Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vom Genuss jugendlicher Courage im Kinder und Jugendtheater

Am Samstagabend hat das Kinder- und Jugendtheater Friedrich Dürrenmatts Klassiker «Die Physiker» aufgeführt. Die Jugendlichen überzeugten dabei auf allen Ebenen.
Pascal Studer
Von links: Isabel Pfister, Isabella Grassi und Jill Biletter als «Newton». (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 9. November 2018))

Von links: Isabel Pfister, Isabella Grassi und Jill Biletter als «Newton». (Bild: Stefan Kaiser (Zug, 9. November 2018))

Es ist alles andere als kühn, Friedrich Dürrenmatt Tiefgang zuzuschreiben. Wer einmal im Deutschunterricht eines seiner Werke mit der nötigen Liebe zum Detail analysiert hat, kann dies mit Gewissheit bestätigen. Alles andere als eine kühne Behauptung ist jedoch sicherlich, dass die wenigstens wohl die Courage hatten, sich an sein anspruchsvolles Drama «Die Physiker» zu wagen.

Courage deriviert vom französischen Wort «coeur» und bedeutet, etwas von ganzem Herzen zu tun. Es bedeutet, mutig zu sein, und gewissermassen auch die Kunst, authentische Hingabe für eine Sache zu zeigen. Echte Courage ist selten. Umso schöner ist es, wenn sie einem manchmal einfach in den Schoss fällt. So wie letzten Samstagabend, als das Kinder- und Jugendtheater Zug die Bühne im dritten Metalli-Untergeschoss in den Saal des Sanatoriums «Les Cerisiers» verwandelte – den fiktiven Ort von Dürrenmatts irrsinnigem Schauspiel.

Sinnfrage über Sein oder Nicht-Sein

Der Zuschauer wird mit einem interessanten Lichtspiel von Beginn an in die überzeugende Darbietung der 14- bis 18-jährigen Jugendlichen hineingesogen. Das Lichtspiel symbolisiert die Schnappschüsse des Polizisten Blochers, der auf Anweisung seines Vorgesetzten Richard Voss eine Leiche zu fotografieren hat. Im «Les Cerisiers» wurde nämlich gemordet, schon wieder. Ein verrückter Patient, der sich für Albert Einstein hält, hat seine Pflegerin erdrosselt. Doch der irre Täter geigt und kann nicht vernommen werden.

Aus der Mimik Richard Voss, gespielt von Benjamin Koch, kann der Zuschauer nun entschlüsseln, dass er sich mit den Schauspielern in den nächsten zwei Stunden auf eine dramatische Reise ins Abstruse, Paradoxe aber gleichzeitig hochgradig Relevante begibt. Denn was zuerst als purer Klamauk anmutet, entlädt sich später zu einer Sinnfrage über Sein oder Nicht-Sein der menschlichen Zivilisation.

Es war sehr beeindruckend, wie selbstbewusst die Jugendlichen das Drama darboten. Dürrenmatt übt in «Die Physiker» eine Art von Gesellschafts- und Wissenschaftskritik. Die beiden Regieführenden Myriam Gurini und Stefan Koch-Spinnler betonen daher, dass es wichtig sei, mit den Jugendlichen über das Stück zu sprechen: «Sie müssen den Text verstehen, sonst können sie es nicht spielen. Nur auswendig lernen reicht nicht», sagt Koch-Spinnler.

Dass die Jugendlichen das Stück derart gut meistern, macht die beiden offensichtlich zufrieden: «Wir sind wirklich sehr stolz auf sie», sagt Myriam Gurini lächelnd. Gleichzeitig betont sie, dass nicht nur Jugendliche mit angeborenem Flair für Bühnenauftritte, sondern auch «Mauerblümchen» beim Kinder- und Jugendtheater mitspielen. Dabei sei es immer wieder bemerkenswert, welchen Reifeprozess sie in den jeweiligen Projekten durchlaufen. «Sie gewinnen jeweils sehr viel Selbstbewusstsein», bestätigt Gurini.

Nun haben die Jungschauspieler ein paar Tage Pause, bevor sie am 15., 16. und schliesslich am 17. November im Theater Metalli «Die Physiker» zum letzten Mal aufführen. Wer couragierte, selbstbewusste und talentierte Jugendliche auf der Bühne sehen will, ist mit einem Besuch sicherlich gut beraten.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.