VOGELGRIPPE: Alarm für 63 700 Hühner

Auch im Kanton Zug gilt nun für Nutzgeflügel die Stallpflicht. Obwohl an den heimischen Seen noch keine verendeten Wildvögel gefunden wurden, warnt der Kantonstierarzt vor der grossen Ansteckungsgefahr.

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An der frischen Luft und doch geschützt: Die Hühner von Peter Werder im überdachten Aussenstall.Bild: Stefan Kaiser (16. November 2016)

An der frischen Luft und doch geschützt: Die Hühner von Peter Werder im überdachten Aussenstall.Bild: Stefan Kaiser (16. November 2016)

Hier haben es die Hühner gut. Im Stall von Peter Werder in Bibersee können seine Tiere an die frische Luft und sind gleichzeitig geschützt – von oben durch ein Dach und an den Seiten des Aussenstalls durch einen Maschendraht. «Denn meine Hühner dürfen jetzt nicht mehr ins Freie», sagt der Chamer Bio-Landwirt, der rund 3500 Legehennen sein eigen nennt.

Grund: Nachdem Fälle von Vogelgrippe am Bodensee sowie am Genfer- und Neuenburgersee registriert wurden, hat das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen jüngst die Stallpflicht für Nutzgeflügel ausgegeben – damit die Ausbreitung der Seuche festgestellt und eingedämmt werden kann.

Ansteckung findet über den Kot statt

«Glücklicherweise sind im Bereich der Zuger Seen noch keine Wildvögel infolge von Vogelgrippe verendet», beruhigt Rainer Nussbaumer, Kantonstierarzt und Leiter des Zuger Amts für Verbraucherschutz. Die nun durch das Bundesamt ausgesprochene Stallpflicht für Hühner gelte dennoch auch für den Kanton Zug. «In erster Linie geht es darum, jeden Kontakt von Nutzgeflügel mit Wildvögeln zu vermeiden. Es muss sichergestellt werden, dass die Futter- und Tränkestellen des Nutzgeflügels nicht für Wildvögel zugänglich sind», erklärt Nussbaumer. Dies sei deshalb wichtig, da der Virusaustausch über den Kot stattfinde. «Wenn sich Wildvögel im Futter- und Tränkebereich aufhalten würden, käme es zu einer Verschmutzung von Futter und Wasser und zu diesem Virusaustausch. Wenn diese Abgrenzung nicht möglich ist, muss das Nutzgeflügel in geschlossenen Ställen gehalten werden», stellt der Kantonsveterinär klar. Wobei ein Wildvogel schon ein kleiner Spatz sein kann.

Von der Stallpflicht sind Tausende von Zuger Hühnern betroffen – genauer gesagt 63 700 Tiere. Wie Bruno Aeschbacher vom Amt für Landwirtschaft mitteilt, gibt es im Kanton Zug insgesamt rund 200 Geflügelhaltungen, «wobei die meisten einen nicht-professionellen Charakter haben oder Hobbytierhaltungen entsprechen», so Aeschbacher. Der kleine Anteil von professionellen Betrieben halte anderseits rund 94 Prozent des Nutzgeflügels. Von den 68 000 Hühnern sind 28 000 Mastpoulets, 13 700 Junghennen, -hähne und Küken sowie 22 000 Lege- und Zuchthennen. Viel Federvieh, keine Frage.

Vogelgrippe-Viren zirkulieren in Sibirien

Obwohl bis jetzt keine Infizierung von Schweizer Nutzgeflügel nachgewiesen werden kann, ist laut Zuger Kantonstierarzt das Ansteckungspotenzial der Vogelgrippeviren vom Typ H5N8 durch Wildvögel sehr gross. Nussbaumer: «Vogelgrippe-Viren zirkulieren in einem natürlichen Reservoir in Sibirien. Dieses Jahr konnte sich dort der ansteckende Typ H5N8 vermehren und gelangt mit dem Vogelzug der bei uns überwinternden Wasservögel in unsere Gewässer.» Für eine Übertragbarkeit auf den Menschen gebe es keine Hinweise.

Die Hühner von Peter Werder in Bibersee freuen sich derweil über ihren geschützten Auslauf. Werder: «Wenn die Tiere nämlich nicht beschäftigt werden oder zu eng aufeinander leben, werden sie aggressiv.»

Wolfgang Holz