Volksinitiative
Die Stadtbahn soll nach Zürich fahren: Neues Gleis zwischen Cham und Steinhausen angeregt

Der Zuger Regierungsrat hat den Bau eines neuen Gleises zwischen Cham Alpenblick und Steinhausen Rigiblick vor drei Jahren abgelehnt. Nun will ein Initiativkomitee das Anliegen vors Volk bringen.

Linda Leuenberger
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Das Bahntrassee soll einst durchs Sumpfgebiet führen.

Das Bahntrassee soll einst durchs Sumpfgebiet führen.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 09. Juni 2021)

Ein überparteiliches Initiativkomitee bestehend aus Politikerinnen und Politikern der Stadt Zug, Cham und Steinhausen sammelt per sofort Unterschriften für die Initiative «Zweite Etappe Stadtbahn». Das Ziel: Ein neues Gleis zwischen den S-Bahn-Haltestellen Cham Alpenblick und Steinhausen Rigiblick, um die ÖV-Verbindungen der wachsenden Bevölkerungszahl der Region anzupassen.

«Kleine Strecke, grosse Wirkung», werben die Initiantinnen und Initianten für die aus ihren Augen notwendige Alternative zur bisherigen Hauptlinie Zürich‒Zug‒Luzern. Mit dem neuen Teilstück könne die Stadtbahn sowie der Bahnhof Zug entlastet werden. Eine umsteigefreie Verbindung von Cham nach Zürich würde möglich.

Neue Überbauungen und mehr Menschen

«Es ist eigentlich schon fünf nach zwölf», sagt Matthias Zoller, Präsident CVP Cham, an der Medienkonferenz des Initiativkomitees draussen im Sumpfgebiet, wo die Bahnlinie einst verlaufen soll. In Cham und Steinhausen werden in absehbarer Zukunft Parzellen in der Städtlerallmend und im Gebiet Choller-West überbaut. Dazu komme das neue Wohn- und Arbeitsquartier, welches im Papieri-Areal derzeit im Bau ist. Es entstehen mehrere tausend neue Arbeitsplätze. Die neue Verbindung solle sicherstellen, dass mit dem Bevölkerungs- und Pendlerwachstum nicht auch der Individualverkehr zunimmt.

Auf einer Luftfotografie von 1946 lässt sich erkennen, dass es auf demselben Terrain früher bereits ein Gleis gab. Dieses wurde 1864 in Betrieb genommen und ist damit gemäss der Initiantinnen und Initianten eine der ältesten Zugverbindungen der Schweiz. 1970 wurde das Gleis stillgelegt und anschliessend rückgebaut. Bei der Wiederinbetriebnahme der Verbindung soll das neue Gleis in einer leicht abgeänderten Kurve durch das Flachmoos verlaufen, da mittlerweile Siedlungsgebiete entstanden sind. Jean Luc Mösch, Kantonsrat Die Mitte, schätzt – basierend auf Gesprächen mit verschiedenen Akteuren – einen finanziellen Aufwand von 100 Millionen Franken.

Medienkonferenz vor Ort: Jean Luc Mösch von der CVP Cham erklärt das Projekt. Matthias Zoller, CVP Cham, und Barbara Gysel, SP Stadt Zug, halten das Luftbild.

Medienkonferenz vor Ort: Jean Luc Mösch von der CVP Cham erklärt das Projekt. Matthias Zoller, CVP Cham, und Barbara Gysel, SP Stadt Zug, halten das Luftbild.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 09. Juni 2021)
Der Alpenblick Cham mit dem Gleis zum Steinhauser Rigiblick, fotografiert 1967 von Werner Friedli.

Der Alpenblick Cham mit dem Gleis zum Steinhauser Rigiblick, fotografiert 1967 von Werner Friedli.

Quelle: Initiativkomitee «Zweite Etappe Stadtbahn» / Chamapedia

Kanton Zug lehnte ersten Anlauf ab

Vor vier Jahren hat eine Gruppe von 13 Kantonsrätinnen und Kantonsräten ein Postulat für den Neubau und die Inbetriebnahme der Verbindung Cham‒Steinhausen eingereicht. Vier davon sind nun auch bei der Initiative «Zweite Etappe Stadtbahn» dabei. Das damalige Postulat wurde 2018 vom Kanton Zug als nicht erheblich erklärt und abgelehnt. Die erneute Inbetriebnahme der Strecke wäre mit «erheblichen Kosten ausschliesslich zu Lasten des Kantons Zug verbunden und ergäbe gleichzeitig keine wesentliche Verbesserung der Verbindungen im öffentlichen Verkehr», schreibt der Kanton 2018 in seiner Stellungnahme.

So wie sich die Pendlerströme verhalten, wäre die neue Verbindung im Vergleich zum Individualverkehr nicht konkurrenzfähig, steht in der Postulatsantwort weiter. Mit dem Auto wäre man beispielsweise auf dem Weg von Cham nach Altstetten nach wie vor schneller. Der Kanton schätzt das Fahrgastpotenzial der 1100-Meter-Strecke als bescheiden ein: Sie ist für zu wenige Pendlerinnen und Pendler interessant und würde für die Mehrheit eine Fahrzeitverlängerung bedeuten. Auch der Zürcher Verkehrsbund (ZVV) und der Verkehrsverbund Luzern (VVL) lehnten 2018 das Anliegen des Postulats ab.

Mehr zur Initiative unter zweite-etappe.ch.