzeitig wird ein Beitrag zum Klimaschutz geleistet, da Pflanzenkohle als biologischer CO2-Speicher fungiert und Stickstoffemissionen reduziert. Ausserdem kann Pflanzenkohle an Tiere verfüttert werden und als Entgiftungsmittel wirken. «Der Kot riecht dadurch weniger unangenehm», sagt Keiser.

Aktuell läuft zudem eine Testphase mit Legehennen. Den Tieren wird Pflanzenkohle ins Futter gemischt und überprüft, wie sich das auf die Gesundheit, die Emissionen im Stall und die Legeleistung auswirkt.

Für eine klimapositive Landwirtschaft

Von den Kunden erhalte man ausschliesslich positive Reaktionen, weiss auch Fredy Abächerli, Verwaltungsrat der Verora AG. «Das Marktpotenzial ist alleine in der Landwirtschaft noch gross und so kann die Pflanzenkohle einen grossen Beitrag leisten, für eine klimapositive Landwirtschaft», betont Franz Keiser. Zurzeit vertreibt die Verora AG Pflanzenkohle von zwei Betrieben in der Schweiz und einem im Deutschland. «Ziel ist natürlich, dass es in Zukunft mehr Bauern gibt, die solche Anlagen auf ihren Höfen haben», findet Fredy Abächerli. Deshalb unterstützt die Verora AG Bauern mit technischem Know-how und dem Wissen, welches die Familie Keiser gesammelt hat.

Denn es war kein Leichtes, eine solche Anlage zum Laufen zu bringen. «Man muss immer im Hinterkopf behalten, dass wir alles von Null auf aufgearbeitet haben», betont Keiser. Sohn Fabian erzählt, dass anfangs Glutherde im Kohlesilo gelöscht werden musste, weil die Pflanzenkohle nicht richtig gelöscht werden konnte. Mittlerweile sind die Kinderkrankheiten überwunden. «Und es freut uns natürlich sehr, dass wir nach einem solch langen Arbeits- und Tüftelprozess für den Agropreis nominiert sind», schildert der Landwirt.

Neben drei weiteren Projekten konnte sich die Familie Keiser mit ihrer Pflanzenkohle gegen die total 49 eingereichten Projekte durchsetzten. Verliehen wird der Preis an innovative Projekte aus der Landwirtschaft. Unter dem Patronat des Schweizer Bauernverbands fördert und prämiert die Emmental Versicherung seit 1993 die Entwicklung neuer Marktideen und Kreativität, wie sie auf dem Hof Wies zu finden ist.

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