Volkstheater
Die Theatervereinigung Menzingen landet mit der Aufführung «Landdienst 1950» einen Volltreffer

Bereits im letzten Jahr haben sich die Mitglieder des Theatervereins mit diesem Stück beschäftigt. Aufgrund der Pandemie können sie es erst jetzt auf die Bühne bringen. Gefeiert wird damit gleichzeitig das 70-jährige Bestehen des Vereins.

Martin Mühlebach
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Bauer Christian Grunder (gespielt von Michael Schild), Dominik der Knecht (gespielt von Beat Weiss), und Frau Grunder (gespielt von Luzia Oehen) haben mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen.

Bauer Christian Grunder (gespielt von Michael Schild), Dominik der Knecht (gespielt von Beat Weiss), und Frau Grunder (gespielt von Luzia Oehen) haben mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen.

Bild: Matthias Jurt (Menzingen, 22. Oktober 2021)

1950, sechs Jahre nach dem 2. Weltkrieg herrschte auf dem Lande grosse Armut. Die Bauern mussten mit billigen Arbeitskräften um ihre Existenz kämpfen. Damit nicht genug: Geldgierige Spekulanten versuchten sich kostbares Weideland unter den Nagel zu reissen. Mit «Landdienst 1950» von Jakob Stebler – in einer Bearbeitung von Regisseurin Rita Kälin – bringt das Theater Menzingen ein Stück Zeitgeschichte auf die Bühne.

Bauer Christian Grunder (Michael Schild) muss nicht nur den Tod seines geliebten Sohnes verkraften. Er macht sich auch Sorgen um eine erkrankte Kuh. Und als der reiche Verwalter des Grunder Hofs, Amtsvormund Herr Maibach (Thomas Dubach), ein Stück Weideland abgreifen will, wird der Bauer mehr und mehr zu einem unausstehlichen Menschen, der seine Frau (Luzia Oehen), den alten Knecht Dominik (Beat Weiss) und den krank im Bett liegenden Verdingbuben Ruedi wie den letzten Dreck behandelt.

Als schliesslich die attraktive Städterin Ruth Sommerhalder (Tamara Zurfluh), die beim Alkoholfreien Frauenverein als Serviertochter arbeitet, zu einem zweiwöchigen Freien Landdienst auf dem Hof eintrifft, prallen zwei Welten aufeinander. Christian Grunder will Ruth Sommerhalder sofort des Hofes verweisen. Erst recht als er erfährt, dass sie die ganze Nacht im Zimmer des kranken Verdingbuben verbracht hat. Grunder, der ein unsittliches Verhalten vermutet, schaltet Amtsvormund Maibach ein, der sofort ein Strafverfahren gegen Sommerhalder einleitet.

Die Anschuldigung bringt das Fass zum überlaufen

Sie aber beteuert: «Ich habe nichts Unrechtes getan. Ich habe lediglich den schwerkranken Buben gepflegt.» Als sich Gruber weigerte, den Buben von einem Arzt untersuchen zu lassen, wendet sich Ruth Sommerhalder an den Tierarzt (Armin Betschart). Und als dieser beim Verdingbuben eine akute Lungenentzündung diagnostizierte, überschlagen sich die Ereignisse.

Verraten sei nur so viel: Ruth Sommerhalder, deren Arbeitsvertrag beim Alkoholfreien Frauenverein per sofort aufgelöst wird, verlässt gemeinsam mit dem alten Knecht Grunders Hof. Ist es dem Bauern egal? Versucht er Ruth Sommerhalder und den Knecht zur Rückkehr zu bewegen? Welche Rolle spielen Maibach, Gemeindeschreiber Müsterli (Pascal Hürlimann), der alle Fragen nach dem Befinden des Verdingbuben als «gut» bezeichnet? Und wie verhält sich Frau Stichler (Barbara Maissen), die Chefin des Alkoholfreien Frauenvereins, als sie bei den Grunders aufkreuzt?

Mit Bauer Christan Grunder (links) und Städterin Ruth Sommerhalder (zweite von rechts) prallen zwei Welten aufeinander.

Mit Bauer Christan Grunder (links) und Städterin Ruth Sommerhalder (zweite von rechts) prallen zwei Welten aufeinander.

Bild: Matthias Jurt (Menzingen, 22. Oktober 2021)

Grossartig interpretierte Charakterrollen

Verraten sei überdies, dass sämtliche auf der Bühne stehenden Personen ihre Rollen mustergültig spielen. Hervorzuheben ist vor allem, dass sie ihre Charakterrollen grossartig interpretieren. Regisseurin Rita Kälin, die zurecht stolz ist auf ihre Truppe, erzählt: «Nachdem wir ‹Landdienst 1950› bereits im vergangenen Jahr zweimal aufführten, ehe wir die weiteren geplanten Vorstellungen in Folge der Coronapandemie absagen mussten, machte ich mir schon einige Gedanken. Ich fragte mich, ob die Truppe nochmals bereit ist, sich nochmals voll ins Zeug zu legen.»

Da der Text ja bereits gesessen habe, hätte sie ihr Hauptaugenmerk auf die Charakteristik der einzelnen Rollen gelegt. Dieses Unterfangen ist der versierten Regisseurin vollauf geglückt. Rita Kälin sagt denn auch:

«Ich bin stolz auf meine Truppe, die dieses Stück aus Wertschätzung der Gründer des Theater Menzingen gespielt hat, die mit ‹Landdienst 1950› vor genau 70 Jahren ihren ersten Bühnenauftritt feierten.»

Weitere Aufführungen: Dienstag, 26. Oktober; Freitag, 29. Oktober, und Samstag, 30. Oktober, jeweils um 20 Uhr im Zentrum Schützenmatt in Menzingen. Reservationen unter www.theatermenzingen.ch oder unter der Nummer 076 535 63 13 jeweils montags von 19 bis 20 Uhr.

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