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Vom Aufstieg der Chamer in Zürich

HINGESCHAUT Bereits im Frühmittelalter bestand zwischen Cham und der Limmatstadt eine enge Beziehung. Ein Zürcher Stadthaus erinnert bis heute an eine einflussreiche Familie, deren Wurzeln am Zugersee liegen.
Andreas Faessler
Das stattliche «Chamhaus» in Zürich an der Ecke Untere Zäune/Hirschengraben ist nach Bernhard von Cham (1508-1571) benannt. Der Sprössling einer angesehenen Familie hat es weit gebracht. (Bild: Andreas Faessler (12. Juli 2018))

Das stattliche «Chamhaus» in Zürich an der Ecke Untere Zäune/Hirschengraben ist nach Bernhard von Cham (1508-1571) benannt. Der Sprössling einer angesehenen Familie hat es weit gebracht. (Bild: Andreas Faessler (12. Juli 2018))

Im 15. Jahrhundert existierten in der Stadt Zürich mehrere Familien, welche innert Kürze einen angesehenen sozialen Status erreichten, indem sie wichtige städtische Ämter besetzten. Zu ihnen gehörte auch die Familie «von Cham», deren Mitglieder in der Limmatstadt zu höchsten weltlichen und auch kirchlichen Würden kamen. Der Familienname leitet sich tatsächlich von der heutigen Zuger Gemeinde ab, wo bereits im 9. Jahrhundert ein Meierhof (curtis indominicata) existierte. Dieser wurde am 16. April 858 von König Ludwig dem Deutschen (806-876) an das fünf Jahre zuvor von ihm gegründete Zürcher Fraumünster-stift überschrieben. Die entsprechende Pergamenturkunde wird im Staatsarchiv Zürich aufbewahrt, und eine Kopie davon ist in der Schlosskapelle St. Andreas in Cham zu besichtigen («Hingeschaut» vom 24. Dezember 2014). Bis 1244 unterstand die Chamer Pfarrkirche gar der Fraumünsterabtei. 1271 wurde die Pfarrei Cham dem Grossmünster inkorporiert. Es bestand also eine enge Beziehung zwischen dem Dorf am Zugersee und der Stadt Zürich.

Seit dem 13. Jahrhundert sind Personen mit dem Zunamen «von Cham» in der Stadt Zürich belegt, wie die Historikerin Beatrice Wiggenhauser im «Zürcher Taschenbuch» 1999 beschreibt. Es ist demnach davon auszugehen, dass es sich um Abstämmige der Meierfamilie handelt, welche in der Region um Cham über reichen Grundbesitz verfügte. Während die Chamer Meierfamilie im Verlauf des 14. Jahrhunderts aus der Geschichtsschreibung verschwindet, bleiben die von Cham in Zürich weiterhin belegt. Im Jahre 1362 wird ein gewisser Bäckermeister Heinrich von Cham genannt, der den Bäckerbetrieb des Grossmünsters im Pfistereihaus leitete. Er besass gemäss historischer Steuerauszüge ein eigenes Haus an der Schifflände. Im Jahre 1401 erhielt ein Bäckermeister Johann von Cham – wohl ein direkter Nachfahre des oben genannten Heinrich – das Zürcher Bürgerrecht. Auch er stand im Dienste des Grossmünsters. Er hatte fünf Söhne, von denen es vier weit brachten: Einer wurde Zunftmeister, einer Ratsschreiber, einer Stadtschreiber und einer – Rudolf – sogar Bürgermeister. Sie begründeten den steilen Aufstieg der Familie von Cham in der Stadt Zürich. Ihre Nachkommen führten die «Dynastie» fort: Im Verlauf der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts besetzten und hielten die von Cham einflussreiche weltliche und auch kirchliche Ämter in der Stadt Zürich. Dies gar in einer Zeit, in der Zürich eine schwere politische und wirtschaftliche Krise erlebte.

Nach der Reformation brachte es Bernhard von Cham (1508-1571) – ein Sprössling desjenigen Familienmitgliedes, das als einziges den Bäckereibetrieb aufrecht erhalten hatte – zu besonders hohem Ansehen. Der finanzielle Reichtum, den sein Vater mit seinem Unternehmen angehäuft hatte, ermöglichte Bernhard den Aufstieg. Er besetzte wiederholt Ratsherrenämter, wurde bereits mit 25 Jahren Zürcher Säckelmeister, stand bald bedeutenden Vogteien vor und war schliesslich ab 1560 Bürgermeister der Stadt Zürich. Im Nebenamt fungierte er wiederholt als Tagsatzungsvorsitzender und eidgenössischer Gesandter am Hofe Kaiser Maximilans II. sowie des Herzogs von Savoyen. Er war Mitglied der wichtigsten Vereinigungen und Gesellschaften Zürichs und steigerte seinen Einfluss durch zwei Ehen mit Frauen aus angesehenem Hause. Bernhard von Cham besetzte das Stadtzürcher Bürgermeisteramt bis zu seinem Tod am 25. April 1571.

Ein Mann von Bernhards Format wohnte in der reichen Limmatstadt entsprechend feudal. Er erwarb eine stattliche Liegenschaft an der Napfgasse. Bis heute hat sich an diesem Gebäude ein Relief erhalten, welches das Familienwappen der von Cham zeigt: eine Bärentatze. Wenig später kam auch das aus dem 14. Jahrhundert stammende «Haus zur Meerkatze» in Bernhards Besitz. Es hatte einst Johannes Vink gehört, ein bedeutender Bürger, der es ebenfalls zum Säckel- und Bürgermeister gebracht hatte. Das Gebäude wurde ab dem 17. Jahrhundert, bezugnehmend auf seinen illustren Bewohner, als «Chamhaus» bezeichnet. Dies, obschon das Geschlecht derer von Cham bereits seit 1573, nach dem Tod des letzten Nachkommen, ausgestorben war.

Als «Chamhaus» ist das Gebäude noch heute bekannt. Es steht als markanter Eckbau prominent an der Unteren Zäune 1 und dominiert die grosse Freifläche zwischen Hirschengraben und Kirchgasse. Auf zwei Seiten trägt das Gebäude seinen in goldener Frakturschrift gefassten Namen. Der Baukörper weist sichtlich die Formen des typischen mittelalterlichen Zürcher Bürgerhauses auf. Sein heutiges Erscheinungsbild mit historisierenden Elementen jedoch stammt von Umbauten durch Theodor Geiger im Jahre 1867 und vor allem durch Paul Ulrich im Jahre 1884. Während dieser Jahrzehnte war das Chamhaus Sitz der Schweizerischen Lebensversicherungs- und Rentenanstalt. Seit 1975 steht das Gebäude unter Denkmalschutz.

Das Chamhaus am Rande der Zürcher Altstadt erinnert bis heute an die einst einflussreiche und angesehene Familie, deren Wurzeln im Dorf am Zugersee zu suchen sind.

Hinweis: Mit «Hingeschaut» gehen wir wöchentlich Fundstücken mit kulturellem Hintergrund und Zuger Bezug nach.

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