Leserbrief

Vier weitere kontroverse Lesermeinungen

Zur Abstimmung vom 29.November über die Initiative «Für verantwortungsvolle Unternehmen – zum Schutz von Mensch und Umwelt»

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Eins vorweg: Das Ziel der Unternehmens-Verantwortungs-Initiative (UVI) will und kann ich nicht kritisieren. Für mich als Unternehmensberater ist es selbstverständlich, dass ich Verantwortung für meine Empfehlungen übernehme und dafür geradestehe. Wenn sich eine Unternehmung auf Kosten schwächerer ungebührlich bereichert oder sie ausbeutet, muss das Konsequenzen haben.

Meine Erfahrung auf dem Markt zeigt mir, dass nur eine klare Minderheit der Unternehmen für Vergehen im Sinne der UVI bestraft werden würde. Statt die wahren Sünder zur Rechenschaft zu ziehen, würden alle (!) Schweizer Unternehmen unter den Folgen der UVI leiden. KMU jeglicher Grösse stünden bei einem Ja fortan unter demselben Generalverdacht wie riesige Konzerne. Das ist doch nicht verhältnismässig!

Mir fällt auf, dass in letzter Zeit viele Volksinitiativen zu wenig differenziert formuliert sind und unpräzise wirken. Mit einem erstrebenswerten Ziel scheinen sie zwar attraktiv – bei genauerer Betrachtung aber wird klar, dass die Inhalte schwammig formuliert sind und die Forderungen viel zu weit gehen. So ist es auch bei der UVI: Bei dieser handelt es sich um einen regelrechten Rundumschlag gegen die Wirtschaft. Für mich ist klar: Nur weil einige wenige Betriebe sich nicht an die Regeln halten, bedeutet das noch lange nicht, dass wir deswegen alle anderen rechtschaffenen Unternehmen unter Generalverdacht stellen sollten. Deshalb: Nein zur UVI.

Andreas Blättler, FDP, Neuheim


Wem glauben Sie mehr? Diese Frage stellt sich mir, wenn ich auf der einen Seite die Aussage der grünliberalen Nationalrätin Isabelle Chevalley lese und auf der diametral gegenüberliegenden Seite die Meinung von 15 Professoren, sogenannten «Entwicklungsökonomen». Um was geht es genau?

Chevalley engagiert sich seit 20 Jahren mit Herzblut in Afrika vor Ort für ein besseres Leben der Bevölkerung, Afrika ist quasi ihre zweite Heimat geworden. Sie sagt ganz klar, dass sich bei einer Annahme der UVI in den betroffenen Drittwelt Ländern im besten Fall nichts ändern würde, wahrscheinlicher sei aber, dass die wirtschaftliche und soziale Situation der Bevölkerung sich massiv verschlechtern wird. Ihre Argumente sind einleuchtend; werden KMU und Konzerne in der Schweiz verklagt, werden sich diese aus den Risikogebieten zurückziehen müssen, da sie in diesen meist korrupten Ländern wohl nur einen äusserst geringen oder gar keinen Einfluss auf das System ausüben können.

Ergo werden sie immer wieder verklagt. Übernehmen werden dann Firmen mit Sitz in Ländern, welche selbst weder arbeitsrechtliche noch ökologische Standards kennen.

Dem widersprechen 15Professoren, sie sind Zitat «irritiert über diese Aussage». Laut ihren Analysen und Berechnungsmodellen wirkt sich das neue Gesetz positiv auf die Situation der betroffenen Menschen aus.

Ich weiss jetzt nicht, wie viele dieser Professoren schon mal selbst auf einer Plantage oder Mine in Afrika, Südamerika oder Indien waren. Was aber immer wieder bewiesen wurde, ist, dass die Millionen an staatlichen Entwicklungshilfe Geldern, welche aufgrund von Analysen sogenannter «Entwicklungsökonomen» im Giesskannenprinzip über die 3.Welt ausgeschüttet werden für die Bevölkerung praktisch keine nachhaltige Verbesserung bringen. Kleine Projekte mit engagierten Menschen vor Ort, welche Land und Leute kennen sind um ein Vielfaches effizienter und nachhaltiger.

Für mich ist völlig klar, dass die Aussage von Frau Chevalley sehr viel einleuchtender und plausibler ist als die Theorien von erwähnten Akademikern.

Es stellen sich für Sie zwei Fragen. Nehme ich den nicht abschätzbaren Schaden für unsere Wirtschaft und damit für unsere Gesellschaft in Form von Arbeitslosigkeit und weniger Steuereinnahmen als Kollateralschaden in Kauf, für etwas, das praktisch null Effekt in den betroffenen Ländern hat? Und macht es Sinn für mich, wenn meine Spendengelder an NGO künftig in Anwälte investiert werden, welche Schweizer Firmen einklagen, anstatt in Hilfsprojekte? Na ja, Sie glauben ja wohl nicht, dass die betroffene Familie die in der kongolesischen Mine arbeitet, sich den Anwalt für die Klage leisten kann, oder?

Für mich ist die Antwort klar.

Emil Schweizer, Kantonsrat SVP, Neuheim


Die Haftung ist auf Grosskonzerne mit Sitz in der Schweiz beschränkt. KMU sind ausgenommen.

Wer verantwortlich wirtschaftet, hat nichts zu befürchten. Viele Länder haben bereits ähnliche Gesetze verabschiedet, beispielsweise gegen Kinderarbeit oder den Handel mit Mineralien aus Konfliktgebieten. Darum Ja zur Konzernverantwortungsinitiative.

Ehrlichkeit bringt am Schluss allen etwas, den direkt Betroffenen den indirekt Betroffenen.

Es schleckt keine Geiss weg, dass wir – damit meine ich den Kanton Zug, die Einwohner- und die Kirchgemeinden, schlicht jede Einzelperson – alle profitieren von einer guten Wirtschaft. Es soll den Internationalen, den KMU und den Einzelfirmen gut gehen – doch bitte für alle die gleich langen Spiesse!

Es braucht Regeln, die einforderbar und einklagbar sein müssen, hier und im Ausland, ansonsten wird die Schweiz wieder auf schwarze Listen kommen. Der gnadenlose Steuerwettbewerb hat ausgedient, was hier gespart wird, fehlt anderswo. Der Gegenvorschlag des Bundesrates, der ein ethisches Mäntelchen ist, bleibt bei politischer Kosmetik.

Die Konzern-Verantwortungs-Initiative ist nur ein kleiner, längst nötiger, Schritt in Richtung mehr Gerechtigkeit. Vielleicht lesen Sie nochmals die Meinungen von Nestlé-Chef Bulcke und Wirtschaftsethiker Peter Ulrich in dieser Zeitung vor wenigen Tagen. Unsere Kinder und Kindeskinder werden uns einmal dafür danken – wenn wir uns beherzt für ein Ja zur KVI einsetzen.

Ruedi Odermatt, Steinhausen